Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 20 (10.5.1852)
- Date
- 1852-05-10
- Page
- Seite 232 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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bleiben? soll." Erstaunt man nicht über den Dunst, den der Rundschauer steht, oder verbreiten will? Ob Preußen ein christlicher Staat sei, wieder werden oder bleiben soll, das soll also ganz allein von dem Ausschluß der Juden von der Beamtenwelt abhängen? Die Christlichkeit, des Staates, die, man sollte denken, im Wesen, im Geiste, in den Einrichtungen, in den Gesetzen und Instituten.des Staates bestehen muß, sie eristirt für den Rundschauer allein — Ln dem Ausschluß der Juden von der-Beamtenwelt! Mögen alle eben aufgezählten Momente noch so christlich im Staate sein, es zieht aber einen jüdischen Thorschreiber, oder richtiger, kein g esch rieben es Gesetz verbietet, daß ein Jude Thorschreiber werde, so ist der Staat für ihnnicht christlich; sind aber die Juden ausgeschlossen, so kann der Staat sein, wie er will, er ist christlich!, Dies liegt in den Worten des „Rundschaudrs",' und, indem wir Handvoll Juden die Wichtigkeit, die der Herr Rundschauer uns beilegt, - ergebenst depreziren, machen wir ihmunser Kompliment für den Mangel alles Scharfsinns, den entweder er hat, oder den er bei seinen Lesern voraussetzt, und für den Reichthum seines Dunstes, wenn er die Frage: ob Juden Staatsbeamte sollen werden können? als „die Frage aller Fragen", und von ihrer Verneinung allein die Christlichkeit des preußischen Staates abhängig ansieht. Wir glauben, ein Staat sei nur dann christlich, wenn seine Gesetze, Einrichtungen, Anstalten christlich sind — was das im Speziellen sei, zu erörtern, ist unsere Sache nicht — und wenn er dann keinen Unterschied zwischen seinen Angehörigen macht, Niemanden ausschließt, Niemanden um seines -Glaubens willen drückt. Die Kammer hat den Antrag des Abgeordneten Klee zurückgewiesen, verworfen. Der „Dunstschauer" rechnet auS, sie har ihn eigentlich angenommen und gutgeheißen. Wie er will. Jedenfalls hat er die ministerielle Erklärung für sich, dies kann ihm Niemand bestreiten. Wol aber bestreiten wir dem ,/Rundschauer", der immer nur rings .um sich sieht, daher überall nur steht, was er sehen will, Dunst, wol bestreiten wir ihm die Richtigkeit eines Sätzchens-, daS diese Leute im.iner wieder Vorbringen, und das eines der drei, vier Typen, aus welchen das ABC ihrer Judenfeindseligkeit besteht, ist: „Praktisch kommt es dabei weniger auf wahre Juden an als auf He i d e n, nämlich hauptsächlich auf abtrünnige Getagte und,auf Reformjuden. Denn die Juden, die Most und - den Propheten glauben, wenn auch mit der Decke vor den Augen (!!!), pflegen nicht in die obrigkeitlichen Aemter und in. die Kammern sich einzudrängen." Wer „rundschauen" will, sollte sich doch nicht solche Decke vor die Augen legen! Die Herren machen es sich bequem, sie Unterscheiden: der Hausirjude, der ungebildete, rohe Jude, dernur seinem schweren, mühseligen Erwerbevon Tag zu Tag nachgeht, sich um Nichts in der Welt kümmert und mach alter mittelalterlicher Weise lebt, das ist der Jude, der Most und den Propheten glaubt, * das ist der wahre Jude -- alles Andere ist Reformjude, ist Heide! Gut gebrüllt, Löwe! Und nun folgern sie: jener wahre Jude will gar nicht emanzipirt sein, der will ja nur — „eppes verdienen!" — — Wohl, meine Herren, der Hausirjude, wenn er ehrlich ist, der ungebildete Jude , wenn er wahrhaft religiös ist, besitzt unsere Achtung und Liebe; aber längst hat er aufgehört, der Zahl wie dem Wesen nach der Kern der jüdischen Masse zu sein; o Ihr glaubt nicht, wie wenige und wie immer weniger Eure „wahre Juden^"sind und, werden, und wie Ihr bald mit der Laterne danach suchen werdet. Nein! von den Juden von der Oder an bis über das ganze Westeuropa giebt es nur noch eine kleine Zahl, die Eurem Ideal von dein Juden gleichen, die für sich und ihre Kinder nicht die Gleichstellung mindestens — wünschen! Wie sollten sie es auch nicht, haben sie ja die Bitterkeit der Ausnahmegesetze zu sehr und zu lang empfunden. : Wenn Ihr aber meinet, oder doch saget, daß jeder Jude, der die bürgerliche Gleichstellung wünscht, an MoseS und die Propheten nicht glaubt, Most und den Propheten abtrünnig istvon der Herrlichkeitseiner Religion nicht durchdrungen ist, von der Anbetung des Einig- Einzigen, die unser hochheiliger Beruf ist, nicht erfüllt, nicht erquickt, nicht gehoben — nun, so lügt Ihr, oder doch Ihr stehet noch, wo.'man in Berlin im Jahre 1799 gestanden, als dergleichen zuerst zur Sprache gekommen. Freilich, wollet Ihr die Welt dahin und noch ein Paar Jahrhunderte weiter zurückschrauben — allein schraubt nur, uns Juden schraubt Ihr nicht, vielleicht äußerlich, aber im Geist und in der Wahrheit nicht! Cin wenig ni! Von Dr. Uri. (Schluß.) ' Der Jude erkennt im Christenihume eine besondere Auffassung der auS dem Judenthum hervorgegangenen re-