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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-05-10 · Heft 20 (10.5.1852) · p. Seite 233

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 20 (10.5.1852)
Date
1852-05-10
Page
Seite 233 (sequence 5)
Language
German
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ligiösen Idee, er betrachtet diese besondere Auffassung der religiösest Idee als. eine historisch nothwendige, um der religiösen Idee unter den Völkern der Erdenach göttlicher Bestimmung! die. weiteste Verbreitung zu geben, -indem das Judenthum in seiner konkreten .Gestaltungzur Zeit des Ursprungs des Christenthums nicht fähig war, das: Heidenthum der alten Welt zu brechen. In dieser.Anerkennung .seines Ursprungs, als aus ihm selbst hervorgegangen, seines Inhalts alö Modifikation der eigenen religiösen Idee, seiner Aufgabe als ersten Besiegers des Heidenthums und Verbreiters der religiösen.Idee über das Abendland u. s. w. liegt wol keine Verleugnung. *) Findet diese Verleugnung in der Theorie nicht statt, in der Praxis ist sie wol weit weniger noch vorhanden. Gerade die orthodoxe christliche Lehre giebt zu, daß das Sittengesetz schon im alten Bunde aufgestellt und verkündet wäre, während die rationalistische Schule, der der Inhalt der christlichen Lehre, gerade jene charakteristische Modifikation der religiösen Idee, zuwider war, in dem Vorzüge der christlichen Sittenlehre vor der jüdischen den Vorzug des Cbristenthums vor dem Judenthum suchte und das mit einer naiven Ignoranz zu behaupten wagte, die beim Sachkundigen Erstaunen, über die Dreistigkeit erregt, beim Unwissenden Glauben gewinnt. Was habt Ihr nun für Euere staatlichen Einrichtungen von einem Volke zu fürchten, dessen Sittengesetz Ihr als göttlich, als maßgebend für Euch selbst anerkennt: Glaubt Ihr aber, daß die theologischen Distinktionen wirklich zum Gesetzgeben, Regieren, Administriren u. s. w. nothwendig sind, so geht in Euere Kammern, Kollegien u. s. w. und sehet zu, wie viel Theologie Ihr da findet, da Ihr doch selber saget, daß „zu allen-Zeiten der Abfall vom positiven Christen- „thum unter den höheren, thatsächlich zur Theilnahme an „der Regierung berufenen Ständen ziemlich verbreitet ge- „wesen." Wenn Ihr, wie Ihr zugebet, hier nicht „im Stande, seid, ohne Inquisition einzusühren (gelänge es mit der Inquisition?), an den (!) innerlichen Unglauben den Verlust des Staatsbürgerrechts zu knüpfen, so wollet Ihr es aber an die Treue für jene „positive Religion", die Ihr als die Grundlage Eures Glaubens, Eurer Sittenlehre, ja Eurer Gesetzgebung anerkennen müsset und täglich anerkennt?! WaS ist aber des Pudels Kern? Glaubt man in der *) Vgl. hierüber Dr. Ludwig. Philippson's Vorlesungen r?ber die Entwickelung der religiösen Idee imJudenthum- Christenthum und Islam.. -Leipzig, 1847. That, jene Partei fürchtet den Einfluß des Judenthums auf den Staat, des Judenthums, welches zuerst den M ajestätsbegriff so in succum et sanguinem ausgenommen, daß jeder Jude beim Anblick eines Königs und Herrschers vom talmudischen Gesetz - angehalten wurde zu beten : „Gepriesen seist Du, Ewiger, König per Welt, der du d e ine Majestät auch Fleisch und Blut verliehen!" — Sie fürchten ebenso wenig die „positive Religion" des fremden Volkes als das „fremde Volk" selbst. Sie kön-. nen aber den Juden prächtig zum modern-feudalen Staat gebrauchen. Da ist — dies Bewußtsein soll dem christlichen Besitzlosen, dem Arbeiter, dem Urwähler dritter Klaffe zugeführt und heimisch werden — da ist noch ein Wesen im Staate, das unter dir steht^ das die unterste Stufe der ständischen Gliederung auszumachen bestimmt und von Gott selbst verdammt ist. Hast du auch Nichts und weißt du auch Nichts, du bist Staatsbürger, du könntest an allen Aemtern Theil nehmen > du könntest avanciren, deine Söhne aber können Minister, Geheimräthe, Bürgermeister, Polizeidiener u. s.,w. werden, das kann dein Nachbar Joseph nicht, weil er Jude ist. Wer könnte paffender zur untersten Stufe gebraucht werden, als der Fremdling, es giebt dann keine unterste Stufe mehr innerhalb des eigentlichen chr i st l ich en Staats.— Nach dieser Degression gegen unsere-Feinde, welche das noch vorhandene nationale Element im Judenthume zum Vorwände ihrer unchristlichen — so bezeichnen wir es— Ausnahmegesetze nehmen, wenden wir uns wieder an uns selbst, fragen wir uns: was ist dagegen zu thun? Viel, sehr viel. Nicht, als ob wir glaubten, es, ließen sich durch Petitionen, Protestationen und dergl. viel ausrichten. Die Weltgeschichte geht'ihren von der Vorsehung vorgeschriebenen Gang — die Geschichte Israels ist recht eigentlich ein Stück dieser in der Geschichte der Menschheit sich offenbarenden göttlichen Vorsehung — und obgleich wir nicht müde werden sollen, das Unrecht zu beleuchten und bei jeder paffenden Gelegenheit hervorzuheben, öffentlich darzulegen, so lege doch Keiner Gewicht in jetziger Zeit auf Manifestationen dieser.Art.? Haben wir aber die Ueberzeugung, daß uns noch lange ein Stücklein mbs aufbewahrt bleibt, so sollen wir: auch die Ueberzeugung haben, daß dies Stücklein zu unserm Heile gereiche und es mit allen Kräften zu unserm Heile verwenden. Wir sollen die' Ueberzeugung gewinnen, daß eS zur Erhaltung unfers national-religiösen Verbandes diene und diesen.Verband zur Gegenwehr gegen alle zerstörenden Einflüsse benutzen. Das zerfressende Element in Gemeinde und HaüS

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