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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-03-15 · Heft 12 (15.3.1852) · p. Seite 142

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 12 (15.3.1852)
Date
1852-03-15
Page
Seite 142 (sequence 10)
Language
German
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ging eS schlecht. Seine Munde zwar schmerzte nicht mehr, aber eS kamen Schauer von großer, innerlicher Beängstigung, gegen welche die starke Natur des Mannes vergebens kämpfte. Nach einigen kurzen Fragen begann der Prediger seinen Vortrag. Iossel stellte sich am Fußende dvS BetteS hin und sah unverwandt in's Gesichtdes Kamerun; er' senkte sein Haupt und hielt die sneinändergelegten Hände an fein Herz. Er war voller Andacht, aber als der Prediger die Einsetzungsfönnel des Abendmahls verlas und Brod und Wein dem sterbenden Christen reichte, murmelte Iossel seinen Psalm vom David, als er in der Wüste Juda war» Kill für sich hin. Stoßweise die Worte 'des Priesters begleitend, seufzte, er: Gott, du bist mein Gott, früh wache ich zu dir — es dürstet meine Seele nach dir, mein Fleisch verlanget nach dir —^ in einem trocknen und dürren Lande, da kein Wasser ist — will gern schauen deine Macht und Ehre — denn deine Güte ist besser denn» Leben, meine Lippen preisen -ich. Und -als mm bei den letzten Worten des Vaterunsers ein starrer Krampf die Glieder des Kriegers faßte und dehnte, als sein Auge, himmelwärts schauend, verlosch und nun her Tod sich immer mehr über das blasse Antlitz lagerte, als ein letzter, tiefer Seufzer der Abschiedsgruß von dieser mit der Asche der Menschenherzen sich düngenden Erde und das Willkommen in lichterr Sphäre wurde, da ries Iossel laut: dir, Ewiger, ist die Größe und die Stärke, die Herrlichkeit, der Sieg und die Majestät, denn Alles ist dem im Himmel und auf Erden! Der Priester und der Bachur verließen nun die Kammer, Iossel folgte dem Prediger, der ihn zu sich einlud und mit Speise und Trank und Warmer Stube erquickte, auch versprach, für das Begräbniß des Soldaten zu sorgen. Bald waren Peide in einem eifrigen Gespräch über — theologische Dinge, dep Prediger erstaunte über die enorme Bibelkenntniß deS jungen Mannes und wie dieser bei jeder Gelegenheit mit Versen und ganzen Stellen in der Ursprache des heiligen TerteS aufwartete, er selbst hatte schon längst sein weniges, auf Schule und Universität mühsam zusammengerafftes und sauer erworbenes Hebräisch vergessen, gehörte übrigens auch nicht zu denen, die bei jeder Gelegenheit suchen Proselyten zu machen, was auch nicht in . der Zeit lag, in welcher Friedrich Jeden nach seiner Fa^on selig werden ließ. . T;..,. s. . ' . 10. .. . , Iossel in Frankreich und Fray'kenlnNid. -S SteaKhprg, -o StrAßburg, duwund«fchöne -Stadt! . (AttesLner.) Am andern Tage entließ der Prediger unser« Iossel, .der. uun wieder frank und frei war. Wohin -der Schriftsetzer gerathen war, konnte er nicht erfahren. Iossel richtete seinen Weg nach Frankfurt, aber sonderbar.! er sollte nach diesem. ersehnten Eldorado, nicht, kommen. Durch eine seiner wunderbaren Launen schob ihndaS Schicksal geradezu aus der siegenden preußischen Armee in die französische und er kam hier nicht so leichten Kaufs davon, wenn er auch keine Schlacht mitzumachen hatte. Er war schon in der Nähe von Gelnhausen, als er auf ein KowS französischer Infanterie der geschlagenen Armee stieß, welches dem Nhcin Mitte, während der König von Preußen wieder gen Osten gezogen war. Man hielt ihn an,, fragte ihn nach-seinem Paß, studirte denselben wiederholt, und als man nun erfuhr und aus den, verschiedenen, Visa es zu lesen glaubte, daß der fahrende Schüler eigentlich so eine Art Vagabundus war, denn seine Gelehrsamkeit trug er picht auf dem Gesichte, wollten ihn die Franzmänner nicht weiter ziehen lassen,'sondern brauchten ihn, bald das maroditte Vieh fortzntreiben, bald Mantelsäcke,zu tragen und zu dergleichen Liebesdiensten. Vergebens protesiirte er — Niemand verstand ihn und nach wenigen Tagen sah er sich in Straßburg. Aber auch hier war keine Ruhestätte für ihn, weiter ging es nach Metz.. Seine heitere Laune war verschwunden, die Zukunft lag trübe und ohne alle Gestalt vor ihm, vom elterlichen Hause hatte er natürlich keine Nachricht und konnte auch keine dorthin geben. Es war an einem Sonnabend, in den'Nachmittagsstunden, als er unter einem Haufen französischen Militärs in einer Straße von Metz stand und Quartier ertheilt werden sollte; da bemerkte er, wieaus .einem Hause, dessen Pfort.en offen standen und. über einige . Stufen in einen Hofraum führten, Männer und Weiber seines Stammes in großer Menge kamen, und langsamen Schrittes über die Straße zogen, wo sie sich, zerstreueten. DaS mußte die Synagoge sein, in deren Nähe mußten sich ja die RabbinatSwohnung-en. unp dergleichen befinden. Sein Entschluß war gefaßt. Er ging einige Male aitf und ab, um die Aufmerksamkeit seiner -nächsten Umgebung Don sich abzuleiten, drängte sich unvermerktimmer näher dem Hause zu,dann schlüpfte er rasch in die offene Pforte, eilte über den Hofraum nach dem Tempel, als. hätte er

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