Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 11 (8.3.1852)
- Date
- 1852-03-08
- Page
- Seite 124 (sequence 4)
- Language
- German
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124 fession, die trotz ihres Charakters als Ausländer doch allen für die russischen Juden bestehenden Ausnahmsgesetzensich unterwerfen müssen. Auf diese Weise ist ihnen gesetzlich -der: Besuch der russischen wichtigsten Jahrmärkte zu Summy, Charkow und Niznej-Nowgorod ebenso wie der fortwährende Aufenthalt in den russischen-Hauptstädten verboten. Schon im Vormärz hatten sich -viele österreichische Israeliten nach Petersburg gewendet und mit Beilage vieler Zeugnisse, die als Belege ihrer auf mehrere Millionen sich erstreckenden,Geschäfte in russischen Produkten, Rauchwaaren und österreichischen Sensen dienten, um die Erwirkung der Bewilligung gebeten, die russischen Jahrmärkte besuchen und in den russischen Hauptstädten, besonders in Moskau, sich aufhalten zu dürfen. Unbedingt haben He) diese/ Bewilligung bis zur Stunde nicht - erlangt > und erhalten nur eine auf eine bestimmte Zeit, lautende AufentbaltSkarte, wobei sie versteht sichin Moökau auf das aus einem einzigen Hause bestehende Judenghettö beschränkt sind. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Drei Vorlesungen über die Gesetzlichkeit in der Natur, im menschlichen Geiste und in der Geschichte. Zwette Vorlesung. Die Gesetzlichkeit im menschlichen Geiste. (Schluß.) Um dieses Gebiet aber vollständig zu überschauen, müssen wir unfern Blick noch auf eine andere Erscheinung lenken. Sehen wir ein menschliches Kind in den ersten Wochen, nachdem eS das Licht der Welt erblickt hat, so können wir an ihm nur sehr spärlich Aeußerungen deS in ihm seienden Geistes gewahren. Aber kurze Zeit, und das Auge wird lebhafter, so daß unS daS Licht deS. in ihm erwachenden. Geistes schon entgegenstrahlt, und die Bewegungen der Arme bekommen eine bestimmtere Richtung. Bald gewahren wir auch, daß daS Kind für verschiedene Empfindungen verschiedenen Ausdruck z. B. in seinem Weinen wählt; endlich lernt eS die Gegenstände um sich unterscheiden—Rousseau sagt, der größte Schritt deS Menschen in seinem ganzen Leben sei der, wo er seine Mutter oder Amme von allen' anderen Menschen: zu unterscheiden vermag — aber sicher ein noch größerer Schritt ist es, wenn er, eine geraume Zeit später, zum ersten Male zum Bewußtsein.seines 3chS gelangt, wenn durch eine, allerdings unerklärliche Herauslösung das.Bewußtsein aus dem Unbewußten heraustritt, so daß er sich als ein von allen anderen Dingen verschiedenes, für sich bestehendes Wesen weiß, und von da ab AlleS im Lichte seines Bewußtseins, d. h. in dem Verhältniß zu seinem Ich anfchaut. Von diesem ersten Erwachen seines Bewußtseins an beginnt aber eine fortwährende Entfaltung desselben, so daß einerseits dieses Bewußtsein immer stärker, kräftiger, durchdringender wird , andrerseits .immer mehr Gegenstände durch sich hindurchgehen läßt und für seinen Gebrauch im Unbewußten aufspeichert, drittens aber hierdurch eine besondere Richtung einschlägt, eine individuelle Färbung annimmt, zur Person,, zum Charakter wird, das Höchste, waS der Mensch erreichen kann. Ueberblicken wir von hier ans, waS wir auS unseren Betrachtungen bis hierher gewonnen haben, so stellen sich unS folgende Gesetze für unfern Geist dar: 1) daS Leben unsrer Seele beginnt mit dem Unbewußten, und erst längere Zeit nach unsrer Geburt löst sich auS diesem daS Bewußtsein heraus; 2) dieses Bewußtsein ist von seinem ersten, wunderbaren Erwachen an in einer beständigen Entfaltung begriffen; 3) mit diesem Erwachen des Bewußtseins ist aber nicht etwa daS Unbewußte geschwunden, sondern eS eristiren und find thätig fortwährend neben einander eine Region deS Unbewußten und eine Region des Bewußten in unsrer Seele; 4) alle Vorstellungen treten auS dem Unbewußten unter das Licht deS Bewußtseins, und gehen von diesem in daS Unbewußte zurück, von dem sie bei Veranlassung wieder zeitlich in daS Bewußtsein kommen; 5) alle Thätigkeiten deS Körpers gehen von der Seele auS, einige von der unbewußten Region allein (mit Ausnahme krankhafter Zustände), andere von dieser zumeist, andere gänzlich von der bewußten Seelenregion; 6) endlich ermüdet daS Bewußtsein und was von ihm abhangt von Zeit zu Zeit, so daß es gänzlich in daS Unbewußte zurückkehrt, im Schlafe, aus dem eS dann mit erfrischter Kraft wieder zu sich zurückkehrt, wohingegen: ein Ermüden des absolut. Unbewußten nicht zu bemerken ist. Zunächst, m. H., ist eS nun unsre Aufgabe, unS die beiden Seelenregionen in ihrer Verschiedenheit und in ih-