Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-05-10 · Heft 20 (10.5.1852) · p. Seite 231

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 20 (10.5.1852)
Date
1852-05-10
Page
Seite 231 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225768-3225789--12406-3242576
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

231 scheu Wahrheit und Jrrthum, zwischen Freude und Schmerz, find auch bedeutende Schattenseiten mit der Beschaffenheit der Jndustriewelt verbunden. Die Wurzel aller Üebelstände liegl in dem nicht verhältnißmäßigen Werthe der Dinge. Das Wesen des Tausches bringt es mit sich, daß wer das Dedürkniß eines Andern befriedigt, so viel wie möglich dafür verlangt, wenn ein Bedürfniß befriedigt wird, so wenig wie möglich dafür leisten will. Der Werth der Waare bestimmt sich aber theils nach der Arbeit, die sie kostet, wie viel? wie wenig? ob rohe Körperanstrengung? oder schwerer erlangte Kunstfertigkeit? oder, bedeutende Kenntnisse? oder außerordentliche Geistestalente? theils nach dem geringem oder größern Bedarf; theils nach der Seltenheit oder Häufigkeit der Waare, sei es im Allgemeinen, sei es am Platze. Durch die Komplikation dieser Umstände ist es gekommen, daß der Werth der Waare nicht nach der Nützlichkeit und nicht nach dem Kraftaufwands des Produzenten sich richtet, daß manche Arbeit durch zu große Häufigkeit zu einem niedrigsten, eine andere durch die Seltenheit zu einem höchsten Werthe gelangt ist; dadurch ist es gekommen, daß die Waare vielen Gewinn und großen Verlust bringen kann; dadurch ist der Handel zur Spekulation geworden; dadurch treten oft große Krisen ein; dadurch ist der Besitzstand in ungeheurer Verschiedenheit vertheilt, einerseits Reichthum und Wohlstand, andrerseits Armuth und. Elend verbreitet. Allein wir dürfen dies nicht einseitig Leurtheilen. Wir müssen zuvor erwägen, daß nicht vom Besitzstände allein das Glück des Menschen abhängt, und daß Armuth und Elend nicht blos aus der Industrie, sondern mindestens in ebenso vielen Fällen aus bösen Leidenschaften und deren Fluch, so wie aus Krankheit, Tod hervorgchen. Endlich, was die Hauptsache ist: * die Menschheit ist'auch hierin auf dem Wege steter Entwickelung, fortschreitender Verbesserung. Daß es auch um die Massen der Menschen besser geworden; daß sie gegen die Sklaven des Alterthums, gegen die Leibeigenen des Mittelalters um Vieles besser gestellt sind, daß sie gegen das Elend, den Schmutz, die Kärglichkeit, die zahllosen Mißwachse uud Pestilenzen der früheren Zeiten wesentlich gehoben sind, daß sie besserer Wohnung, Kleidung, Nahrung, Unterricht und Ünterstützung genießen, kann Niemand leugnen. Ja, wir können mit Sicherheit behaupten, daß gerade, wenn man das natürliche System der menschengeschlechtlichen Industrie unangetastet seiner fortschreitenden Entwickelung überläßt, dieses selbst die vorhandenen Schäden immer mehr heilen, die Nachtheile immer mehr verringern wird: Denn aus dem allgemeinen Gesetze des Bedürfnisses entstehen fot* gende in der Industrie waltende Gesetze: 1) Die Menschheit ist in dem fortschreitenden Bestreben begriffen, die Hindernisse, welche die Befriedigung bk Bedürfnisse erschweren, zu überwinden, sei es durch immer größere Erleichterung des Verkehrs und Transports/ sei es durch. Erfindungen und größere Geschicklichkeit; mit jedem Schritte darin wird die Befriedigung leichter, darum wohlfeiler, darum allgemeiner; allerdings wachsen dadurch auch die Bedürfnisse, indem der Kreis derselben dadurch größer wird, aber mit dem Wachsthum der Bedürfnisse wächst die Gesittung, die Intelligenz; der Geschmack, die Sittlichkeit. 2) Je mehr die Befriedigung der Bedürfnisse erleichtert und allgemeiner wird, desto mehr wird der Werth der Dinge ein bestimmter, auf ein richtigeres Verhältniß untereinander gebracht, desto mehr werden die Schwankungen der Industrie verringert, desto mehr Gewinn und Verlust strikt, desto mehr der Besitzstand zu einer gewissen' Ausgleichung gebracht; wozu natürlich die fortschreitende Intelligenz und Sittlichkeit, welche so viele Täuschungen auflösm, wesentlich Mitwirken. Dies find Gesetze, die mathematisch nothwendkg auS dem Prinzip des Bedürfnisses folgen, deren Wahrheit wir an tausend einzelnen Dingen auch schon jetzt Nachweisen können, welche die bisherige Besserung herbeigeführt haben, und deren immer größere Erfolge, wenn auch nach Jahrtausenden, doch sicher und schon jetzt zi; berechnen sindi (Schluß folgt.) ' Der Nrrndschauer der Kreuzzeitürrg iw April 1852* Dunst, Dunst und Nichts als Dunst! Auf. seinem monatlichen Löwenritt Nachts um die zwölfte Stunde — beginnt der „Rundschaner" oder „Dunstschauer" der Kreuzzeimng diesmal mit uns Juden. Die Abstimmung in der ersten Kammer kann immer noch nicht verwunden . werden! — Er hebt (No. 99 den 28, April) an : noch vor Ostern „ist in der ersten Kammer die wichtige Frage, für Preußen d i e Fra g e al ler Fra g e n, zur Erörterung gekommen, ob Preußen ein christlicher Staat?— müssen wir sagen, wieder werden; oder' dürfen wir sagen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.