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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-03-15 · Heft 12 (15.3.1852) · p. Seite 135

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 12 (15.3.1852)
Date
1852-03-15
Page
Seite 135 (sequence 3)
Language
German
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185 . was der Verstand nicht leugnet, und das, was der Verstand nicht zu Ende erweiset, durch das übereinstimmende Zeugniß der viertäusendjährigen Geschlechter stützet; das Judenthum allein ist es, in welchem wie in einem Brennpunkt die eingeborenen Ideen deS Menschen und die Ideen der Geschichte Zusammentreffen und mit den Gefühlen deS Herzens und mit den Spekulationen der Vernunft sich vereinigenund daS wollet Ihr der Menschheit entziehen, dieses tiefst geworfene Fundament wollet Ihr ihr verfallen lassen?.. . Am Scheidewege steht die Menschheit, wo Ihr Wegweiser sein könnet, und Ihr wollet es nicht sein, und lieber selbst auf jene Irrwege Euch verlieren? . . . Nur um zu wandeln wie und wo Alle wandeln, nachdem Ihr so lange einen eigenen Pfad gewandelt, wollet Ihr den Preis und alle Errungnisse unerhörter Treue, beispielloser Selbstaufopferung hinwerfen, und um allen Völkern zu gleichen, wollet Ihr den Völkern nicht wohlchun? ... Darum lasset Euch verwarnen. Zwar gelingt cs niemals sich loszumachen von Dem, was zur innersten Natur geworden, was eine lange, lange Geschichte zum Kern, zum Wesen gemacht .. . darum könnet Ihr nicht aufhören Juden zu sein, selbst wenn Ihr es wollet, und so sehr Ihr Euch zu entfernen suchet, bleibet Ihr immer dabei ... darum lassen die Völker selbst es nicht zu, daß Ihr anfhöret Juden zu sein, und wenn jene selbst es eigentlich wünschten ... alles Werk der Vorsehung spottet des ohnmächtigen Widerstrebens des Erdensohnes.... Aber es ist dennoch ein Andres, wenn wir mit vollem Selbstbewußtsein und ganzem Willen und angestrengter Kraft der Aufgabe obliegen, die uns gegeben ist, wenn wir selbst unser Heil, unfern Sieg, unfern Preis darinsetzen — oder wir vcgetiren darin nur fort, schlaff und verlebt und uns selbst zur Last ... e8 ist ein Andres, wenn Ihr das Streben und Vollbringen Einigen, Wenigen, Begeisterten und Begabten, überlasset, selbst aber höchstens durch Euer Dasein mithelfet, eine faule, faulende Masse, auS der sich einige emporgetriebene Gewächse hervorheben ... darum lasset Euch verwarnen. Wie? könnet Ihr glauben, daß, was die Vorsehung vier Jahrtausende gewoben, nun wie Spinnengewebe zerfallen könnte? daß sie Judenthum und Juden als einert breiten, tiefen Strom durch vier Jahrtausende der Menschheit geführt' hätte, nur damit er sich jetzt in den Sand verlaufe? Wol schaffet Gott Räthfel für uns, aber Räthsel, deren Lösung tiefen Sinn und Wahrheit offenbaret, nicht Unsinn, nicht Lüge.... Das Dasein Israels über Alterthum und Mittelalter hinaus kann kein Unsinn, kann keine Lüge sein.... Und darum muß eS erfüllet werden, Ihr moget wollen oder nicht, wohl Euch, wenn Ihr wollet, ganz, unablässig, mit Hingebung wollet!... Wenn Ihr, 'statt mit Liebe die Lehren Eurer Religion mit dem Geist und dem Herzen aufzufassen, und ihnen nachzugehen und nachzuforschen mit Eifer und Verträgen, nur nach Dem haschet und greifet, was Andere lehren, nur Dieses hochhaltet und der Ergründung für würdig erachtet; wenn Ihr statt Euch zu Trägern und Verkündern der religiösen Idee, die Israels ist, zu erheben, in bas Geschrei Derer einstimmet, welche oberflächlich oder ernst diese religiöse Idee für veraltet auögeben, an deren Stelle sie freilich nur den Zweifel und das Nichtwissen und das Schwanken und die Leugnung zu setzen vermögen; wenn Ihr die heiligen Schriften Israels, statt als höchstes Vermächtniß unsrer Vorzeit und als das Buch des Lebens für die ganze Menschheit zu betrachten, sie über die Achseln ansehet, und nur schön findet was auf anderen Gebieten geblühet, nur genießbar und nahrhaft, was auf anderen Fluren gereift; wenn Ihr, statt dag Bewußtsein Eurer viertäusendjährigen Geschichte in Euch zu tragen, und stolz zu sein auf den Kampf um die Idee, den Euere Väter mit einer ganzen Welt gekämpft, und Euch gehoben zu fühlen von dem weltgeschichtlichen Berufe Eurer.Nation, nur verlegen die Nase rümpfet, wenn baS Wort Judenthum und Jude Euch in das Ohr tönt, und Ihr erschrocken zurückiahret, wie ertappte Verbrecher, so Euch Jemand als Jude begrüßet; wenn Ihr, statt die uralten Bande zu ehren und heilig zu halten, welche die Glieder Israels vereinigen, und sie zu pflegen, dieweil sie Euch selbst, zu unzähliger Rettung und zur Freundlichkeit des Lebens dienen, vor Entzücken nicht Maß wisset, wenn nur ein Andersgläubiger Euch eines Grußes oder Händedruckes würdigt — was auch dessen daS Motiv sei — wenn Ihr von allem jüdischen Leben und Kultus, von aller jüdischen Sitte und Geschichte Euch entfernet, und für sie höchstens ein Spott- und Hohnlächeln habet — aber ich möchte wissen, was Ihr dafür an die Stelle fetzet, außer dem schalsten, inhaltlosesten Gesellschaftsleben, statt daß von jenen Barmherzigkeit und Kindesliebe, Enthaltsamkeit und Eheglück, Freundschaft und Nüchternheit, Gottesfurcht und Gottvertrauen gehegt und gepflegt wurden — wenn Ihr, statt daß Ihr ehemals Erwerbsmänner und Gottesgelehrte zugleich wäret, jetzt Nichts und.weiter Nichts als ErwerbSmänner seied — ja, dann könnet Ihr Euch noch lange Juden dünken, ohne es in derThat

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