Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 19 (3.5.1852)
- Date
- 1852-05-03
- Page
- Seite 219 (sequence 3)
- Language
- German
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wo dies doch geschehen wäre , da trug die - Abstammung .— denn diese ist doch an und für sich etwas Außerwesentliches —keine Schuld, sondern die Art und Weisewie man uns behandelte, wie man von Staatswegen mit uns verfuhr. Mehr, wie irgend eine andere.Nationalität, z. B. die polnische, haben wir uns in den Staat und das Staatsleben gefügt, natürlich, weil bei uns keine Hoffnung da war, wieder ein Volk zu werden, da unser Volksleben längst völlig zerstört hinter uns lag, was bei anderen Nationalitäten, deren Volksthum erst die neuere Aeit gestört hat, erst diese aufzulösen hatte,'nicht der Fall ist.' Ja, wenn man uns auch das Nationale zum Vorwurf machen will, wie dies doch nie zu einem solchen dienen kann, so ist nicht zu vergessen, daß ältere, neuere und neueste. Gesetzgebung gerade dieS Nationale erhalten hat, besonders durch das Verbot der Mischehe, und daß — wenn wir auch in dem Stampfe gegen unsere Religion, dem friedlichen und feindlichen, dieses Nationale als großes Erhaltungsmittel dieser Religion, als bewahrendes Gefäß derselben ansehen — wir doch dies Nationale nicht als nothwendigen und einzigen fraget unserer göttlichen Religion.betrachten, die auch außerhalb desselben bestehen kann und wird. Das Nationale ist uns als Verknüpfungspunkt der Bekenner der israelitischen Religion so lange nothwendig, als Ihr den Bekennern mit Eueren Vorurtheilen und gesetzlichen Ausschließungen feindlich entgegentretet, . es wird sich erhalten — durch Euch selbst — so lange die Funken des Haffes gegen uns sprühen, es wird sich — welcher Prozeß schon angefangen hat — auflösen, je mehr die Religion Israels, bei bürgerlicher Freiheit-. eine neuere konkrete Gestalt gewinnt, die sich. deS Talmudismus immer mehr entäußern wird, wenn sie auch diesen als ein Meisterstück des Konservatismus einer nationell-religiösen Einheit und als historischen Boden der fernern Entwickelung ansieht, um nicht in eine formlose Reform zu verfallen. Gesetzt aber, wir wären wirklich Nation, Volk, sind wir darum ein fremdes? Sind wir fremder, auf deutschem Boden,, als die Germanen, welche vom Ufer des schwarzen MeereS einwanderten, die Wenden, die:'vom Altaigebirge. u. f. f. kamen? . Haben die Brandenburger die Franzosen, welche unter Ludwig XIV. verjagt-wurden und bei ihnen Aufnahme fanden, als ein fremdes Volk angesehen, thnn solches die . Nordamerikaner gegen' die zahllos einwandernden Deutschen u. s. w.? Sobald Einwanderer sich den Staatsformen rund Gesetzen des Landes, wohin sie kommen, unterworfen haben,, .so bald sie sich .an Sitte, Spräche, Literatur m s. si betheiligess^ hören sie auf Fremde zu sein.' Das Land^ wo meine Väter' begraben worden / wo meine Wiege gestanden, ich Unterricht genossen- ^dessen Sprache ich spreche/! dessen Bildung auf mich influirt hat/ ist mein Vaterland. ' Im Vaterlande kann.ich kein! Fremder ^seiUl' -Was Uns Juden also thatsächlkch -verbindet, bleibtwenigstens in Bezug auf den Staat, nur unsere Religion, denn selbst das,- wäS uns als nationales Band gelten kann, beruht auf Religion' oder ist Rester deS auf Uns länge geüug geubttn Druckes. ES ist aber wirklich faDlächerlich/ diese Religion als eine das Christeüthwm verleugnende darzustellen. Verleugnen kann man nur -daS, von welchem man Kenntniß hat. Grundsätze, welche verleugnet werden sollen, müssen doch schon aufgestellt worden ' sein / Hakta, welche verleugnet werden ,' müssen 'schon geschehen: sein. Wenn die Leute" der Kreüzzeitung sagen, daßder J'Slarn Jndenthum und Christenthum verleugnet, so können sie Recht haben, denn beide Religionen -find vor dem'JSlam da gewesen, wie soll aber daS Jndenthumwelches ' Tausende von Jahren v o r dem Christenthum entstanden, eine auS ihm entsprungene Religion verleugnen können: Kein Jurist wird sagen,, das römische Recht: v erleug n e - das germanische und dennoch hört^ man - aüeuTage^boN 'christlichen Theologen;oder.vielmehr^The0logasternp^daß-:das Jndenthum düs Ehristenthum verbeugUd->Äähtendisie ebendies Judenthum als ^göttliche 'OffenbärnngHlnerkM nen, als Grundlage,! alS-Borläufer chesMhristeUthümsAetrachten/ während sie: in den heiligen Schriften dir Hebräer die ersten ' Verkünder, des christlichen Mäubens lfinden?^-- Jndessen sei Ihnen gesagt, wie das alte Jndenthum,'wie MoseS, die Propheten — die einzigen Quellen unserer Religion — das Christenthum nicht v e rl,e ugwe!n'-k ö nnenso v er I c ugn et dasselbe auch.' nichts einmal :däS neuere Judenthum, wenn, wir dieaus -denUlten- Quellen entwickelte unter uns.geltende'Theologie' so.nennen wollen: — Alsbald daS Nähere! (Schluß folgt.) - Zeitnuasnachrictztett. ■ Deutschland: Oldenburg, 16; April? Der revidirende Landtag verhandelte heute über-'den 5) Äbschnift-des Staa'tSgrundgesetzes; betreffend die: Religionsübung und die