Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 14 (29.3.1852)
- Date
- 1852-03-29
- Page
- Seite 165 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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165 haben, wollen wir besonders auf einen überaus tiefsinnigen Ausspruch aufmerksam machen, der ihm in deü Mund gelegt wird. Wie wir oben (Kap. 2) gesehen, hat er durch bloßeS Berühren einen Baum gefällt und ein Haus zusammengestürzt. Darauf bat ihn eine Wittwe, er möge ihre Hütte verschonen. Er willigte ein, beugte sich und — zerbrach sich einen Knochen. Da sprach er: „So bewährt sich die Schrift: „„eine zarte Zunge (Anspielung auf die Bitte der Wittwe) bricht Knochen.""*). Noch auffallender ist feine geäußerte Hoffnung auf das zukünftige Leben. Er wurde nämlich gefragt, warum er einen von der Straße abirrenden Blinden auf den rechten Weg zurückgeführt habe (da er doch eher Böses zu stiften, wenigstens nichts Gutes zu thun gewohnt ist — wie Sam. Edler diese Stelle richtig deutet —), und er erwiderte, er habe im Himmel in Bezug auf den Blinden auSrufen hören, daß derselbe ein vollkommner Frommer sei, und daß derjenige, welcher ihm Gutes erzeige, das ewige Leben erlangen werde (so ist der wahre Sinn der Antwort, nicht wie Sam. Edler meint, daß die Erlangung des ewigen Lebend auf den Blinden sich beziehe). Indessen kann man annehmen, daß Asmodai Solches nur gesprochen während er die Fesseln trug, in welche der Name Gottes eingegraben war; auch ist denkbar, daß feine Absicht keine andere gewesen sei, als einem Andern die Gelegenheit zu benehmen, sich das ewige Leben zu erwerben. Darum hat er selber sich beeilt, den herumirrenden Blinden auf den rechten Weg zurückzuführen. Wenden wir unS nun dem zu, was von seiner Lebensweise erzählt wird, wie er nämlich nur Wasser trinkt, täglich zum Himmel sich erhebt, um die Wissenschaft des Himmels zu studiren, und dann wieder auf die Erde niedersteigt, um auch die Wissenschaft der Erde sich anzueignen: so erscheint unS auch dies nur als ein dichterisches Bild von seinem steten Schwanken zwischen Himmel und Erde, von der Beschäftigung seines Geistes bald mit hocherhabenen, und bald wieder mit gemeinen, niedrigen Gegenständen. So heißt es auch von ihm, daß er deS Salomo sich bemächtigt 2) und ihn weit weg geschleudert habe, so daß dieser mit einem Fuße im Himmel und *) Prov. 25, 15. Anmerk. d. Uebers. 2) Im Talmud Gilt. 68 b heißt eS: 2^1.'"' ,Fpnpr»a>, wörtlich: „und er (Salomo) gab ihm (dem Asm.) seinen Ring. Da verschlang er ihn." Die Kommentatoren find-nicht einig darüber, ob gemeint sei, ASM. verschlang den Ring, oder den Salomo, je mit dem andern auf die. Erde zu stehen kam *). Als Aßmodai den Brunnen, anstatt mit Wasser, mit Weift gefüllt fand, wollte er anfangs nicht trinken, indem er sprach: „Ein Spötter ist der Wein, ein Rasender der Rauschtrank; wer damit sich berauscht, der handelt nicht weise." * 2). —„So heißt es auch in der Schrift— fügte er noch hinzu — „„Wollust, Wein und Most rauben den Verstand."" 3 4) — Er fürchtete also nur, er könnte sein Bewußtsein verlieren, — nicht aber, er könnte sündigen. Aber sein großer Durst brachte ihn dennoch dazu , daß er vom Weine trank, berauscht ward und in einen tiefen Schlaf verfiel. Ebenso sehen wir ihn, nachdem er die nachtheiligen Folgen der Wollust geschildert, selber in Wollust verfallen. Wir erkennen in ihm also einen Menschen, der einerseits durch seine geistige Begabung hoch emporragt, aber andererseits wieder durch seine Sinnlichkeit herabgezogen wird. Wol kämpft er an gegen diese, mit seinem Verstände, unterliegt ihr aber dennoch, getrieben vom bösen Geist, der ihm innewohnt.' Dies entspricht ganz der Borajta in Chagiga. Auch die Deutschen besitzen eine ähnliche Sage, deren Held — Faust genannt —ein Philosoph ist, der in die Geheimnisse der Natur eindringen möchte; sein Dämon heißt Mephistopheles. Der große Dichter Göthe hat diese Sage meisterhaft dramatisirt *). Meiner Ansicht nach aber nachdem sie im Talmud nsba oder lesen. Unser Verf. ist letzterer Ansicht; er sagt: n« 3>baiB3." *) Der Tert hat: km nni asa NN trariiN fcttnss — während es Gilt. loo. oit. heißt: ST»ama aönött ir*M nndi ay»pa rrsA.inb, wörtlich: und er (Asm.) setzte ihn (den Sal.) mit einem seiner Flügel (oder Zipfel, auch Seite) in den Himmel, und mit dem andern auf die Erde. 2) Prov. 21, 1. 3) Hofea 4, 11. 4) Göthe hat die Faustsage nicht blöS meisterhaft dramatifirt, sondern total umgeschaffen. Während der Faust der Sage der Magie sich ergie.bt der Erdengenüsse wegen, schlägt der Göth'sche Faust seine Zukunft in die Schanze , um — wie er hofft — schon hienieden zur h ö ch ften Erkenntn i ß zu gelangen. Wenn daher der Faust der Sage 'moralisch untergeht, so kann der G ö t h' sch e Faust nur pH y f l sch zu Grunde" gehen. Die ASmodai-Sage, so weit sie Salomo selbst betrifft, kann daher nur mit dem Göth'schen Faust, nicht mit-dem der Sage, verglichen werden. ES ist daher zu bedauern, daß der Verf. diesen Vergleich nur obenhin berührt und nicht eingreifender und entschiedener durchgeführt hat. Freilich hätte er dann daS Göth'- 14*