Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 11 (8.3.1852)
- Date
- 1852-03-08
- Page
- Seite 127 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225768-3225780--12293-3242454- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1S7 allmälkg erst. Wo kommt nun der Geist lange nach der Geburt auf einmal her? wie-kommt er hinein? Wissen wir aber, daß alle Funktionen des Körpers von der Seele auSgehen, daß eS auch eine unbewußte Seelenregion und Seelenthätigkeit giebt, und daß diese mit der bewußten nur verschiedene Regionen einer und derselben sind, so können wir gar nicht zweifeln , daß die Seele des Menschen nicht nur bei der Geburt desselben schon vorhanden ist, sondern daß der erste Anfangspunkt des Menschen, der erste Werdepunkt desselben sowol die Seele als den Körper einschließt; ja wir werden einsehen, daß schon das Entwickeln des Körpers als Embryo von der Seele, natürlich in deren unbewußtem, im Naturtriebe beruhendem Sein, geleitet werde. Wir haben in der vorigen Vorlesung bemerkt, daß jeder belebte Körper aus einer Urzelle entsteht und zwar dadurch, daß sich diese Urzelle millionen-millionenfach als Zelle setzt, und durch Aneinanderlagern oher Verschmelzen die verschiedenen Systeme des Körpers bildet. Wir erkennen nun, daß wie in dieser Urzelle schon der ganze Körper im Voraus enthalten ist, diese auch schon, und das ist eben ihr Unterschied von einem unbelebten Atom, von der Seele besessen ist, und diese sie eben zum Belebten macht, und zwar von der Seele im ersten Entwickelungspunkt des seelischen Seins. Diese in der Urzelle schon vorhandene Seele bringt nun die Zellenmonas vermittelst ihres Triebes, erstens zum zahllosen Setzen der Zelle, zweitens zum Setzen dieser zahllosen Zellen in bestimmten Arten und Formen, verursacht und leitet also die Entwickelung der Zelle zum organischen Körper. Dieselbe Seele, sich selbst immerfort entwickelnd, bringt und leitet das reifgewordene Kind zum Ausgehen aus dem Mutterschooße in die Außenwelt, bringt und^ leitet auch das geborne Kind zu seiner weitern Ausbildung bis zur völligen Pubertät. Nun haben wir ferner in der vorigen Vorlesuug erfahren., daß der Bestand des belebten Körpers nichts Anderes ist als eine fortwährende Selbstverzehrung und Selbstschöpfung, und dies Alles durch immer wiederholtes Setzen von Zellen statt der verbrauchten; somit erkennen wir, daß, wie die Seele die Ausbildung des Körpers aus der Urzelle bewirkt und geleitet hat, so auch den Bestand'des Körpers, also des Lebens selbst. Geschieht dies Alles von der unbewußten Seelenregion, so tritt doch, sobald die Seele sich zum Bewußtsein entwickelt hat, dieses mitthqtig hinein. So lang. die Seele ganz unbewußt ist, treibt sie den Körper zur Aufnahme der Nahrung auS einem Quell; der Muttermilch. So wie das Bewußtsein erwacht, übernimmt dieses die Annahme, die Auswahl der Nahrungsmittel und das Unbewußte hat eS nur mit der Verarbeklung derselben zu thun, hat jedoch unterdeß die noch nörhigen Organe geschafft, die diese Auswahl möglich machen, die Zähne. Hierdurch wird eS uns nun aber auch verständlicher, wie die Seele selbst sich entwickelt. Wie sie in Urzelle vorhanden ist, wird sie eben Nichts zum Inhalt haben, als den Trieb, die Zelle zum Wiedersetzen ihrer 'selbst zu bringen; indem sie diesen Trieb ausübt, wird sie sich zu dem Triebe entwickeln, die Zellen zu gewissen Formen aneinanderzusetzen; iydem sie diesen ausübt, wird sie sich zu dem Triebe entwickeln, die Zellen in verschiedener Weise zu verschiedenen Systemen aneinanderzulagern oder zu verschmelzen; indem sie diesen auSübt, wird sie sich zu dem Triebe entwickeln, diese Systeme immerfort auSzubtl^- den, in Thätigkeit zu setzen, Zellen zu verbrauchen und neu zu setzen, also den Bestand hervorzubringen; indem sie "diesen Trieb ausübt, wird sie endlich sich selbst zur Wahrnehmung der Außenwelt und von dieser zum Bewußtwetden ihrer selbst entwickeln, dann von diesem Punkte, von diesem ersten Lichtstrahl des Bewußtseins aüS zu immer weiterer Entfaltung und Kräftigung desselben. Indem ich Ihnen, m. H., dies so hingestellt habe, erfordert es jedoch noch einer Beweisführung. Sie liegt im Folgenden. Das Merkwürdigste in der Entwickelung und dem Bestände des Körpers ist, daß auS der Urzelle ein bestimmter, vollständiger Körper wird, daß also daS Setzen der Zellen in solcher Weise dirigirt wird, daß sie diese Formen und diese Zusammensetzung und keine andere annehmen und ausfüllen. Es ist also hierin ein Vorauswissen, was aus der Urzelle hervorgehen- und was aus den Zellen werden soll, enthalten. Hierbei zeigt eS sich nun aber, daß außerdem auch eine Erinnerung früherer Zustände darin enthalten ist. Sie wissen, wie merkwürdig oft der Sohn dem Vater, der Enkel dem Großvater, also das folgende Geschlecht dem vorhergegau^ neu oder einem der vorhergegangenen Geschlechter' ist; eS findet also das Reproduziren eines schon früher Gewesenen statt, eS ist der Trieb vorhanden, Formen aus der Urzelle zu schaffen, die schon einmal so gewesen. Beides aber, Vorauswissen und Erinnern, kann nicht Sache' des Stoffes, sondern kann nur Sacheder Seele fein. Der Stoff folgt nur der auf ihn wirkendem Ursache in unabänderlicher Nothwendigkeit, er sitztdie Zelle, weil-aus ihn so gewirkt wird, daß eine Zelle auS der schon, vorhandenen entstehen muß, etwa wir ein Stück Eisen fchmüzt, fs weit die Wärme auf ihn wirkt, und verhä-rtth soweit