Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 12 (15.3.1852)
- Date
- 1852-03-15
- Page
- Seite 139 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225768-3225781--12306-3242468- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
189 obgleich sie sich auch im Abot de-Nabbi Na tan findet; denn entweder ist sie erst später da hineingekommen, oder R. Na tan kannte sie, weil er selbst ein Babylonier war i). In Palästina hingegen hatte man ganz andere Begriffe von den. Dämonen. Zn den Sprüchen der Väter 5, 5 heißt es: „Zehn Dinge wurden am sechft e n Schöpfungötage in der Abenddämmerung erschaffen rc. Einige meinen: auch die In einigen Codicibus steht für — Gemeint ist, daß alle diese Dinge, die am sechsten Schöpfungstage in der Abenddämmerung geschaffen wurden, nicht zu den natürlichen Geschöpfen gehören, sondern nur zu gewissen Zeiten eine eigenthümliche Eristenz erhielten. Ueber die Anschauung der palästinensischen Juden von den Dämonen findet man Näheres im Midr. Rabba, Genes. §. 87. Dort wird berichtet1 2), Rabbi habe gelehrt, die Dämonen wären dadurch entstanden, daß Gott am sechsten Schöpfungstage gegen Abend ihre Seele erschaffen hatte und schon im Begriff gewesen, ihren Körper zu erschaffen, als der Sabbat eintrat und jeder weitern Erschaffung ein Ende machte. Dies widerspricht offenbar der oben mitgetheilten babylonischen Borajra, welche den Dämonen auch einen Körper zuschreibt, indem sie dieselben essen und trinken läßt rc. Die verschiedene Anschauung der babylonischen und der palästinensischen Juden hinsichtlich der Dämonen hat sogar auf ihre Interpretation mancher Bibelstellen Einfluß ausgeübt; so übersetzen die Babylonier die Worte mnm fnu) (Kohel. 2, 8.) durch ‘pnY’iöi n-nr)3), während die Palästinen ser es geben durch fitn-m», daS nach Raschi „Frauen- und Herrenwagen" bedeutet. Siehe Aruch, Artikel JTrtf; vgl. auch Rab Hai Gaon's Kommentar zu Tohorot (Kelim 42, 8.), neue Ausgabe, Berlin; siehe dort meine Einleitung. Die Palästinenser waren also nicht der Meinung, daß Salomo sich von Dämonen hat unterhalten la-sftn 4). Siehe indessen weiter unten Kap. 7; denn unsrer Meinung nach scheint der schlichte Wortlaut der fraglichen 1) Gitt. 65 b. 2) Rabbi will nämlich einen schwierigen Bibelvers er^ klären; wir aber übergehen die Frage, da sie für unfern Zweck unwesentlich ist. 3) d. i.: „männliche und weibliche Dämonen"'. 4) Der Verf. versucht hier einen scheinbaren Widerspruch im Targum zu Kohel. und zwar zwischen id. 1, 13. und 2, .8. zu lösen, was wir jedoch, als nicht zur Hauptsache gehörend, übergehen. Anmerkungen des UebersetzerS. Stelle in Kohel. mehr zu Gunsten der Auffassung der Babylonier zu sprechen. Aus mehreren Stellen im babylonischen Talmud geht ferner hervor, daß man geglaubt, Dämonen und böse Geister entstehen zum Theil auch aus den Seelen mancher Hingeschiedenen oder Getödteten. (Siehe weiter unten Kap. 8.) Indessen scheint es, daß die vielfach beregte B orajta, in Chagiga ursprünglich nur als parabolische Dichtung gelten wollte und erst später wörtlich genommen wurde. Freilich thut Letzteres auch Nachmanides in seinem Kommentar zum Pentateuch (Lev. zur Stelle: „und sie sollen nicht mehr opfern den *); allein das ist nur eine Konsequenz seiner Anschauung in Betreff der Mysterien der Schöpfung. Er nimmt nämlich Geschöpfe, an, die nicht wie die Menschen aus den vier, sondern nur aus zwei Elementen, und zwar Feuer und Luft, bestehen, — und deren Tod durch die Trennung dieser Elemente erfolgt. Ihrer Leichtigkeit halber können sie sehr hoch fliegen, gleich den Vögeln, bei denen, die Elemente Feuer und Luft vorwiegen. Dadurch nun, daß sie häufig in deS Himmels Höhe sich befinden, vernehmen sie oft-von den Aufsehern der Planeten 2), was in nahbevorstehender Zeit geschehen werde. — Nachdem wir nun zusammengestellt haben, waS bei unseren Weisen über die Dämonen und Geister sich findet, scheint es uns, daß sie die menschlichen Leidenschaften alsDämonen personifizirt haben, denn die Leidenschaften find es, die denMenschen antreiben, Dinge zu unternehmen, die über die gewöhnliche Menschenkraft hinausreichen. Was wagt und unterfängt sich 3) nicht der Mensch, wenn Leidenschaft ihn erfüllt? sek es Rachgefühl oder Zorn, sei es'Eifersucht oder Liebe? — Aber die Leidenschaft kann auch ein Hebel deS Guten werden, denn in der höher» Stimmung, in welche sie den Menschen versetzt, vermag dieser Ungewöhnliches zu leisten und dadurch einen Geist zu bekunden, ähnlich dem der Engel. Bei alledem aber hört der Mensch doch nicht auf, auch Körper zu sein, und wie bald zieht ihn dieser nicht wieder zur Erde herab, so daß er in die Kategorie gewöhnlicher Menschen zurücksällt, wenn nicht gar noch *) Lev. 17, 7. 2) rnbtEfi ''-mn. 3) Der Urtext hat: “prrn srtuh' — Letzteres ist H ifil von qin-----„Etwas leichtsinnig unternehmen"; Lonk. Deut. 1, 41: mb3>b - Anmerkungen des UebersetzerS.