Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 12 (15.3.1852)
- Date
- 1852-03-15
- Page
- Seite 143 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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dort Etwas vergesse» uyd zog einen Mann, den er seiner KleidMg nach für den Synägogendiener hielt und der eS auch richtig war, chinter eine Säule und lispelte ihm zu: „Hilf mir, Bruder, ich bin ein gefangener Zud' aus dem Reiche, den sie hierher geschleppt haben, .verberge .mich schnell." < - Der Mann mit dem schwarzen Mäntelchen war derbufctv aber besann sich dennoch nicht lange. Er faßte ihn an die Hand bis Alle den Tempel verlassen hatten; dann ließ er .sich schnell »on Jossel die näheren Umstände - erzählen und hieß ihn endlich, sich still auf einem Stuhle ' in einer Ecke des TeurpelS zu Verhalten. Er wollte erst zufehen, ob man ihn draußen vermisse oder, feine Flucht bemerkt hätte. Mach kurzer Zeit kam er wieder, die Truppen waren Alle einquartirt und, Nienmnd hatte/ auf den fliehenden Bachur geachtet: * * *; r Der Tempeldiener ließ, der Vorsicht wegen, Josse! im Tempel zurück, schloß dessen Thuren; er sollte darin bleiben big zur Zeit' deS AbenddirnsteS. Das französische Heer legte natürlich nicht so viel Gewicht auf einen mitgeschleppten Troßknecht, als der metzer Schamesch vermeinte; es wurde keine Lärmkanone um den Deserteur abgeschvssen! Dieser saß also auf einmal in der großen Synagoge ganz allein in seiner Ecke. „Wie schön sind deine Gezelte, Jakob, deine Wohnungen, Israeli" rief er aus, „wie komme ich durch deine große Gnade in dein Haus!" Seit -seiner Abreise von Halbersiadt chatte er kein Gotteshaus gesehen und nun mar er plötzlich in Lothringen, in einer Gemeinde, welche berühmt war in Israel durch ihre Frömmigkeit, durch die große Zahl bedeutender Talmudgelehrten.. Und welche Schicksale hatten ihn hierher geführt, wohin ihn nimmer der eigene Wille geleitet hätte. Gewiß ist auch dies zum Guten, tröstete er sich mit dem Wahlspruch des Rabbi Akiba. Es war ihm fü'rerst sehr wohlktz und heimisch zu Muthe in den geheiligten Räumen. Mit der größten Seelenfreude ergriff er bald ein Gebetbuch, bald eine Bibel, bald einen'Psalter, die auf 'den Pulten umher lagen, betete und las, bald hüllte er sich in einen Gebetmantel mit wahrem Wonnegefühl ein, , als sei es ein Talisman gegen alle Webber der feindlichen Hetrb. Aber endlich fing ihn doch zu hungern und zu frieren an. ES wurde finster, die Müdigkeit überwältigte ihn, er schlief ein. Ihm träumte, er wäre im elterlichen Hause, der Vater saß auf feinem Schemel und , flickte Schuhe, in feinen Zugen sprach sich ein tiefe- Leiben und- Grämen aus, die Mutter hatte einen Enkel, Schwester Hünnerle'S Kind^ auf dem Schooß und liehkosete es, die alte HodeS kauerte hinter dem Ofen und legte. Kloben ein, er selbst hatte ein großes Talmudbnch.wor -sich und studirte, aber es flimmerte ihm vor den Augen -und die. Buchstaben flössen in einander; da hörten -sie lauteS Rufen vor jder Thür, an'S Fenster wurde geklopft, der Wachtmeister stand mit einer Mepge Soldaten auf^er-Srraße und forderte feinen Kameraden, dann drangen wieder Franzosen ein und zogen ihn beim Arme fort, der Schuster, fluchte, die Mutter betete,. Hodes heulte laut auf und bat um Erbarmen » MichtS half — da erwachte er, Kerzenlicht fiel in seine Augen und blendete, von den Stufen deS Tempels kamen Männer , herab und zogen nach ihren Sitzen, singend;. 4,GMiesm sei ner Herr, mein Hort, der lehret meine Hände zum Streite und meine Fäuste zum Kriege!" Es war das Lied zum Auögang deS SabbatS.. (Fortsetzung folgt.) Anzeitzer. In dimrfttben werden Annoncen aller Art gegen 1'/» Ngr. (1 gGr.) Gellühren für die gespaltene Zeile aus Petitschrift oder deren Raum so wie literarische, merkantile u. Beilagen ausgenommen. - Die Verlagshanblung. C^T Zu Ostern d. I. wird bei hiesiger Gemeinde die Stelle eines Religionslehrers, VorbeterS und Schächters -vakant; dir darauf Reflektirenden wollen sich bald mit frankixten Briefen Melden beim \ Vorstand der ifrael. Gemeinde zu Nrn^ kalden in Mecktenburg-Schwerin. Offene StÄle-/' ' Am 1. Mai d. I. wird die Lehrer-. und Kautorstelle an hiefiger Gemeinde vakant. Darauf Reflektirende wollen ihre Anmelbnngvn und Zeugnisse baldigst - franko einschicken an den Vorsteher I. Speyer Zserloh», 5. März 1852.- Für die hiesige israelitische -Gemeinde ist zu Ostern d. I. die Stelle eines ReligioySlehrers> Predigers und VorbeterS vakant / .und soll zu dieser.Zeit oper spätestens zu- Johannis d. I. wieder besetzt - werden. . ES werden die hiezu. befähigten und auf. diese. Stelle reflektiMden/Herren. bei dem