Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 17 (19.4.1852)
- Date
- 1852-04-19
- Page
- Seite 195 (sequence 3)
- Language
- German
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195 einem gewissen Sinne auch ein richterliches Amt verwalten. Es folgt also aus diesem einen Beispiele.— ich will sie nicht behelligen mit einer Menge von Beispielen und verweise dabei nur auf 'die Verhandlungen des vereinigten Landtages, wo eine in das Einzelne gehende Kasuistik ausgestellt wurde in Bezug auf die Praktischen Ergebnisse, dieser in abslracto gezogenen Grenzlinie — ich sage also, eS geht daraus hervor, daß der Herr Antragsteller nicht blos die alten, sondern weit schlimmere Zustände Herstellen will, er will das höchste Recht deS Mannes: beschränken, seinen Beruf frei zu wählen, je nach den Gaben, die Gottes Vatergüte ihm. verliehen. -Allenfalls läßt er die gewerbliche Thätigkeit frei und unter/cheidet sich darin von ihrer sächsischen Schwester, die vor Allem der gewerblichen Konkurrenz der Juden ein Ende machen . will. Aber so wie die Thätigkeit der Juden sich höher erheben, so wie sie sich an dem Wohle des Ganzen der' Kommune, des Staats betheiligen will, schiebt der Herr Abgeordnete ihr .einen Riegel vor. So versteht er die freie Entfaltung aller sittlichen und geistigen Kräfte! (Brav! links.) . Ich glaube Ihnen bewiesen zu haben, daß der beantragte Zusatz aus einem seltsamen Mißverständniß zu einem Zusatz geworden ist,^ während er eigentlich den Art. 12 aufhebt. Nun, meine Herren, dieser Art. 12 der Verfassung ist uns von manchen Seiten als eine eitle.Märzerrungenschaft geschildert worden und der Herr Antragsteller hat heute wieder in diesen Ton eingeftimmt — etwa wie ein- Märzschnee, der Morgens fällt und an der Mittagssonne schmilzt. Meine Herren! Der Art. 12 der Verfassung ist aber vielmehr das Resultat der Geschichte und der Gesetzgebung Preußens. Er ist die. reife und süße Frucht dieser Gesetzgebung, nicht etwa ein Merkmal der Irreligiositätsondern ein rechtes Zeichen der durchgedrungenen religiösen Bildung.? i; .-. (Bravo! links.) Der Herr Antragsteller versichert, ich muß sagen, mit jener Keckheit, die wir seitdem' Jahre 1848 nicht, erlebt haben: im. Namen des Volkes, : _ (Heiterkeit) daß dag Volk sich die bürgerliche Gleichstellung von Juden und Dissidenten niemals gefallen lassen werde. Meine HerrenDurch diese Versicherung bin ich provozirt, und ich -danke dem Himmel dafür, daß ich es kann, auf dieser Tribüne ein öffentliches Zeugniß aus meiner eignen -Lebenserfahrung-abzulegen. Meine Herren! Ich bin nie und nimmermehr gehindert worden durch meine christlichen Mitbrüder; wenn mir Hemmnisse in den' Weg traten,'so kamen sie von der Gesetzgebung oder vom grünen Tische. Meine christlichen Mitbrüder haben Mich' immer gefördert und. unterstützt und sind mir auf alle Weise bereitwillig' entgegengekommen. Und, meine Herren, daS ist nicht meine Erfahrung allein, das ist die Erfahrung von-Hunderten und Tausenden, und auf Grund -dieser Erfahrung darf ich denn wol auch behaupten, -daß , so weit mein Gesichtskreis reicht, — ich spreche nicht im Namen deS Volkes '— schon lange vor 1848 der Gedanke, daß ein befähigter Mann bloS wegen seines religiösen Bekenntnisses ausgeschlossen sei von Ehren und Würden, daß dieser Gedanke unerträglich war für alle diejenigen, die -ich zu beobachten die Gelegenheit gehabt habe. Und wo der Zutritt zu einem öffentlichen Amte woncher VolkSwahl abhing, ist'schon seit einem:Menschenalter zwischen befähigten Christen' und Juden kein Unterschied -in Wiesem^Lande gemacht worden. /. . •: /. . . (Bravo! links.) ’ Darum, meine Herren, 'hat man sich, Und gewiß mit Recht, beeilt, diesen Gedanken grundsätzlich in die Verfassung niederzulegen. Schon' in der Proklamation) Sr. Majestät des Königs vom 21. März ist-dieser Grundsatz ausgesprochen, er ist ausgesprochen im; §. 5 des Gesetzes vom 6. April, er ist . einseitig von 'der Krone, verkündet worden in der Verfassung vom 5. Dezember 1848,/er:ist feierlich vertragen und beschworen durch: die-Verfassung vom 30. Januar 1850. Meine Herren! Wollen Sie diese, vierfache Kette, der Verheißungen zerreißen?. (Bravo! links.) . <,v Wollen Sie den königlichen Namen, so bloßgeben? — Meine Herren! Die deutsche Sprache würde Sie verlassen, wenn Sie in Zukunft nach Worten suchen wollten, denen man noch Glauben schenken könnte,' wenn ) wieder einmal die Wogen der Zeit hochgehen, nachdem Sie diese vierfache Verheißung von sich gestoßen, und zerrissen haben. (Bravo! links.) - Der Art. 12 der Verfassung ist daher-nicht eine leichte Märzerrungenschaft, er/ist der ernste.Ausdruck einer bleibenden Thatsache, bleibend, wie auch, die Wogen der Reaktion-jetzt an. dieselben heranspülen mögen. Und, meine Herren > was ist durch diesen Artikel befördert worden? — Ich appellire an die Erfahrung Ihrer Aller. Der Friede der Konfessionen ist dadurch.-befördert, und. deshalb auch ein wahrhaft religiöses Leben. , ... , ■ (Pravo! links.).. -