Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 11 (8.3.1852)
- Date
- 1852-03-08
- Page
- Seite 125 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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125 rem Inhalte näher zu charakterisiren-. Beginnen wir mit der bewußten, so haben wir drei ThätkgkekLen derselben hervorzuheben: Denken, Fühlen und Wollen. Denken heißt: die Bewegung deS Geistes, welche die Eigenschaften, hierdurch die Erscheinung, und dann daS Wesen der Dinge ihm zur Anschauung, zum Wiffen bringen. Auf welche Weise dies geschieht, machen wir unS folgendermaßen deutlich: eine Wahrnehmung der Sinne wird vermittelst der Nervenleitung und des Eindrucks auf das Gehirn zur Vorstellung im Geiste. Sämmtliche Vorstellungen sind nun entweder Vorstellungen, von Gegenständen oder von Eigenschaften; jeder Gegenstand ist nun zugleich Individuum (Einzelding) und Glied der verschiedensten Gattungen von Gegenständen, je nach dem Verhältnisse, in welchem wir ihn betrachten. Ein Pferd ist ein Thier, ist aber auch eine Waare, ist auch ein Transportmittel, ist ein Gegenstand des Geschmacks rc. Die fämmtlichen Eigenschaften aber zerfallen in Kategorleen, z. B. Eigenschaften der Größe, der Farbe, des Geschmacks rc. Eine jede Eigenschaft hat also auch ihrerseits eine allgemeine Natur, indem sie niemals einem einzigen Gegenstände zukommt, und eine besondere, indem sie so und so nur diesem Gegenstände zukommt. So wie demnach die Vorstellung eines Gegenstandes in unfern Geist kommt, suchen wir die Eigenschaften auf, die ihm zukommen, und zwar zunächst diejenigen, welche äußerlich wahrnehmbarstnd und seine Erscheinung bilden; dann vergleichen wir ihn nach den verschiedenen Gattungen von Gegenständen, denen er angehört, und setzen an ihm die Eigenschaften, die ihn aus den uns schon bekannten Eigenschaften dieser Gattung zukommen. Durch die Verbindung aller dieser einzel erkanntest Eigenschaften mit der Vorstellung des Gegenstandes erschaffen wir uns nun die Idee des Letztem als Einheit, vergleichen alsdann diese mit anderen unS bekannt gewordenen Einheiten, und begreifen so daS Wesen des Gegenstandes. Ebenso bei den Eigenschaften. Wir erlangen die Vorstellung einer Eigenschaft, suchen diese Eigenschaft an allen den Gegenständen auf, die dieselbe unserm Wiffen nach besitzen, vergleichen, worin alle diese übereinstimmen , und gelangen so zum Begriff des Wesens dieser Eigenschaft. Dies ist das Denken und sein Resultat: Erkennen. ES versteht sich von selbst, daß wir nicht immer den ganzen Weg bis zum Erkennen zurücklegest, sondern bei den einzelnen Gegenständen auf den verschiedenen Stufen des Denkens stehen bleiben. - Fühlen aber ist die unmittelbare Bewegung der Seele, welche aus dem Verhalten eines Dinges zu uns entspringt. So wie daS leibliche Fühlen aus der unmittelbaren Wirkung eines Dinges auf die Nerven unsrer Leibesoberfläche hervorgeht, so daS geistige aus der Wirkung auf unfern Geist. Das leibliche Fühlen ist nach der Beschaffenheit unsrer Oberfläche verschieden, und die Wirkung hängt demnach von dem Verhalten deS Gegenstandes zu dieser Beschaffenheit db. Ebenso hängt daS geistige Fühlen von der Stimmung der Seele ab und dem Verhalten deS Gegenstandes zu diesem. Dieses Verhalten der Dinge zu uns ist aber entweder, daß es mit uns sich in Übereinstimmung, oder im Gegensatz befindet, also anziehend oder abstoßend auf unS wirkt; hiernach scheiden sich alle Gefühle, Liebe und Haß, Freude und Trauer rc. Wollen endlich ist die Bewegung der Seele, sich Etwas anzueignen, was ihm noch nicht eigen ist, um die Wirkung dessen genießen zu können. Ich will gehen, entweder um daS Ziel mir anzuekgnen, oder um mir.Bewegung zu machen, also die Wirkung der'Bewegung mir anzuekgnen; ich will trinken, um die Wirkung deS Trinkens, sei es zur Löschung des Durstes, sei eS zur Befriedigung des Geschmacks, mir anzueignen. ES würde uns nun zu weit führen, wollten wir diese drei verschiedenen Thätigkciten der bewußten Seelenregion in ihren Unterschattirungen verfolgen; wol aber müssen wir unS schon hier deutlich machen, daß diese verschiedenen Thätigkciten der Seele nicht etwa auf verschiedenen Theilen der Seele, auf verschiedenen Gliedern oder Organen der Seele beruhen , sondern daß die Seele eine .Einheit, ohne Theile, ohne Glieder, ein Dasselbiges ist, sie mag denken , fühlen oder wollen, sie mag sich erinnern, vorstellen, urtheilen, schließen und produziren, sie mag Liebe oder Haß, Freude oder Trauer fühlen, sie mag sanft oder heftig wollen, wünschen, begehren oder leidenschaftlich verlangen. Darum sahen wir ja, daß Denken, Fühlen und Wollen immer nur eine Bewegung deS Geistes ist, entweder des Geistes auf den Gegenstand, um seine Erscheinung und sein Wesen sich zum Wissen zu bringen (Denken), oder die der. Gegenständ in unS durch sein Verhalten zu unS unmittelbar hervorbringt (Fühlen), oder um unS die Wirkung eines Gegenstandes anzueignen (Wollen). Darum ist. im Denken und Fühlen stets auch der Wille thätig/ denn ohne denken zu wollen können rvir nicht denken, und selbst im Gefühle ist daS Fühlen wollen, das Zuwenden oder Abwenden der Seele, entscheidend für den Grad des Gefühls. Ebenso bringt jedes Denken ein Gefühl, und jedes Gefühl ein Denken