Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 16 (12.4.1852)
- Date
- 1852-04-12
- Page
- Seite 189 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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1M schwinden.gegeben werde. Wirklich stand,jenes Klopfen in phystqlogischer, Perbindung mit JosselS Traum; aber eS'verursachte, hem zuerst Ein tretenden,^ der-sich nach per SWehinMndte, wo. dep Bachur saß, wahrend die Uebrigen stch singend nach ihren -Sitzen zerstreuten, keinen kleinen Schrecken, als er den in den weiten, weißen,Gebetmantel gehüllten Mann erblickte und ^einen> von den verspäteten Todten zu sehen glaubte. Starr vor Entsetzen blieb er stehen, während Jossel, der sich von allen Eindrücken des Traumes und Wachens noch nicht erholen konnte, langsam aufstand und wunderlich umherfchauete. „Höre, Israel -—" schrie endlich der Geisterseher laut, und kreischend -auf und . von allen Seiten , strömte man zu dem Winkel hin, wo sich der lebende und todte Bachur (denn auch Jener war ein in Metz Studirender) gegenüber standen- Es: brannten erst wenige Kerzen und das Halbdunkel rin,dem weiten Raume vermehrte die Täuschung und das . Angstgefühl, .Der. verschlafene Jossel konnte noch immer keine Worte? finden, die Anderen wußten, nicht, was sie daraus manchen sollten. „Ein Tndter, eiy'.Todter!" lispelten Viele in der Menge. „Daß sich Gott über uns Sünder erbarme!" rief still und betreten der Eine, und der Andere.... Wer weiß, wann es unter den Bestürzten zur Erklärung gekommen wäre, wenn nicht alsbald der Synagogendimer eingetreten wäre, der Jossel in den Tempel eingeschlossen, hatte. Dieser löste ihnen daS Räthsel und rief den erstarrten Jossel aus der: Schaar der Todten wieder unter die Lebenden. Je gxößer der Schrecken.vorher gewesen, desto lauter wurde jetzt hei den - Einen der Unwille über den Diener, bei den Anderen die Theilnahme für den , flüchtigen. Mann, - In Kurzem erzählte er: .den Umstehenden seine Schicksale, er brauchte dazu nicht französisch zu sprechen oder zu verstehen,, denn: die Metzer Juden sprachen damals nur deutsch und waren selbst wenig in der Sprache ihres Landes bewandert. Von der Mosel bis zum Dniepr sprachen-die Juden deutsch und war daS deutsche Element bei ihnen vorherrschend. Nach beendigtem Gottesdienste entstand sogar ein Wettstreit unter ihnen, wer den fremden Bachur mit nach Hause, nehmen sollte, .denn Viele waren bereit dazu, nicht nur aus Wohlwollen,-fo.ndern. -auch auS Neugierde. Man wollte wissen, wieeS? im Reiche aussehe, hörenwie es mit:! dem Kriege steheund von neuen Großthaten - des Königs von: Preußen, und wer: vermöchte dieS besser als der Bachurder soeben — wunderbar genug — die Schlachtreihen verlassen hätte. — Ein kurzer, feisterelsqsser Geldwechsler, Lhb Falkenberg oder Faulquemont, wie er sich französtrt hatte, gewann endlich den Sieg über die Uebrigen; es könnte/doch), imeinte er,- nach AuSmachen des SabbatS Jeder zu ihm.hommm^u^d-.-.on-dM.vFr.emdett' die preußische Geschichte, hören, Hy ging denn mein Jossel an der Seite/ des .Louis Fausquemont, mit ihm nach dessen Behausung, indem sie in ein mgeS Gäßchen, nicht weit von der Kathedrale, schlüpften und in ein kleines' HaüS einträten, in dessen unterm Geschoß die Wechselstube des Elsässers war, in dessen obern aber die Familie wohnte. Sie wurden von der freundlichen Hausfrau, einer schlanken Dame aus dem Erzbisthum Köln gebürtig, freundlich empfangen, sie schien es gewohnt, zu sein , daß ihr Mann unangemeldete Gäste mit sich nach Hause brachte und war deshalb gar nicht genirt, da sie' ihre Küche für den Scibbat - mit' 'doppelten' 'Ratitzitttt — wie ihre Väter in der Wüste mit" zwiemäßigem Manna : — versah und immer noch genüg für die „Säbbatnacht^ übrig blieb. „Nun," sagte der " Elsässer "zu' Jossel "ge- ' müthlich, „nun wollen wir den' Sabbat auSmächen und? ordentlich essen und dann sollt Ihr mir erzählend' ' In tiefem Bä ßton intonirte jetzt der kleine Mann sein' Lied: „Sieh, Gott ist meine Hilfe, ihm traue ich und fürchte mich nicht", und daß „der Juden Licht und Freude und Wonne würde", und begann die Zeremonie deS „Erlöschen deS SabbatS", daS Kerzchen in den auf-den Tisch gegossenen Segenswein tauchend bis es zischend^ verglommen war. Jossel thauete auf; es wurde ihm sehr wohl zu.Muthe nach so viel erlittenen Uebelständen wieder in einem jüdischen Hause zu sein, und als endlich der Elsässer, fast hüpfend vor lauter. Wonne, daS Wochenlied . begann:' Der den Unterschied gemacht / Zwischen Heilig und Gemein, Mög' unS unsre Schuld verzeih'n, Viele Schätze uns bescheeren, - Kinder unS, wie Sand, vermehren Und wie Sterne in der Nacht! — da setzte sich Josselstill auf den Sessel neben dem Ofen und erwärmte sich am Feuer,. dachte an'S Vaterhäus UNd sang dem Kleinen*) nach: ' - Oeffne mir die Pforte'doch; ' . . i .Dieerhab'ne,denn,o schau', : Feucht ist mir daS Haupt vom Dhcku-. *) Auch daS Lied ist vom R. Jakob Hakaton '(dem Kleinen, Jüngern). 1b*