Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 12 (15.3.1852)
- Date
- 1852-03-15
- Page
- Seite 140 (sequence 8)
- Language
- German
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140 unter diese. Was nun die Babyloüsier betrifft, fa haben sie manche Personen für wirtlicheDämonen gehalten, obgleich sie hebräische, unter den Juden gewöhn-, liche Namen führten, wie Jonathan (derDämon, 3ebam. 122 a; ©itt. 66 a), und Joseph (der Dämon), der mit Rab Joseph und Rab Papa verkehrte (Pesach. L10 a). Andererseits wieder führten Menschen Namen, wie sie sich nur für Dämonen eignen (siehe weiter unten Kap. ,6). Solche Menschen, die durch Leidenschaftlichkeit in gesteigerte Stimmung gekommen, — oder die bösen GEer selbst, die in den Menschen gewaltige Leidenschaften Hervorrufen, hat die oben mitgetheilte PoMta im Auge *), wenn sie sagt: daß die Dämonen drei Eigenschaften besitzen, durch welche sie den Engeln, und drei, durch welche sie den Menschen gleichen; den Engeln dadurch, daß sie, wie diese, Flügel haben, d. h., daß sie sich in eine höhepe Stimmung versetzen, geistig emporschwingen und ganz vergeistigen können, — daß sie ferner von einem Weltende bis zum andern zu fliegen vermögen, daß ihr Wünschen und Begehren schrankenlos ist, — und daß sie drittens hinter dem Vorhänge Zukünftiges vernehmen — gemeint ist, daß ihr hoher Geist die Erscheinungen im Weltlauf zu kombiniren versteht, daß ihr Scharfblich die Entwickelung der Ereignisse oft Voraussicht, daß. sie, gleichsam aus dem Rasseln her Räder des ZeitwaWS Andeutung über das Kommende vernehmen. Doch ist. dies mehr. Ahnung als Wissen, gleichsam als hörten sie nur ein Geflüster hinter dem Vorhang, denn die Wolken der Phantasie trüben ihren Horizont. Aber immer bleiben sie Menschen, mit irdischen Bedürfnissen und. irdischen Schwächen und Gebrechen behaftet. Dieser Erklärung.zufolge hätten wir es in der fraglichen Borajta mit einem Menschen zu thün, der einerseits strebt, sich geistig zu erheben, andererseits aber auch seinen irdischen Neigungen freien Lauf läßt, der also fortwährend zwischen des Himmels Höhe und der Erde Abgrund, hin und her schwanket, bis er endlich, den körperlichen, Gebrechen und den th.ierischen Trieben erliegt und thierisch stirbt. . - (Fortsetzung folgt.)' Verbe sser ungen. No. 9, S. 104, 2te Spalte, Zeile 24 v. o. lies : in Gitt. — Das. Anmerk. 1> Zeile 2 lieg: R. Juda Ha-Naßi. . *) Der weitere Verfolg'dieser Borajta, wo der wirkliche Mensch theils den.Engeln, ttzeilS den Thierenverglichen wird — '218 D22 TnKfiO tT'W n«« Belletristisches. Wer unbekannte Nabbi. Eine Novelle (Fortsetzung.) „Gut, Kamerad," sagte ihm freundlich Jossel, „nun will ich auch fort, aber ich gehe nicht von Dit." Er winkte einigen dabei stehenden Soldaten, die ihm rasch folgten. Nicht weit davon war der Kirchhof des Dorfes. Sie brachen die Thüre eines kleinen Hauses, in welchem die Begräbnißgeräthe sich befanden, auf, und nahmen die Bahre mit weg. Auf sie wurde der Wachtmeister gelegt, Jossel breitete seinen Mantel über ihn und sie trugen ihn durch die Gärten, deren Zäune umgehauen wurden, nach dem Wirthshaus. Jossel eilte voran. In einer entlegenen Kammer des Hauses würde der Wachtmeister untergeöracht; es kostete viel Mühe, ein Bett für denselben herbeizuschaffen; die Wirthsleute hatten alles dergleichen auf die Seite gebracht und Hatten tausend Entschuldigungen. Aber meinem Jossel war jetzt der Kamm gewachsen. Er hatte ja eine Schlacht mitgemacht, er hatte unter Friedrichs Armee, wenn auch nicht gefochten, doch gewirkt und gelitten, er mußte für einen Kameraden sorgen, zum ersten Male gab es für Jossel eine-Brüderschaft außerhalb seines Stammes, deren — er dachte es nicht, aber er fühlte es — mußte er sich würdig zeigen. So sehr die Wirthsleute den Judenbengel verlachten, der gestern armselig und gedrückt hier angekommen war und heute den Herren spielen wollte, so kümmerte ihn diese Verachtung wenig. Er schalt, er kommandirte, er lärmte durchs Haus, er fluchte sogar und droheteüiit Schlägen, wenn ihm nicht sofort daS Nöthige für seinen kranken Kameraden gebracht wurde. Daß ,die Schlacht gewonnen war, -daß -sie glänzend gewonnen war, daß das ganze feindliche Heer in der schmählichsten Retirade begriffen wäre — das war wol schon im ganzen Dorfe und bei den hier lagernden Truppen bekannt und erhöhete dag Selbstgefühl nicht blos der Soldaten, sondern bald auch jedes deutsch Gesinnten. Von dem RuhtzieSkranze, d.er das Haupt des siegreichen Königs umgab, fielen die Strahlen auf jeden Einzelnen seiner Krieger/ und trunken von Vaterjandsgefühl sah der Deutsche — selbst der, welcher gegen Friedrich stand — die welschen Dränger muthlos und '■Di irnairi Dfc6tt2 NBbw — scheint dieser Ansicht! nicht sehr günstig zu sein. An merk des Ueberf.