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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-03-15 · Heft 12 (15.3.1852) · p. Seite 136

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 12 (15.3.1852)
Date
1852-03-15
Page
Seite 136 (sequence 4)
Language
German
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136 zu sein, so zu sein, wie der Beruf und die Stellung des Juden es erheischen! Aber, sehet, dann gehet Ihr auch „zum Tode", und es bleibt Euch für die „verschmähte Erstgeburt" nur ein erbärmliches „Linsengericht", so was aus Staub (fsttlfc?) geworden und zu Staube wird.... Dann wird es geschehen, daß all diese pomphafte Bildung von Jetzt wie Seifenschaum verschwindet gegen den granitnen Bestand von Ehemals; daß all die glänzende Entwickelung im letzten Jahrhundert in weniger Zeit veri blaßt gegen die unverwüstliche Farbenpracht Eurer frühe-! ren Jahrtausende; daß der Jude des Mittelalters mit all seiner Unwissenheit und seiner Verkümmerung und seinem Aberglauben ein ewig denkwürdiges Monument der Geschichte sein wird, wenn längst der geglättete und vielwissende Jude'des neunzehnten Jahrhunderts vergessen ist unter dem Gerolle nichtssagender und nichtsbebeutender, darum schnell verschwundener Erscheinungen. ... Doch nein! unsre Zeit ist zu Höherm berufen. Wir dürfen niemals uns aufgeben. Wir selbst dürfen uns nicht mißachten, und wäre es im heiligsten Eifer. Das Werkzeug Gottes ist zu ehren, selbst wenn es sich minder würdig zeiget. Es ist eine tiefsinnige Sage, daß Gott eS Mosche verargt, weil dieser auf die empörten Israeliten im Zorne geschmäht. Auch darf Eine Zeit nicht auf Kosten der andern erhoben werden. Des Silbers wie der Schlacken giebt es zu aller Zeit, wenn auch des einen oder der anderen vorwiegend.... Hoffen wir vielmehr, daß diese schlimme Zeit in Israel eine nothwendige Begleitung jener UebergangSperivde auS einer alten in eine neue Zeit fei; hoffen wir, daß Israel aus ihr mit desto größerer Kraft, desto bedeutsamer ausgerüstet, desto verjüngter, desto glühender hervorgehen werde; hoffen wir, daß eS, auf der Höhe der menschengeschichtlichen Bildung angelangt, um so tiefer seine Aufgabe begreifen, desto nachhaltiger für deren Lösung wirken wird; hoffen wir, daß eS vor allem Bewußtsein sein — Selbstbewusstsein nicht verlieren wird, und'in diesem von Neuem seinen Gang durch die Zukunft verfolgen wird — hoffen wir, und in dieser Hoffnung lasset uns Alle, jeder Einzelne, für sich thätig sein für „die Erstgeburt Israels", was nur Ernst und Feuer, Wille und Liebe im Vereine vermögen. ... Zeitungsnachrichten. Deutschland. Frankfurt am Main, 3. März. Die Beschlüsse des Senats in der Verfaffungsfrage sind den Mitgliedern der gesetzgebenden Versammlung, als Manuskript gedruckt, zugefchickt worden, und werden die Verhandlungen darüber in der nächsten Sitzung des gesetzgebenden Körpers, den 10. März, beginnen. Für jetzt können wir mittheilen, daß , der Senat die früher zwischen Mitgliedern der Stadt- und Landgemeinden und in der Stadtgemeinde selbst zwischen christlichen Bürgern, Beisassen und israelitischen Bürgern in staatsbürgerlicher Hinsicht bestandenen Rechts- ' Ungleichheiten-für unwiderruflich abgestellt erklärt. Preußen. Berlin, 1. März. Der Klee'sche Antrag, Juden und Dissidenten von den Kammern und den Staatsämtern auszuschließen, ist von der Kommission verworfen worden. Es wird der Kammer empfohlen,' den Antrag in Erwägung der vorgerückten Zeit gegenwärtiger Sessionsperiode und des nahen Endes der Legislatur der dermaligen ersten Kammer abzulehnen und über denselben zur Tagesordnung zu gehen. Bemerkenswerth ist, daß die formulirten Motive denjenigen, welche die Ablehnung eigentlich zu Wege gebracht haben, in keiner Weise entsprechen. Die Majorität hat entschieden auS keinem andern Grunde den Antrag abgelehnt, als weil sie denselben ohne Rück-' ficht auf die Dauer oder Kompetenz der gegenwärtigen Legislatur für unzeitgemäß und ungerechtfertigt hielt. Von der andern Seite wurde das Bedenkliche geltend gemacht,, das in der Zulassung von Juden und Dissidenten zu Staatsämtern und Kammermitgliedschaft liege. Es wurde von einer Seite auch bemerklich gemacht, daß Jrvingianer sich bereits in hohen richterlichen und militärischen Dienststellen befinden, also Mitglieder einer Sekte, deren Verhältniß -zur christlichen Moral nicht minder zweifelhaft sei, als zur Glaubenslehre, doch wurde hierüber hinweggegangen. —. Am 1. Februar e. hielt der Vorschußverein für hilfsbedürftige Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde seine 6te ordentliche Generalversammlung

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