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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-04-19 · Heft 17 (19.4.1852) · p. Seite 199

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 17 (19.4.1852)
Date
1852-04-19
Page
Seite 199 (sequence 7)
Language
German
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199 der Volksbote, die katholische Kirche verliere Nichts, und man möge sich nurder schrecklichen Thatsache erinnern , daß jener Minister -die Emanzipation der Juden befürwortet habe. Diese Partei wüthet, wie überhaupt gegen alle Fortschrittsideen, so namentlich gegen unS Juden und unsere bürgerliche Stellung mit allen Mitteln des Fanatismus und der Leidenschaftlichkeit. Da thut nicht leicht ein Jude in irgend einem Winkel Deutschlands etwas Tadelnswerthes, das nicht ihr Organ, der gesaMmten Judenheit zur Last legt und seine bittersüße Sauce darüber gießt. Neulich wurde er aber, dieser fromme Volksbote, in einer echt altbaier'schen Stadt, in Waldsaßen, arg karrikirt und zur Fastnachtsfrage gemacht. Unter anderen hat man auch seinen Judenhaß schlagend an's Licht gestellt. Von derselben Partei ging auch kürzlich ein neues Schandlibell: „Wiener-Juden-Album", das jedoch sogleich konfiSzirt wurde/ aus, wahrscheinlich wieder von dem Baron Scharf v. Scharsenstein, der im Vorbeigehen gesagt, das baier'sche Jndignat erhalten hat? Eine Gegenschrift gegen dessen „Juden- Sippschaft", von einem Studenten jüdischen Glaubens in München, dem Vernehmen nach eine neue Ausgabe des bekannten WerkchenS: „ES ist nur ein Gott!" mit einer neuen Vorrede, dessen Herausgabe der Vorstand der israelitischen Gemeinde zur Verhütung weiterer gegenseitiger Erbitterung gütlich/ jedoch wie eS scheint vergeblich zu verhindern suchte, wurde gleichfalls konfiSzirt und der Herausgeber ausgewiesen. Komisch ist, was man aus dem Landgerichtsbezirk Weismain meldet. Dort haben nämlich im Jahre 1848 Emeuten gegen Juden in mehreren Gemeinden stattgefunden. Seit dieser Zeit sind mehrere Rädelsführer derselben, junge -Männer/' gestorben'und nun hat sich unter dem Volke der Glaube verbreitet, es müßten allmälig alle die Judenverfolger und Fenstereinwerfer ob ihrer Miffethat des Todes verbleichen, worüber Heulen und Zahnklappern ist. Die dortigen Christen meinen also selbst von den Gebirgsjuden, sie hätten bei unserm Herrgott einen besondern Stein im Brett. O der christlichen wie jüdischen Aufgeklärtheit! - Die Besetzung der fürther Kantorstelle ist regierungsseitS auf ein Hinderniß gestoßen, das jedoch nicht, erheblich fein kann, weil Baireuth seine durch Berufung deS Herrn Ebert erledigte Lehrer- und Vorsängerstelle im Korresp. v. u. f.D. ausschreibt. Die Kreis- Und Städtgemeinde Baireuth nimmt aber, wie weiland andere Landgemeindchen mit Seif-Governement und wie sie sie „in Preußen drein" seit Jahren wollen, ein Subjekt ledigen Standes nur an. Geduldet euch, ihr Herren zu Bai- Kün- und Ermreuth nur noch etliche Jährchen und ihr werdet L edige in beliebiger Anzahl haben können: die werden aber nicht bjoö eines WeibeS ledig sondern auch noch anderer wesentlicher' Eigenschaften ledig sein! ' K. Preußen. Berlin, 7. April, v. Gerlach hatte bei Gelegenheit des jüngsten Klee'schen VerfaffungSänderungSantrages bemerkt, daß , wenn man irgendwo einem Juden ein Dorfschulzenamt übertragen wollte, sicher „dem Dorfe der Verstand auSginge". Die „Brest. Ztg." nennt darauf zwei Dörfer ihrer Bekanntschaft, in welchen Juden noch wirklich; dieses Amt bekleiden, darunter eines, welches dein ehrenwerthen Abgeordneten „den Beweis liefern wird, daß solche Abnormitäten selbst vor-dem verrufenen Jahre 1848 Vorkommen konnten, ohne, daß deshalb der preußische Staat darüber zu Grunde, ging": Im Dorfe Saw a d a nämlich, Kreis Pleß, in Oberschlesien,' bekleidet ein Jude Namens Ovenstein schon seit 1833 das Schulzenamt. Die „Const. Ztg:" weiß noch ein drittes Dorf zu nennen, das Dorf Z ar kau bei Groß- Glogau, wo ein Jude der Destillateur und Bauergutsbesitzer Hirsch Lewy — Dorfschulze ist. . (Wir erinnern an den Fall aus unftrm Regierungsbezirke, in welchem ein Jude einen Erbschulzenhof -erkauft hatten(1842), dann bis'49 einen Stellvertreter mit ziemlichem Gehalt bezahlen mußte/ und als er nunmehr dies nicht mehr wvllte, der Landrath aber erwiderte, der Jude könne ein.Schulze nicht sein, und der Mann kam nun beschwerend bei der Regierung ein, so ist er bis jetzt, so weit es uns bekannt geworden, ohne Bescheid.) - Berlin , 11. April. Ein hiesiger jüdischer Einwohner hatte vor einiger Zeit bei dem königl. Polizei-. Präsidium die Anfrage gemacht, ob er durchaus verpflichtet sei,^Mitglied der 'hiesigen jüdischen Korporation zu werden", da es in seinem frühem Wohnort Posen nicht nöthig war, und darauf den folgenden Bescheid der ersten Abtheilung deS königl.''Polizei

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