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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-03-29 · Heft 14 (29.3.1852) · p. Seite 161

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 14 (29.3.1852)
Date
1852-03-29
Page
Seite 161 (sequence 5)
Language
German
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161 Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Drei Vorlesungen über die Gesetzlichkeit in der Natur, im menschlichen Geiste und in der Geschichte. Dritte Borlesung. Ueber die Gesetzlichkeit in der Geschichte der Menschheit.*) Hochgeehrteste Herren! Die Menschheit ist noch nicht alt; rechnen wir die Zeit ihres Daseins von da an, wo sie ihrer selbst bewußt zu werden begann, wo sich ein gewisses weltgeschichtliches Bewußtsein in ihr, wenn auch nur zu regen anhob, so sind es wenige Jahrtausende, welche sie seitdem durchlebt hat. Dennoch ist die Geschichte der Menschheit schon zu einer unermeßlichen Samnllung von Details geworden. Setzt sich irgend ein bedeutender Geist die Erforschung der Geschichte auch nur Eines Volkes, seiner Zustände, Richtungen, Kämpfe, Geschehnisse zur Aufgabe seines Leben-: so wird er dennoch dieselbe nimmer ganz lösen. Um wie viel wirrer liegt daS ChaoS aller der Zeiten, der kommenden und gehenden Völker, der werdenden und zerfallenden Reiche, der Religionen, Literaturen, Wissenschaften, Künste, Jndustrieen u. s. f. vor uns da! Der erste Blick wird daran verzweifeln, irgend einen Faden in diesem Labyrinthe zu finden, der zur Pforte des Verständnisses bringe; er wird nur eine Sammlung von Trümmern und Denkmälern gewahren lassen, die keinen Zusammenhang mit einander haben, als der äußere der Zeitfolge; er wird zu der Annahme führen, als ob über dem Thore der Geschichte Nichts als der alte salomonische Spruch als Inschrift stehe: „Ein Geschlecht kommt, Ein Geschlecht geht, und die ' Erde besteht ewiglich." Aber ein zweiter, tieferer Blick wird uns gewahren lassen, daß eS viele Thatsachen giebt, die stch immer und immer wiederholen, die, zwar rrach den Orts- und Zeitverhältnissen anders gestaltet, doch immer denselben Inhalt und Erfolg haben, also auch auS denselben Ursachen hervorgehen, ferner Solche, die sich immer weiter und weiter spinnen, in dieser Zeit abgeschnitten, in einer andern wieder angeknüpft. worden. Wir.sondern diese aus; und mit Hilfe dieser wird sich ein Bild aufführen lassen *) S. No. 2. 3. 10. 11. von Dem, was in dem Menschengeschlecht bis jetzt erstrebt und erreicht worden ist; mit Hilfe dieser wird stch, trotz der überwältigenden Masse deS Details, ein einheitliche- Gewebe entdecken lassen, in welchem die Völker die Fäden, die Zeiten der Einschlag gewesen. Freilich fragen^ wir: Wie? da jeder Mensch seinen freien Willen hat, seine eigne- Bahn nach den Strebungen seines Jchs wandelt: sollten über diese unernußliche Zahl von Jchs Gesetze walten, denen diese freien Jchs in gleicher Weise unterthan sind, und welche sie mit allen ihren Sonderentschlüssen und Sonderthaten doch nur erfüllen? Ueberblicken wir aber die Geschichte unser- Geschlechtes, so sehen wir sofort mindestens Etwas in ihm walten, das wie ein Gesetz aussieht: daS Gesetz der immer sortge se tzt en A uS breitung. Ueberall', mit Ausnahme kleiner Eilande im Ozean, hat man Ureinwohner gefunden, gewöhnlich in minder dichter Bevölkerung. Wie diese Ureinwohner dahin gekommen, liegt im Dunkel der Urzeit. Aber von Anfang an hat der Strom der ihrer bewußten Menschheit auS ihren Ländern Auswanderer nach weiteren Ländern geführt, wo sie in der Regel' sich der Herrschaft über die Ureinwohner bemächtigten. Es ist bekannt, daß diese Auswanderungen, wie überhaupt im Morgenlande die Wiege -er ihrer bewußten Menschheit zu suchen ist, immer von Osten nach Westen ging, so sehr, daß die einzige Wanderung, die von Westen nach Osten ging, die Kreuzzüge, in ihren Resultaten erfolglos blieb. Daß Griechenland von Kleinasten aus bevölkert worden, daß von den Griechen Kolonieen nach Sizilien und Unteritalien, nach Spanien und Südfrankreich gingen, daß vorher schon die Phönizier auf Nordafrika, in Spanien und bis in Britanien und Ostpreußen Kolonieen und Handelsposten gründeten, daß nachmals die Römer ihre siegreichen Legionen in das Herz GermanienS, über Gallien und bis an den Tweed, der die Pitten «nd Skoten von den Britten trennte, sandten, ist bekannt. -Mächtiger war die unaufhaltsame Strömung der Völkerwanderung, welche zahllose wilde Horden aus dem unerschöpflichen Schooße Asiens mitten in die zivilisirte Welt schleuderte und sie der ihrer bewußten Menschheit amalgamirte. Aber kaum erhob diese sich aus der Barbarei; welche die unmittelbare Folge dieser Vermischung war, als sie von dem Uferstrich des Westens ihre Seefahrer um das Kap der guten Hoffnung nach Ostindien, über den atlantischen Ozean nach neuen Welten sandte, und nun von .Portugal, Spanien, Frankreich, Holland, England fort und fort zahllose Auswanderer

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