Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 11 (8.3.1852)
- Date
- 1852-03-08
- Page
- Seite 123 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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123 Aus der Provinz Posen, 13. Februar. (Privatmitth.) Der am Anfänge deS Jahres 1827 zu Liffa gegründete „Verein zur Bekleidung israelitischer Armenschüler" hat am 7. und 8. d. M. sein 25jährigeS Jubiläum gefeiert. Am 7., welcher auf einen Sabbat fiel, wurde in der großen Synagoge ein sehr angemessener Dankgottesdienst abgehalten und hierbei durch Herrn Lehrer Liegmann die Festrede gesprochen. Die Theilnahme deS Publikums an dieser Feier war sehr bedeutend. Am 8. Abends hat im Hotel zur „Stadt Dresden" ein solennes Zweckeffen stattgesunden, bei welcher Gelegenheit auch so manche Rede gehalten und —waö natürlich noch viel besser war — eine sehr erfolgreiche Geldsammlung zum Besten deS genannten Vereins vorgenommen wurde. In Posen ist das Andenken des sel. Oberrabbiners Salomon Eger am 30sten Tage nach dessen Beerdigung durch einen TrauergotteSdienst in der Synagoge sehr würdig gefeiert worden. : Ist eS nicht der Frost — denn wir haben dieses Jahr Gottlob keinen strengen Winter — so ist eS die Theuerung der Lebensmittel, wodurch viele Gemeinden unsrer Provinz in diesem, wie im vorigen Monat zu Kollekten für die Armen veranlaßt worden. Sogar in dem zu den allerunbemittelsten Gemeinden des GroßherzogthumS gehörenden Wittkowo ist durch den daflgen Verweser des RabbinatS eine Geldsammlung veranstaltet und deren Ertrag alsdann durch den Vorstand Mr Unterstützung Hilfsbedürftiger verwendet worden. — Der WohlthätigkeitSsinn ist noch die hellste Lichtseite an unseren Gemeinden. Großbritainen. London, 27. Februar. (Privatmitth.) Es mag nicht unbemerkt vorübergehen, daß in dem neuen torystischen Ministerium ein Mann fitzt, der Sohn eines getauften Juden, also aus unserm Stamme, sich auch dadurch auszeichnet, daß er stch seinen Ursprung stets zur Ehre anrechnete. D'JSraelL, der Sohn deS bekannten Herausgebers der Luriosiües ok literature, 46 Jahre alt, vertrat nach einander Maidstone und ShrewSbury, und feit. 1847 Wie Grafschaft Buckingham, und ist eines der bedeutendsten Häupter der Partei , die man gewöhnlich ,-Jung - England" nennt. .Ausgezeichnet hat er sich durch Romane, welche theils: jüdische Gegenstände behandelten, wie das höchst merkwürdige Alroy *) , theils in welchen er auf die Verhältnisse der Juden Rücksicht nahm?). Erst jüngst erschien von ihm ein Werk, Betttittck, in welchem er ein Kapitel den Juden widmete, ' das uns aber noch nicht zu Gesicht gekommen. Im Unterhause stimmte d'JSraeli stets für die Aufnahme der Juden in'S Parlament; allein feine Genoffen im Ministerium sprechen nicht dafür, daß Letzteres wiese Aufnahme befürworten werde, und da dessen Haupt- Lord Derby, sich gegen jede Reformbill ausgesprochen hat, und hiermit auch Ruffel's eben eingebrachte zurückgezogen ist, so ist für jetzt keine Aussicht vorhanden. Rußland. Bo« der ruffifchbukowinaer Grenze- 9. Februar. (Korrefpbl. a. Böhmy Da die freundnachbarlichen Verhältnisse der österreichischen und rüssischm Regierung außer Zweifel find - glauben -wir gegen Niemanden anzustoßen, wenn wir einen: Gegenstand zur Sprache bringen, der bis jetzt noch wenig öffentlich besprochen worden und doch für die Bürger beider Staaten von der größten Wichtigkeit ist. Es ist dies der in Folge in Rußland bestehender äußerst beschränkender Vorschriften gestörte' Verkehr österreichischer und russischer Staatsbürger und der auS?selben dem gegenseitigen Handel entspringenden Nachtheile. Man legt im ganzen österreichischen Staate dem Verkehre russischer Kaufleute-nicht die geringsten Hindernisse in den Weg, sie besuchen ungestört alle Handelsplätze, Messen und Jahrmärkte und betreiben ihre Geschäfte gar oft, besonders wo keine Marktordnungen bestehen, ohne die Vermittlung gesetzlicher Sensalen.' In Rußland ist aber'ein ganz anderer Gebrauch vorherrschend. Die österreichischen Kaufleute müssen dort ihre Ein- und Verkäufe nicht durch die Vermittelung eines Sensalen, sondern geradezu unter einer fremden Firma besorgen- und eS fehlt dabei nicht an Plackereien und Unannehmlichkeiten aller Art. Besonders traurig ist in dieser Beziehung wie Lage der. österreichischen Kaufleute israelitischer' Kon- Eine ausführliche Kritik und Anzeige gaben wir S. ,133. 19Ü.des zweiten Bandes ÜnferS Pred.- und SchülmagazinS- - Redä'kt: ' •*)' - Auszüge' aus denselben, wie Tancred, EönigSbh, gaben wir in dieser Ztg. 1849 No. 22. 23." 26. ' - Redukt^ -