Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 17 (19.4.1852)
- Date
- 1852-04-19
- Page
- Seite 197 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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197 wird. Der Artikel 12 der Verfassung, der Ln seiner eins fachen Architektonik ein ganzes System enthält, giebt in seinem dritten Absatz deck Staat einen wichtigen Fingerzeig für die Behandlung religiöser Fragen. Er sagt Nicht : du sollst dich gar nicht bekümmern um die Religion deiner Angehörigen; aber er giebt ihm einen Fingerzeigs daß er daraus in letzter Instanz zu sehen habe,! ob diese seine Angehörigen ihre staatsbürgerlichen Pflichten erfüllen. ThuN sie dag, dann, sagt er ihm, hast du dein Urtheil über die Gesinnung zu suspendiren, aus der die Uebung dieser staatsbürgerlichen Pflichten hervorgeht. Meine Herren! Die Frage nun, ob das Judenthum im Stande ist, dem Staatsleben die Bürgschaft einer sittlichen Grundlage zu geben, der Erörterung dieser Frage glaube ich mich überhoben. Ich glaube mich ihrer überhoben im Ange-, gesicht der altehrwürdigen Urkunden, die für uns Alle ein heiliges^ und gemeinsames Besitzthum find. Meine Herren! Ich komme schließlich auf den Kömmisstonsbericht. Derselbe besteht; abgesehen von einer/ wie mir scheint, schwachen Deduktion, auf die ich nicht näher eingehe, aus Rücksichten allerlei Art. Er sagt: es sei überhaupt nicht an der Zeit und nicht räthlich, diese Frage zu behandeln, sie erfordere bei ihrer unverkennbar zarten Natur die sorgsamste Behandlung, sie sei ernstlicher und diffiziler Art u. s. w. Meine Herren! Ich habe nicht begreifen können, und stimme in dieser Beziehung vollkommen mit dem Herrn Antragsteller überein, ich habe nicht begreifen können, warum so viele Rücksichten genommen werden, und warum man, um mich, so auszudrücken, um den heißen Brei herumgeht. Das Motiv, das Ihnen für die Tagesordnung vorgeschlagen worden ist, kann ich daher nicht anerkennen. Der Herr Abgeordnete von Dramburg hat Ihnen bereits gesagt und auch der Herr Berichterstatter hat es bestätigt, daß in diesem Motive auf indirekte Weise dem Anträge des Herrn Abgeordneten für Posen beigestkmmt wird. Meine Herren! Ich bestreite Ihnen das Recht dazu, auf indirekte Weise dem Anträge beizustimmen. Die Kammer hat das volle Recht, nach §.107 der 'Verfassung in zweimaliger 'Lesung jede Abänderung anzunehmen, jeden Artikel der Verfassung zu streichen, aber ich bestreite ihr bas Recht, durch einen Umweg, durch eine motivirte Tagesordnung aussprechen zu können, ein Grundsatz der Verfassung, und zumal einer der schwerwiegendsten, stimmt nicht mit unserer Ansicht überein, er ist falsch und irrig. (Sehr richtig! auf der Linken.) '; Auf bufetft Wege könnte man * ja1 die gaüze Vetfässung in Frage stellen.' Es kön nte'ein Antrag eingebracht wer/ den auf Abschaffung der Verfassung, , und die Kammer geht zur motivirten Tagesordnung über diesen Antrag über, weil sie keine Zeit hat; sich auf die Bekathüng desselben einzulassen. Was ist die Folge davon? Es wird die ganze Verfassung, der' Glaube. aü dkeselhe wird erschüttert, sie wird nebenher mit einem -Makel gezeichnet, ohne daß die Kämmer ihr Recht eigentlich äusgeübt HWl M L< Meine Herren! Ich bitte Sie dahersägön Sie M oder Min. Bevor Sie aber abstimmeU, erwägen Sie/ daß dieser Antrag Erbitterung in'-Tausenden vött 'GeMüthern wirst, daß er unendlich Biele Jhreh Mitbürger'beunruhigt/ Erwägen Sie, meine Herren/' das Unglück, d.aS Sie über die Familien bringen, über -die Familienderen Söhne, und vielleicht sindes ihre strebsamstes Söhile, sich einem Berufe bereits gewidmet haben -im VettraüeNauf die Verfassung, oder fernerhin widmenwollen,' den - Sie ihnen durch diesen- Antrag'-abschneiden. Erwägen Sie die Gewissensangst, die Sie über diese jungen Männer bringen, denen Sie - nur die Wähl offen lassen zwischen den beiden theuerstm Güterndie der Mensch hat: ' einerseits der Befugniß/ seinen Beruf nach Maßgabe silrier Neigung üüd Fähigkeit zU'wähleir, andererseits seiner Religion. Meine Herren! Ich erinnere Sie an die Zustände/ die wir 25 Jahre lang, von den erstem zwanziger Iahten bis zum Jahre 1848, erlebt haben. Ich' erinnere Sie daran , daß damals ein Schritt, ' ein hoch erhabener und heiliger Schritt, der niemals als Mittel zum Zwecksollte herabgewürdigt werden, allerdings durch -die - Schuld des" Staats und durch die Veranstaltung desselben-Hu einein solchen' Mittel herabgewürdlgt'worhen WaO' Meine-Her^ ren! Wollen Sie diese - Zustände' wieder herbeiführen und Sie werden sie Herkeiführen > wRn Sie dett Antrag annehmen. Wenn Sie es thun, dänN' werbdüSie,/üm' mich eines Wortes zu - bedienendas der HermAnträgsteller gebraucht hat/ ein es großen' und inhaltschweren Wortes, — dann werden Sie Gült versuchen! lÄkeiW Herren! Ich habe Sie gebeten; zü erwägen; Haben Sie abererwogen, sind - Sie einig' mit sich - nun, mtind Herren, dann sagen Sie ,-Ja" oder ,-Nekit".—^ -V- Nach dieser Rede 'war auch wie vom Freiherrn - votr- Bethmann-Hollweg hervorzuhebender mit Macht-für-die' Emänzipation- -d'er -Jaden - sprach."- Wie immer hätte 'Gerläch darauf hingewiesendaß die motivirte Tagesördnung eigentlich doch nur ein Anerkeniitniß deb Aufhebung sei; da aber die' motivirte -TageSör-nüng/'gänzlich'HEgefalle^