Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 14 (29.3.1852)
- Date
- 1852-03-29
- Page
- Seite 162 (sequence 6)
- Language
- German
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162 nach den neuen Gebieten Amerika's, bald auch nach den Inseln.Australiens strömten,;bis fich diesen spät, aber um so stärker Deutschland anschloß. Ist eÄ doch in den jüngsten Zeiten schon ersichtlich, wie die Wanderung vom Osten Amerika's wieder nach dessen Weststrichen geht, ja wie man schon in San Francisco, sich einschifft, um nach Adelaide, aus Calü'ornien nach den neuen Goldländern Neuhollands zu fahren. Die Geschichte der Auswanderungist also, m. H., so alt wie die Geschichte der Menschheit selbst. Aber ein so überall und durch alle Jahrtausende hindurch das Menschengeschlecht Beherrschendes ist ein Gesetz, das nicht in zufälligen Umständen, nicht in irgend einer besonder» Ursache, wie der Uebervölkerung eines Landes, begründet liegt — sehen wir ja oft auS weniger bevölkerten Ländern, wie Spanien, Irland, die Auswanderung zu Zeiten am Stärksten sein — und fügen wir hinzu, daß der Mensch sich schon hier im Gegensatz zu allen übrigen Geschöpfen der Erde befindet, denen allen die Natur bestimmte. Landstriche angewiesen;- denn die Ausbreitung mehrerer Hausthierarten und Pflanzengattüngen ist erst Folge der menschlichen Wanderungen, und die Ortsveränderungen der Zugvögel finden immer nur zwischen bestimmten, denselbigen Landschaften statt — sondern ein Gesetz, sage ich, daS in einem bestimmten gesetzlichen Triebe der Menschen liegen muß, der nur in äußeren Verhältnissen, z. B. politischen, religiösen, kommerziellen, industriellen, seine Ausgangspunkte und Veranlassungen hat, an sich aber im innersten Geiste der Menschheit selbst sein ursächliches Moment besitzt. Aber gerade hieran knüpft sich die Beobachtung einer zweiten großen Erscheinung in der Menschheit, nämlich der immerfort wachsenden Verbindung unter allen Gliedern des Menschengeschlechts. Es ist höchst interessant, diese äußerlich und innerlich stets wachsende Verbindung der Menschheit zu beobachten; wie sie von einem kleinen Mittelpunkt ausgkng, und immer weiter und weiter die Völker, die Welttheile in ihren Lebenskreis hereingezogen und hereinzieht, und wie zu diesem Zwecke alle möglichen Mittel in Anwendung gebracht wurden and werden. Die beiden ältesten Mittel waren die Herrschsucht and die Gewinnsucht. Die unaufhörlichen Kriege, welche in Mittel- und Dorderasien die einander in der Herrschaft folgenden Völker der Assyrer, Meder, Chaldäer- Perser, dann im. Rückschlag die Mazedonier führten, und die dadurch immer wieder neu gegründeten Dynastieen und Reiche, verbanden die dortigen Länder und Egypten, später auch Griechenland miteinander; früher schon schlangen die kühnen Phönizier daS Band deS Handels um den fernen Westen, so wie die alten innerastatischen Handelsstraßen Arabien und Indien anknüpften. Ueber alle diese triumphirte der Siegerarm RömS, und machte ans' den Ländern von Britanien bis zum. Indus und Nil ein; einziges Ganze. Hier war es aber auch schon die geistige Kultur, die Wissenschaft der Griechen und die Sprache der Römer, welche die Verbindung beleben half. An die Stelle dieser Momente trat nunmehr die Religion. Die Ansbreitung der christlichen Religion im Abend-, des Islams im Morgenlande machte auS diesen Beiden zwei große Körper, welche durch die Kreuzzüge und die arabische Wissenschaft mir einander in Wechselwirkung traten. Bald aber genügten diese Länderkreise dem menschlichen Geiste nicht mehr. Der Handel, die Eroberungssucht und viele gerade damals gemachte Entdeckungen, wie des Kompasses, des Lumpenpapiers, des Schießpulvers-und endlich der Buchdruckerei, gaben die großartigen Mittel dar, um die fernsten Welttheile dem Verbände der Menschheit hinzuzufügen, und in den schon mit einander verbundenen. Theilen das Leben rascher pulstren zu machen. Seit der Zeit hat sich äußerlich und innerlich die Verbindung deS Menschengeschlechts in'S Ungeheure gestärkt, ..bis die Anwendung der Dampfkraft und des Elektromagnetismus fast allen Raum, alle Entfernung aufgehoben hat. Der unterseeische Telegraph wird vielleicht in nicht ferner Zukunft Amerika dicht an Europa rücken. Auch die Barrieren von China sind dem Einsturze nahe. So sind es nur noch die freilich enormen mittelasiatischen und mittelafrikanischen Völkerschaften, welche der ihrer. bewußten Menschheit fern stehen, die aber diese sich sicher auch noch zu eigen machen wird, um alle menschlichen Bewohner dieser Erde zu einem Verbände zu vereinen. Nicht minder nach innen. Der Verkehr durch Schrift und Druck und durch die gegenseitige Erlernung der Sprachen ist ein so umfassender geworden, daß was die M-enschen produzkrkn, sofort Eigenthum der ganzen Menschheit wird; die Gedanken, die der einsame Wanderer in den kahlen Bergen Neuhollands mit sich trägt, werden, wenn sie beachtenswerth sind, alsbald bis an die Grenzen des Urals getragen. Es ist jetzt Alles Gesammtgut Aller, Ei n Leben. Aber noch mehr,, wie den trennenden Raum so hat auch der Mensch die Zeit überwunden. Auchdie Vergangenheit ist Eigenthum der Gegenwart. Nachdem in Europa nach der mittelalterlichen Barbarei die Wissenschaften wieder erwachten, begann man zuerst das klassische Alterthum sich anzueignen, hierauf folgte insonderS die