Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 18 (26.4.1852)
- Date
- 1852-04-26
- Page
- Seite 208 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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208 macht worden sind, auf die. getheilten Gemeinden, auf das Aufhören, vieler gemeindlich-religiösen Institute/ auf den Nihilismus in der religiösen Erziehung/ auf die saueren 'Gesichter, wenn daS geringste Opfer für jüdisch-religiöfeS Interesse gebracht werden soll, auf so viele Erscheinungen des höchsten ZndifferentismuS, so müssen wir fast unserm Alten beipflichten, wenigstens es als erfahrungsmäßig ansehen, daß nie. der plötzliche Uebergang auS einem Zustande in den andern nützlich ist, daß die Vorsehung dafür gesorgt, daß überall, nur-die allmälige Entwickelung menschheitliche Zwecke befördert und zu befördern im Stande ist, kurz wir wollen über das Mäßchen das in leisen, aber immer dichter werdenden Wolken heranzieht, nicht verzweifeln und echt israelitisch denken ttt. Aber das wollen, wir nicht, vernachlässigen, uns als'treue Freunde zu berathen : was. ist unter solchen Umständen zu thun? und.da-.wollen wir unS vor Allem an uns selbst wenden und in uns. selbst hineinschauen und alle faulen Flecken :unserS;■ Gemeinde-, häuslichen und persönlichen Lebens aufsuchen.. (Fortsetzung folgt.) ' Zeitungsnachrichten. Preußen. Klötze in der Altmark, 17. April: (Privatmitth.) Daß das heilige Wort im Volke noch Leser und Verehrer findet, ja daß in demselben noch tiefe Anerkennung jedes Verdienstes um das theure Kleinod unserer Väter verbreitet ist, hat uns folgender Vorfall in diesen Tagen wiederum bewiesen. Freilich iss dies weniger unter den sogenannten Gebildeten der Fall, welche in den modernen Richtungen deS Geistes mehr Befriedigung zu finden wähnen/ bis zuweilen höhere Eingriffe in thr Leben sie zu dem Urquell alles Glaubens, zurückführen, um hier Tross und Hilfe zu suchen. Die plötzliche Erkrankung meines BrudersdeS vr. Ludwig Philippfon, Redakteurs dieser Zeitung, an einem hitzigen, nervösen Fieber rief mich nach Magdeburg, und daS Herz klopfte um so banger von Besorgniß, als hier nur 'eine schnelle günstige KrisiS Hilfe schaffen konnte und die Kräfte deS Kranken noch von den im Sommer erlittenen mehrmonatlichen Leiden und von darauf folgenden anhaltenden Arbeiten und Gemüthsaffekten hart ergriffen waren. Doch der Herr hat >biS jetzt geholfen. ' Eine günstige KrisiS trat ein > und die glückttche'Wendüng'läßt eine baldige Genesung und Erstarkung hoffen. Da kam wenige Stunden-, nachdem mein theuer Kranker das Bewußtsein nach mehrtägigem Kampfe wieder erlangt hatte, folgender. Brief -pon unbekannter Hand und ohne Unterschrift an (Postzeichen Perleberg), eine wahre Herzenserquicküng für den kranken Mann, seine Freunde und Angehörigen, wahrlich nicht wegen der goldenen Begleiterin, sondern wegen deS Inhalts, der ein gläubiges, liebevolles Gemüth, das die Quelle der Wahrheit sucht, bekundet. Der Brief lautet: '• „Ew. Hochehrwürden! -- Die Herausgabe Ihres Bibelwerkes, welches mir am Sabbat u. s. w. einen großen Genuß verschafft, ist für nicht Bibelkundige eine große Wohlthat', um so mehr für Kundige' höchst dankend anzuerkennim. Daher erlaube ^ich mir, beikommendes Geschenk *) zu behändigen und bitte um gütige Annahme.!5 Der Allmächtige, der Jedem die Treue und Anhänglichkeit an sein Gesetz lohntmöge Ihnen und Ihrer Familie seinen Segen, wie' mein Wunsch eS ist/stets verleihen. Dieses von dem, der zwar keine Kenntnisse Hat, um so viel mehr für die, welche sich der heiligen Lehre als höchsten Schatzes befleißigen, und verharre ich hochachtungsvoll und ergebenst." ' J Mein Bruder ist noch nicht im Stände, dem Einsender öffentlich seinen Dank auszusprechen; ich thue eS vorläufig in seinem Namen und erwidere die Segenswünsche mit tiefgerührtem Herzen.- Der Gott, der am Krankenbette helfend stand, als jener Brief ankam, möge Die Tage des biedern Einsenders vermehren und mit Gesundheit und Kraft, mit Glauben und Liebe stärken und verschönern. ■ Dr. med. P. Phi kipp son. Rus der Provinz Posen, im April (Privatmitth.) Nach langem Schweigen über die Gemeinden deS Großherzogthums, wollen wir Ihnen aus einigen derselben heute wieder einmal einige Notizen zukommen lassen. Gestatten Sie uns, mit Posen zu beginnen. An die Wiederbesetzung deS erledigten Rabbinats wird daselbst vorderhand noch im Entferntesten nicht gedacht. In rituellen und kasui- *) ES ist eine höchst geschmack- und werthvölle goldene. Döse.