Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 17 (19.4.1852)
- Date
- 1852-04-19
- Page
- Seite 198 (sequence 6)
- Language
- German
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198. und mit einer so bedeutenden Majorität, so ist dies immerhin. als ein günstiges Ereigniß anzusehen. Zeitnngsuachrichten. Deutschland. Schwerin in Mecklenburg, 10. April. (Privatmitth.) So ungern man für gewisse Vorkommenheiten in dem israelitischen Gemeindeleben der Gegenwart das Forum der Oeffentlichkeit in Anspruch nimmt, so wird Solches dennoch zu Zeiten von der Nothwendigkeit erheischt, wo es sich um ein allgemeines Interesse oder um eine : unparteiische Darlegung des wahren ThatbestandeS handelt. Beides ist zumal hier der Fall. - . ES wurde nämlich unmittelbar vor dem Abgänge des bisherigen Religionslehrers Stern im Oktober v. I., durch Empfehlung des vr. Stein in Frankfurt, ein Herr Cunreuter, Religionslehrer in Bockenheim, für die hiesige Synagogengemeinde, nach bestandener Prüfung beim damaligen Landesrabbiner vr. Einhorn, engagirt und zwar unter der Bedingung, mit dem Neujahr 1852 sein hiesiges Amt zu übernehmen. Herr C. machte sich verbindlich, derselben auf daS Gewissenhafteste nachzukommen, damit die Religionsschule nicht langer verwaist bleibe. Jndeß das- Neujahr kam, aber.nicht der erwartete C.; es verging vielmehr eine geraume Zeitohne daß er nur ein Wörtchen von sich hören ließ und erst nach wiederholt wringender Aufforderung unferS Vorstandes kam ein Entschuldigungsschreiben, in welchem eine fast überstandene Krankheit als Ursache der Verzögerung, angegeben wurde,: deren Nachwehen ihm aber erst gegen Ostern der übernommenen.Verbindlichkeit nachzukommen erlaubten. Daß Herr C. diese Entschuldigung: nicht schon, früher zur geeigneten Zeit ein-, gereicht hätte, oder Falls er wirklich so erkrankt als er vorgab, hätte' einreichen lassen, ist gelinde gesagt, eine arge Unziemlichkeit einer Gemeinde gegenüber, die -er achten zu lernen selbst Gelegenheit hatte und andererseits-eine unverzeihliche Indolenz gegen die seiner harrenden, des Unterrichtes bedürftige Jugend. Man mußte sich nun noch ein Quartal der wittern Nothwendigkeit fügen, während welcher Zeit sich hier eine Provisorische Schule gestaltete aus einigen ehrenwerthen Mitgliedern der Gemeinde, die bereitwillig - sich den dringlichen Anforderungen des Augenblicks : unterzogen. , Aber auch dieser Zeitabschnitt näherte sich seinem Ende und der erwartete Cunreuter gab auf das abermalige- Schreiben des Gemeindevorstandes in leeren Phrasen eine ausweichende. Antwort in Betreff seines Kommens, daß nämlich die Nachwehen - seiner Krankheit rc. rc. ihm vorläufig noch gar nicht gestatten, an die Erfüllung seiner Verpflichtung zu denken, da er zur Zeit einer jeden Funktion bei der Gemeinde unfähig wäre! Es hat sich aber durch private-Berichte herausgestellt, daß C. nicht aufgehört Hat, in Bockenheim während der besagten Zeit zu fun'giren, und daß daher genanntes Verfahren nur leere Ausflüchte, vermittelst welcher er durch fortwährende und ermüdende Täuschungen sich seines hiesigen Engagements, das ihm Gott weiß durch welche Insinuationen verleidet worden, zu erledigen glaubt. , Aber Herr C. glaube ja nicht, daß er auf solche ungeziemende Weise eine achtunggebietende Gemeinde ungestraft habe täuschen dürfen, oder daß er, als Lehrer der Religion so bald und so leicht der mit Wort und Eid besiegelten Vereinbarung auf dem geheiligten Boden der Schule und der Synagoge entledigt sei! Wenn er, Herr C., durch die trennende Entfernung uns zu entgehen wähnt, dann gehts ihm wie bekanntlich dem Strauß; noch ist er unserer Verbindlichkeit anheimgegeben und von dem Willen der hiesigen Gemeinde abhängig. Was dieser vermöge deS Armes der Gerechtigkeit demnächst über ihn bestimmt wird — daS wird die: nächste Zukunft lehren.' Der Zweck dieser Mittheilung aber ist der löbliche, diesen Vorfall zur etwaigen Warnung für andere Gemeinden zu veröffentlichen. Aus Baiern, 1. April. (Privatmitth.) Die nun vorläufig beseitigte Ministerkrists ist auch für unsere speziell jüdische Stellung im Staate nicht ohne! Bedeutung. Dankbar gedenken wir noch.der warmen Worte; mit welchen seiner Zeit die Herren Staatsminister v. d. Pfordten und v. Ringelmann unsere J Emanzipation vor den Kammern vertreten haben, was j ihnen die ultramontane Partei, wenngleich sonst eine gewaltige Stütze des Ministeriums, noch nicht ver-; geben will. Noch neulich, als der Rücktritt des Herrn Ministers v. Ringelmann .in Aussicht stand; meinte