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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-05-10 · Heft 20 (10.5.1852) · p. Seite 230

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 20 (10.5.1852)
Date
1852-05-10
Page
Seite 230 (sequence 2)
Language
German
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Die Gesellschaft hat daher zweitens irgend Etwabestimmt, was ajlc> Artikel, die im ganzen Kreise deS Bedürfnisses liegkn^repräsentirt- und was daher der Änpfängt, der von seinem Üeberstuß an einem Artikel abglebt; und was er wieder hingiebt, wenn er bedarf, was er nicht hat, ein allgemeines Werthmittel, daS Geld. Das Geld ist also eigentlich nichts Anderes als, der Stellvertreter für die Befriedigung zukünftiger Bedürfnisse;'wir erhalten eS, indem wir' für die Befriedigung zukünftiger Bedürfnisse Anderer gearbeitet haben, und geben eS aus, um entstandene Bedürfnisse befriedigen zu können. Die Gesellschaft hat dann drittens vermittelst dieses allgemeinen Werthmittels den Tausch organistrt, indem sie eine Zwischenindustrie schuf, die nicht, selbst produzirt, aber den Ueberfluß des Produzenten an seinem Artikel dahin schafft, wo er Bedarf ist, und zugleich Vorräthe aufhäuft, um jedem entstehenden Bedürfnisse seine Befriedigung möglichst bereit zu haben, der Handel. Der Handel ist demnach ebenso Erleichterung des Produzenten, der daher Zeit und Kraft nur auf sein Produziren zu verwenden braucht und der bequemen Abnahme seiner Produkte sicher ist, eine Erleichterung des Konsumenten, der durch den Handel aller Zeit auf'S Bequemste alle entstehenden Bedürfnisse befriedigen kann, ohne Kraft und Zeit auf das Aufsuchen dieser Befriedigung beim ersten Produzenten verwenden zu müssen. * Dieser organistrte Tausch bildet daher die Befriedigung der Bedürfnisse außerordentlich aus,: schafft immer neue DefriedigungSmittel herbei und verwohlfeilert die alten.' Durch diese einfache- Entwickelung ist die menschliche Gesellschaft weit über die Natur hinausgegangen, denn: 1) waS in der Natur ewig stillstehend ist, daS Bedürfniß, was stets diefelbige, die Befriedigung, das ist in der menschlichen' Gesellschaft zum Hebel der unbegrenztesten Entwickelung und Ausbildung geworden; 2) was in der Natur nur durch rohe Gewalt, durch gegenseitige. Vernichtung geschieht, die Befriedigung der Bedürfnisse, das ist in der menschlichen Gesellschaft zum Standpunkt der Gegenseitigkeit, des gegenseitigen Austausches der Leistungen und Arbeiten erhoben; rohe Gewalt kann hie und da einmal geübt werden, bei längerer Dauer ist sie der Tod der Industrie, der Selbstmord; 3) während in der Natur Alles lokal und individuell ist, ist die ganze menschliche Welt, mag sie sonst noch so 'sehr gespalten, zerrissen, feindlich sein, ein großer industrieller Organismus geworden, in welchem die entferntesten Glieder für einander unbewußt arbeiten. Und doch ist dieses industrielle Wesen, ganz auf die Natur deS Menschen berechnet, denn 4) eS läßt die persönliche Freiheit, überhaupt die Persönlichkeit deS Menschen, unangetastet, ja benutzt jene als ihre Haupttriebfeder. Alles, waS in der industriellen Welt geschieht, ist ein Akt, ein Ausstuß der Persönlichkeit und der persönlichen Freiheit. Ich habe dieses Bedürfniß, darum arbeite ich für dessen Befriedigung; wkll ich es nicht-befriedigen, sondern unterdrücken, thu' ich auch dieses. Will ich meine Bedürfnisse ausdehnen, kann ich es, will ich sie beschränken, steht es mir frei. Habe ich Drang zu arbeiten, so folge ich diesem, will ich müßig gehen, so kann ich es, muß mich aber den Folgen unterwerfen. WaS ich erarbeite, eS ist für. mich, für die Zwecke, die ich bestimme, es gehört mir. Und in dieser persönlichen Freiheit läßt es 5) der Industrie die freieste Bewegung zu, denn weil das Bedürfniß aller Einzelnen frei gegeben, ist auch das Bedürfniß deS großen Ganzen frei, sich selbst überlassen. . — Welches andere industrielle System irgend ein Menschenkopf erdacht hat — und bekanntlich brachte die neuere Zeit viele hervor — es leidet von vorn herein an den beiden unvermeidlichen Fehlern, 1) daß es die Persönlichkeit des.Menschen aufhebt, Zwang und formulirteö Gesetz an die Stelle des freien Willens und der Natürlichkeit. setzt, daß es so den Menschen zum Automaten macht, dem alle Triebfeder fehlt, weil der Arbeit der Erfolg genommen ist, daß eS so aus der .freien menschlichen Zndustriewelt eine unermeßliche Zwangsarbeitsanstalt macht; und 2) daß es sowol die Thätigkeit des Einzelnen bindet, als auch nur auf Feststellung, auf genaueste Firirung der Bedürfnisse berechnet werden kann, weil sonst die geträumte Firirung der Arbeit und die Theilung der Befriedigung nicht möglich wäre; es könnte daher ohne ungeheuere Störungen eine Veränderung der Bedürfnisse nicht zugelassen werden; Stillstand der Bedürfnisse ist aber Stillstand der ganzen Menschheit. Die bestehende menschliche Zndustriewelt ist daher die einzig mögliche, die einzig taugliche, die einzig erhabene. Jedes andere System ist eine tobte Kopie der Natur, ist ein Abklatsch eines Bienenkorbes, aber ein schlechter Abklatsch, denn eS wird überall hapern und. stocken; das bestehende industrielle System ist erhaben über die Natur durch die Momente der Gegenseitigkeit, der freien Entwickelung und der persönlichen Freiheit. : Allerdings, weil, einmal der Mensch und die ganze! Erde Mittelweserr find zwischen Tag und,Nacht, zwi- 1

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