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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-05-17 · Heft 21 (17.5.1852) · p. Seite 247

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 21 (17.5.1852)
Date
1852-05-17
Page
Seite 247 (sequence 7)
Language
German
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Ministeriums hängt indeß mit diesen Dingenzusammen. —. AuS Toskana bringen französische Blätter fortwährend Berichte über die dortige Ministerkrise, die auS. Anlaß der bekanntlich vom Großherzoge be- - abstchtigten Abschaffung der Leopoldinischen Gesetze! entstanden ist. Herr Boccella, der mit der Bildung - eines neuen Kabinets betraut ist, habe eS-bisher.noch nicht vermocht, die' nöthigen Mitglieder zusammenzubringen. Außerdem wird jetzt der >,Jnd. belge" : berichtet, der Französische Geschäftsträger in Florenz, Herr -Joachim Murat, habe im Aufträge seiner Regierung eine Note überreicht, in welcher gegen die Rückschrittspläne deS toskanischen Gouvernements Vorstellungen gemacht werden. (Correspbl. a.Böhm.) - Nachrichten auS Florenz vom 28. April im „Journal des Debats" zufolge war die Aufregung, welche dort wegen der projektirten Abschaffung der Leopoldinischen Gesetze herrschte, im Steigen begriffen. Es scheint,, daß der Großherzog die Absicht auSgedrückt hat, diese Gesetze abzuschaffen. Seine Minister haben jedoch, mit Ausnahme eines einzigen, des Unterrichtsministers, Marquis) Boccella/ mit ihrer Entlassung gedroht. Es handelt sich insondkrS von der Abschaffung der Gesetze, durch welche die Juden emanzipirt worden sind. Denselben will man alle bürgerlichen Rechte wieder nehmen und ihnen nur die Ausübung ihres Kultus gestatten. Wie man sich denken kann, haben diese in Aussicht stehenden Maßregeln große Bestürzung hervorgerufen. Viele reiche'Juden■ werden, wie man von dort schreibt, nach Piemont auswandern. Die Emanzipation der Juden war zur Zeit, in Toskana sehr gut aufgenommen worden. 'Die Nachrichten aus Florenz geben jedoch noch nicht alle Hoffnung auf, daß der Großherzog, gegenwärtig von Florenz abwesend, die Dekrete, welche diese Reformen anordnen sollen, nicht unterzeichnen wird. Mehrere Mitglieder des diplomatischen Korps, besonders der österreichische und der französische Minister, sind gegen diese Maßregeln, und man hofft, daß ihre Bemühungen, so wie die des binnen-Kurzem erwarteten neuen Ministers Englands, Bulwer, nicht ohne Erfolg bleiben. —r Einer Korrespondenz der „Jnd. belge" auS Florenz vom 3. Mai zufolge bleibt das Ministerium Baldafferoni, - und die Leopoldinischen Gesetze werden nicht aufgehoben. . Türkei. Bulgarien, 19. April. Eine Räuberbande .drang kürzlich in daS jüdische BethauS zu Karnabot, beraubte die Frauen ihres Schmuckes und trug die Kostbarkeiten des Tempels fort. Nach vollzogener Plünderung zog sich die ruchlose Bande in die nahen Wälder. In Cesergiakelissi bemächtigte sie sich zweier bulgarischer Kinder; da die Gemeinde das geforderte Lösegeld nicht aufzubringen-vermochte, so wurden die unschuldigen Kleinen enthauptet. Ueberhaupt haben sich in Bulgarien zahlreiche Verbrechen dieser Gattung ereignet. ES läßt sich leicht ermessen, welcher Schrecken darüber in der Bevölkerungherrscht. Die einsam stehenden Landhäuser werden verlassen und zahlreiche Dorfbewohner flüchten sich nach den Städten. LLterarifcke Nachrichten. ZNagdeburg, im Mai. Philosophie und philosophische Schriftsteller der Juden. Eine historische Skizze. Aus dem Französischen des S. Munk, mit erläuternden und ergänzenden Anmerkungen von vr. B. Beer. Leipzig, 1852. Esgiebt noch eine Menge Lücken in der modernen jüdischen Literatur; aber wir dürfen uns nicht beklagen, daß es solcher noch giebt, denn die wissenschaftliche Literatur deS Judenthums ist eben noch zu modern, d. h. noch zu neu, und klassische Werke lassen sich nicht nach Monden, fast nur nach Jahrzehenden zählen. So fehlt eine Geschichte der jüdischen Religionsphilosophke, der jüdischen Dogmatik noch gänzlich. Kein Wunder, denn dies gerade ist die schwierigste Aufgabe unserer Literaturgeschichte. Einstweilen wurden und werden größere und kleinere Bausteine herbeigeschafft und wohl bearbeitet, um einst der Errichtung jenes stattlichen Gebäudes zu dienen. Wir wünschen nur, daß man die Kräfte nicht zu sehr auf einzelne Gegenstände verzehre, daß man sich, nicht zu sehr an Mikrologien freue und begnüge-, statt mindestens einzelne Perioden,. Schulen, Richtungen zusammenhängend zu reproduziren. Die vorliegende Schrift (120 und VI S), die wir zweien der tüchtigsten Kenner und Bearbeiter der jüdischen Literatur verdanken, in der nunmehrigen Gestalt dem, Alles was unsere Literatur betrifft, eifrigst fördernden B e e-r, hat hingegen ein Zwiefaches, welches - freilich noch unvermittelt bleiben mußte.

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