Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 15 (5.4.1852)
- Date
- 1852-04-05
- Page
- Seite 174 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Von -er ungarischen Grenze, 22. März An die Jurisdiktionsbehörden in Ungarn ist dieser Tage eine Zirkularvorschrift der Distriktual--Ober-> geeichte gelangt, welche das Verfahren bei der Eidesleistung der Israeliten dermaßen regelt, dast der Vorsitzende des Gerichts dem zum Eide zugelaffenen Israeliten dasjenige, was zu beschwören ist, bestimmt und deutlich vorzuhalten, erforderlichen Falles zu erklären, und sodann mit Hinzuziehung eines Rabbiners zur Meineidserinnerung zu schreiten hat, welche mit Vermeidung deS AblesenS einer bestimmten Formel, der Geistesbildung und Fassungskraft des Schwörenden gemäß, mit angemessener Berücksichtigung verschiedener auf den israelitischen Religionsbegriffen und Büchern. beruhenden Bemerkungen einzurichten ist. — Die Meineidserinnerung wird mit der Frage geschlossen,. ob der Israelit bereit sei, den 'Eid abzulegen. Wenn er.die.se Frage bejaht, wird dann in der in den anderen Kronländern bereits üblichen Weise die Eidesleistung vorgenommen. Dieselbe hat auch fortan nicht mehr in der Synagoge, sondern vor Gericht zu geschehen. . (Coxrespbl. a. Böhm.) Brody, 17. März. Mit jedem nahenden Frühjahre muß sich uns wol der Gedanke aufdrängen, doch endlich einmal auch die Kinder Israels beim Landbau nützlich beschäftigt zu sehen, und es ist wol jetzt an der Zeit, auf diesen Gedanken zurückzukommen, da von hier aus manche Anregungen zu seiner Verwirklichung ausgingen. Schon seit längerer Zeit geht das bestimmte Gerücht, daß eine hiesige angesehene Person gesonnen wäre, eine bedeutende Summe zur Anlegung israelitischer Ackerbaukolonien beizustreuern, Md wir können nur wünschen, daß durch baldige Hinerlegung jener Summe am geeigneten Orte ein Erempel gegeben würde, welches geeignet, wäre, die Säumigen und Indifferenten zur raschen entschiedenen That anzuspornen. — Für die israelitischen Ofterkuchen (Mäzes) wird den Armen das Mehl zu wohlfeileren Preisen verabfolgt; zu wünschen wäre eS, dass die Privatwohlthätigkeit sich bei diesem größten Höhenfeste deS JahreS recht ausgiebig erwiese und die Aermsten daS Mehl umsonst erhielten. (Correspbl. a. Böhm.); Pesth, 22. Marz. Von. Herrn L.. Skreinka, Senior der israelitischen Schule zu Arad, erschien soeben ein WeMm unter dem Titel; Kultusverfaffung im Judenthum." Ohne uns hier in eine Erörterung über, die so oft und vielfach ventilirte Cultusfrage einzulassen, müssen wir mit Bedauern gestehen, daß es dem Verfasser nicht gelungen ist, fein Thema mit jener Klarheit und Präzision auSzuarbeiten, die' man von ihm erwartete, und man weiß nach Durchlesung der Broschüre kaum, was der Autor eigentlich will, so-unklar und dunkel ist die Sprache und Darstellung. Es ist doch endlich an der Zeit, daß man festen Fuß fasse, man hat lange genug erperimentirt. In dieser Beziehung freut eS mich, Ihnen mittheilen zu können, daß die allerhöchste Sanktionder von den Fachmännern ausgearbeiteten Bestimmungen über Schul- und KultuSangelegenheiten in Bälde erfolgen wird. Auch das Schicksal der hiesigen israelitischen Reformgenoffenschaft wird entschieden werden — nämlich ihre Auflösung*). Herr Dr. Einhorn befindet sich in diesem Augenblick, in der Residenz, um beim hohen Ministerium für den Bestand der Genossenschaft zu petitioniren. . ' (Correspbl. a. Böhm.) Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Drei Vorlesungen über die Gesetzlichkeit in der Natur, im menschlichen Geiste und in der Geschichte. Dritte Vorlesung. Ueber die Gesetzlichkeit in der Geschichte der Menschheit. ' (Schluß.) Um nun zu dieser Ueberzeugung zu kommen, werfen wir zuvörderst einen. Blick auf die Völker. So weit wir irgend die Reihe der Völker, die auf diesem Erdball sich folgten, übersehen, wird es Niemand leugnen Pollen, daß jeder Volk eine Entwickelungsbahn durchläuft, die mit dem EntwicktlungSleben eines Pflanzen- oder Thier- *) Auch dem „Salzb. Corr." wurde unlängst aus Wien berichtet, daß den israelitischen Reformgen offenschaften ein ähnliches Schicksal bevorstehe, wie den Deutschkatholiken. (D. Red. d. Correspbl. a. Böhm.)