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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-04-26 · Heft 18 (26.4.1852) · p. Seite 209

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 18 (26.4.1852)
Date
1852-04-26
Page
Seite 209 (sequence 5)
Language
German
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stischen Fragen entscheiden die Dajänim oder Rab-; binatSaffefforen: Gegen einen Mohel ist die gerichtliche Untersuchung eingeleitet worden, weil ein durch ihn ohne-Zuziehung eines' sachverständigen ArzteS — beschnittenes Kind nicht lange nach der Operation an Verblutung verstorben ist. — In ünstrm Artikel vom 24. November v. I. (s. No. 50'Jahrg. 4851) hatten wir der judenftindlichenAuslassungen erwähnt, durch welche der R. Ä. Tschufchke seinen des"— an einem Juden verübten ^- RaubünfalleS angeklägten Klienten zu vertheidigen versucht hat. Diesen rechtsanwaltlichen Aeußerungen ist — kurz nachdem ste geschehen waren — in der Pos. Zeitung durch 3, mit „vuus pro . raultis" unterschriebene Aufsätze ganz kräftig entgegnet, in dem Unu8 aber später der in P. praktizirende israelitische Arzt Dr. Samter ermittelt und gegen denselben'von Seiten' der Staatsanwaltschaft die Anklage „wegen Beleidigung" erhoben worden. In der neulich wegen dieser Sache stattgehabten Verhandlung.vor'dem Kreisgerichte in P. — zu welcher sich eine ungewöhnlich große.Zuhörermenge eingefunden hatte — wurde Seitens' des Staatsanwalts gegen Dr. S.' eine Geldbuße von 20 Thlr. beantragt--Letzterer aber von dem Gerichtshöfe — ' nach einer durch den R. A. Pilet gehaltenen glänzenden VertheidigungSrede' (die bereits im Drucke erschienen sein soll) — gänzlich freigesprochen. — In dem Schuljahre von Ostern 1851 bis dahin,1852 ist das Friedrich - Wilhelms - Gymnasium in Posen von. 227 jüdischen Schülern (unter : 478 Zöglingen) besucht worden. Unter den, am 3. d M. entlassenen, 12 Abiturienten waren — ein wahres Phänomen für Posen! — sechs Israeliten. Einer der Letzteren, Herr M. Jästrow aus Rogasen, hat im Namen aller Abiturienten beim öffentlichen AktuS am 3^ d. M. —. die Abschiedsrede gehalten. ' ' Die Gemeinde Schwersenz behält ihren Dr. Joel als Rabbiner und Prediger. Derselbe, auf den Rabbinerstuhl zu Rakel berufen, hat es vorgezogen in seiner alten Gemeinde zu verbleiben und mit derselben einen neuen Kontrakt — man sagt auf 10 Jahre — einzugehen. - ^ie neugegründete Realschule zu Bromberg hatte in ihrem ersten, eben beendeten Schuljahre unter 204 Zöglingen nicht mehr als 19 Kinder jüdischen Glaubens aüfzuweijen. . - Ueberall in unserer Provinz, wo bis jetzt die GemeindeördnüygeingefüM würde, 'sind aüE Bürger israelitischer Konfession mit in den Gemeinderath gewählt worden. ' In Schmiegel z. B. sind Ä jüdische Gemeinderäthe, und Einem derselben, dem praktischen Arzt Dr. Kempner, ist sogar das P r äsi d ium in den Versammlungen übertragen. Ob aber ein Kollegium, das 3 jüdische Mitglieder zählt und sogar einen j ü d i sch e n Präsidenten hat/ hierdurch nicht entchristlicht wird — mag Herr Dr. Klee entscheiden. : % l- 'r' - -;v -• ■- Die. Aufnahme eines neuen Rabbiners, Ehäsäns, Schochets u. f. w. hat leider! in unseren Gemeinden in der Regel Reibungen, Streitigkeiten —-und nicht selten auch langwierige und bittere Kämpfe'— im Gefolgen Man wundert sich gär nicht mehr darüber, wenn man von so etwas hört. - Demnach wird'S' hoffentlich auch Keinem der geehrten Leser ausfallen, hier zu erfahren, daß in Filehne durch die Anstellung eines neuen Chasans Parteistreitigkeiten herbeigefü^rt' worden, die noch heftiger werden zu wollen scheinen, als diejenigen gewesen, welche vor. mehreren Jahren nach der Aufnahme deS modernen Rabbi (der bereits abgegangen) dort gespielt haben: - Wie im vorigen Jahre in Liffa, Krotoszyn u. s. w., spielLujetzt in Schrimm-däs Stück: ,MbgelöHe und Nichtabgelöste" —' ein trag!-komisches Drama — mit Schlachtmufik, Wettkampf rc. — in unzähligen Aktenja unzähligen Akten,.die zufinden sind - in den Bürecmr der Staatsanwaltschaft, der Rechtsanwälte, deS Kreisgerichts, und so weiter. Wie lange ein solches Stück spielen kann ist im Voraus nicht abzusehen — und wenn der Vorhang fällt, so ist das Publikum auch niemals klüger, als es früher gewesen, -— und die Akteurs? —' find'S gewiß nicht! ' r?' ' 11 ' Wir haben Ihnen zwar viel Nachrichten?— aber w e n i g g u t e — Mitgetheilt. Eine gut e N ach richt aus unseren Gemeinden ist leider! selten; sie läßt sich suchen, wie die Perle im Sande. Haben wir sie gefunden, so entziehen wir sie niemals der Kenntniß des Lesers. Aber ebenso wenig verdecken wir vor seinem Auge die Schäden und Mißbräuche, welche wir wahrnehmen. Und das ist eben die Aufgabe der Journalistik: Alles offen wiederzugeben, wie eS gefunden worden; Nichts zu verheimlichen,' Nichts zu vertuschen oder zu bemänteln.- Und wer unS grollte, wenn wir zuweilen etwas derb ausgetragen, wahrlich! der wäre

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