Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 17 (19.4.1852)
- Date
- 1852-04-19
- Page
- Seite 202 (sequence 10)
- Language
- German
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Die fortwährenden Anfeindungen von Seite der im Geiste her griechischen Philosophie dtnkendett Religionssekten, wie: Gnostiker- Manichäer und später Arianer/ gegen welche die Verbreikex^deS sogenannten orthodorew christlichen Glaubens ^auftutreten gezwungen wären, verbunden mit den Religionskriegen, diebald -darauf zwischen' den drei christi lichen Sektender^ syrischen Kirche - selbst, nämlich den Naroniten- Jakobiten und Nestorianern loSbrachen, erzeugten^ eine theologisch-philosophische- Polemik, die viel Aehnlichkeit mit der europäischen Scholastik des Mittelalters hatte,, mit dem bloßen Unterschiede, daß jene gegen Juden und anders denkende Christen, diese gegen die Araber geführt -ward^ Beide aber (wenn wir von dem Kampfe gegen die'Juden absehen) hatten zum Hauptgegenstände -ihrer scharfen Polemik: daS Griechenthum, d. h. die grie-; chifchen Sitten lund diejenigen griechischen 1 Philosopheme,; die den Satzungen und Institutionen der Kirche zuwiderliefen, zu bekäMpfen. Diesem Verfahren schnurstracks ent-; gsgengefttzt-istdasjenige,. welches t>ic christlichen Syrer -Herr Arahern;gegenübft, während der maurischen Herrschaft ln Spanien, beobachteten^ Die' griechische Philospphje. warhmämlich den-Arabern durch - syrische Und arabische Uebersetzungen zugeführt, und dies in der nämlichen Absicht, um die. Araber, für das Christenthum zu gewinnen und durch, die Ablenkung derselben von dem, in mancher Hinsicht sinnlich-groben JSlamiSmus und durch Beschäftigung der Geister mit. philosophischen Systemen den christlichen Mysterien, die ihrem Ursprünge nach nichts anderes als. eine theologische Verarbeitung der platonischen Ideen find, den Weg anzubahnen. — Neben der philophrsch-dogmatischen Literatur her Syrer bildet ihre Poesie, unter der sowol die'metro-rhythmischen Gedichte, als. die geistlichen Reden oder Homilien, theils in Versen, theils in poetischer Prosa, theils ethischen, theilS dogmatischen Inhalts, als auch, die Gnomologie oder Volkssprüche. und Anekdoten verstanden wissen will, den vorzüglichsten Vestandtheil ihrer Literatur. — Auch traten Unter den Syrern .von Zeit zu Zeit mehr oder weniger bedeutende Historiker auf, die um so mehr unsere Aufmerksamkeit verdienen, als.sie über die Geschichte jener Länder die wichtigsten Quellen liefern. Daß aber auch ändere formale und reale Wissenschaften bei den Syrern in hoher Blüthe standen, beweisen die vielen Akademieen, die allenthalben m Syrien schon in. der ersten christlichen Zeit Vorhänden Haren, mrd; unter den.Nachbarvölkern sich Anerkennung und. sogar Vorzug vor deren einheimischen Akademieen verschafften. Denn nicht nur Perser, denen auch in ihrem eigenen Vaterlande Pfleger der Wissenschaften nicht 'abgingen, und die im Alterthume im Rufe von hoher Kultur standen, sondern, auch Hebräers die fest auf dem Boden des Judenthums standen, die sowol in Palästina als in Aramäa selbst große Akademieen besaßen, wie in Palästina: die Schulen zu Lydda, Jabne, Liberias,. Sephyris, Cäfarea u. A , in Babylonien und Syrien die Schulen zu Pumbedita, Sura-, Nisibis - Nehardea u. s. w. scheueten ebenso wenig auSdem syrischen Bejulphono griechische Kunst und Wissenschaft sich anzueignen, alS die Syrer keinen-Anstand nahmen, jeglichen Wißbegierigen ihre Hallen der Gelehrsamkeil weit offen zu lassen. Unter die von ihnen gepflegten wissenschaftlichen Zweige gehörte außer Theologie, Dialektik, Poesie, Grammatik.und Geschichtskunde, auch die Arzneikunde, deren sie vorzüglich nicht nur in der Heimath, sondern auch während der Maurenherrschaft in Spanien benöthigt waren, und da in Spanien die Heilkunde allein dem Arzte noch keinen verbreiteten Ruf, ja nicht einmal das Zutrauen der Leute verschaffen konnte, so mußte er damit zugleich die Kenntniß der metaphysischen, astronomischen, geometrischen und rechtSwissenschaftlichen Studien verbinden.. Ein noch größerer Sporn zur Vervollkommnung in der Kunst Aesculaps, bildeten für die Syrer, die Vortheile und Begünstigungen, die dadurch ihrer Kirche zu Theil wurden, da die Gunst der sie beherrschenden Fürsten von dem Grade der ihnen geleisteten ärztlichen.Dienste abhing. -—Wohl haben die in Syrien im siebenten Jahrhundert eingedrungenen Araber die arabische Sprache auf Kosten der syrischen eingeführt, dessen ungeachtet verharrten die Syrer darin, ihre Nationalsprache zu studiren, und in ihr sogar großartige Werke zu schreiben, unter welchen vorzüglich die dreißig syrischen. Bücher des um ,1200 lebenden Syrers Abulfäradfch oder Var-Jbhri sich äuszeichnen, ferner die klassischen Werke Ephraems, des Jakob von Saruk, Isaaks des Syrers und des PhilorenuS. Eine auffallende Aehnlichkeit bietet das obgenannte Schicksal der syrischen Literatur mit dem der hebräischen, da diese Letztere ebenfalls nach dem Untergang der Selbstständigkeit des Volkes, dem sie angehörten, von dessen Gelehrten gepflegt wurde und noch gepflegt wird. Nur ist dabei der Unterschied hervorzuheben, daß die Syrer ihr Idiom als Umgangssprache auch bann bekbehielten, nachdem sie schon längst, noch vor dem triumphirenden Einzug der Osmanen, ihre politische Freiheit mit der-assyrischen ,, babylonischen persischen , römischen und byzan- . tinischen Botmäßigkeit vertauscht hatten, während dagegen