Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 12 (15.3.1852)
- Date
- 1852-03-15
- Page
- Seite 134 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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134 schwanden und die Menschheit, die Menschen ausgingen — Israel, .daZ zuerst die Liebe und das allgemeine Recht und. die - Versöhnung und den Frieden gefunden — — Israel, dem aus den Schatten der Verwirrung die religiöse Idee leuchtend und wärmend erschien, und das diese Leuchte und Flamme hoch aufrichtete für alle Erdengeschlechter -das ist die Erstgeburt, die Jakob erwarb' und Israel trug, wer will sie ihm rauben? Das ist die Erstgeburt, um die er 'n 332 „der Knecht des Ewigen" ward, auf den der Ewige „seinen Geist gelegt, das Recht den Völkern zu bringen" (Iesch. 42,, 1.), den Er „zum Lichte der Völker gemacht, daß. Sein Heil reiche bis an der Erde Saum" (das. 49, 6.), der aber geben mußte „seinen Rücken den Schlagenden preis, seine Wange den Raufenden, sein Angesicht der Schmähung und dem Anspeien" (das. 50, 6.), „seinen Rücken der Erde-gleich, daß sie darüber gingen, zu einer Straße für den Wanderer" (das. 51, 23.), „daß sein Aussehen entstellt, seine Gestalt nicht menschenähnlich wurde" (das. 52, 14.), „verachtet, von Menschen gemieden, ein Mann der Schmerzen, vertraut mit Gebreste" (vas. 53, 3.) — aber immer der Erstgeborne unter den Völkern, die kamen und gingen!... Und wie? sollt' es nun wahr sein, waS izt gehört wird auf den Straßen und Märkten? Wahrheit in dem Gerüchte, das sie sprechen: Ihr wäret jetzt müde und überdrüssig dieser Erstgeburt, und Ihr sagtet wie Esav sagte: „wir gehen zum Tode, was soll uns da die Erstgeburt?" Um ein rothes Linsengericht würfet Ihr zu Boden Eure Erstgeburt, und gäbet sie hin,.und ginget und verschmähetet sie!! (N333ii nfc* *3*3 "j^l) Wisset Ihr nicht, ,daß, so Ihr. sie verschmähet, Ihr erst recht verschmähet werdet, daß, so Ihr sie verwerfet, Ihr in der That zum Tode gehet und dahinfahret und verschwindet? Denn was da ist, es lebet nur durch sein Leben, und Euer Leben ist die Erstgeburt, die Ihr ererbtet, und mit dieser höret auch Ihr auf zu sein. Denn gehet doch zurück in alle Zeiten, die vorübergegangen: was war doch dieses Israel unter den Völkern? Nichts als der Träger der religiösen Idee! Diese war seine Kunst und seine Wissenschaft, diese sein Vorzug und sein Verdienst, diese sein Wirken und Schaffen; ohne sie bestand es nicht, ohne sie galt es Nichts, nehmet sie von ihm, und. nicht dem geringsten Volksstamme wäre eS gleich an Werth und Inhalt! ... Aber Ihr gehet jetzt hinaus auf die Wege des allgemeinen Lebens, Ihr mischet Euch unter alle Völker der Erde, lebendige Glieder derselben zu werden, Ihr strebet und arbeitet mit ihnen, Ihr leidet und kämpfet, gehet unter und sieget mit ihnen, und so glaubet Ihr, zu sein und zu werden wie sie, und Nichts zu haben denn was sie. . . . O des Jrrthums, könntet Ihr dies AlleS nicht und dennoch bewahren was Ihr darüber habet, die Lehre Eurer Väter und ihre Erstgeburt? und so „ihr Volk auch Euer Volk ist", braucht darum „ihr Gott auch Euer Gott zu sein"? (Ruth 1, 1b.) „Wisset Ihr etwa, ob nicht um dieser Zeit willen Ihr hierher gelanget seid?" (Esther 4, 14.) Daß eS gerade jetzt um so mehr Euer Beruf und Eure Bestimmung ist, inmitten aller Völker 'rr 332 der „Knecht des Ewigen" zu sein, der „nicht schreiet, nicht rufet laut, nicht draußen seine Stimme vernehmen läßt; geknicktes Rohr zerbricht er nicht, glimmenden Docht verlöscht er nicht; der aber mit Wahrheitdas Recht bringt, nicht müde wird, nicht entkräftet, bis daß auf Erden er das Rechtgegründet, und seiner Lehre die Länder harren!" (Iesch. 42, 2—4.) daß jetzt, ausgerüstet mit allem Wissen und Können der Menschen, all ihre Gebiete durchschauend, all ihre Grenzen kennend, und die Furche, die da gezogen, und die Saat, die da gestreuet wird, jetzt erst in Wahrheit bekennen müsset, was die Wahrheit Eurer viertausendjährigen Geschlechter, und zeugen und lehren; daß der armen Menschheit das Wanken und Schwanken genommen, und der Irrthum, der immer weiter sich dehnet, erspart, und der Wahn, der immer tiefer sich wühlet, entfernt, und der Unglaube, der immer dichter sich breitet, zerstört werde! Wie, wisset Ihr denn nicht, ward es Euch nicht verkündet von Alters her:. „Gott, der Ewige„dcr die Himmel geschaffen, sie ausgespannt, der die Erde gebreitet mit ihren Sprossen, der Odem giebt dem Volk auf ihr, und Geist den auf ihr Wandelnden, Er/ der Ewige hat Euch berufen im Heile, Er fasset Eure Hand, Er wahret Euch, Er machet Euch zum Bund der Völker, zum Lichte der Nationen, blinde Augen zu öffnen, aus dem Kerker Gefangene zu führen, aus dem Hause der Haft die im Finstern wohnen!" (Iesch. 42, 5 — 7.) Und Dem wollet Ihr absagen — und warum? um unterzugehen unter den Tausenden, die da kommen um unterzugehen, und aufzugeben Das, was Ihr habet, vor Dem waS Alle haben, ohne Allen zu bieten, was Ihr allein habet? ... Die Menschheit stehet an einem Scheidewege, da, wo blöder Glaube und zersetzende Vernunft auf immer auSeknandergehen — das Iudenthum allein ist es, welches diesen Glauben und diese Vernunft mit einander ausgleichet, welches zum Glauben übergiebt,