Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 10 (1.3.1852)
- Date
- 1852-03-01
- Page
- Seite 118 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Mensch an Vorstellungen haben soll, muß einmal in sein Mwüßtsein-Mretdn'feines muß ihnt Mindestens^ erümal - bewußt gewesen ftin ist dann in'S Unbewußte hinübergegangen und ruht da, bis es einmal wieder durch das Bewußtsein hindurchgeht. Es ist ungeheuer, was der rüenschli'che -Geist für eine zahllose MLffe - von' Vorstellungen so unbewußt in sich trägt, schon der ganz gewöhnliche/ wiewiel mehr der gebildete, kenntnißreiche, entwickelte Geist. ' Wir erkennen demnach hieraus, daß der. menschliche Geist nicht söwol einen Zustand des Bewußtseins und Unbewußtscins hat, wie Wachen und Schlafen, sondern vielmehr eine Negion des Bewüßten un d Un- Lewußten, die zü gl e ich im Geiste sind, so daß Schel- Ung sehr -bezeichnend sagenkonnte: der menschliche Geist -gleiche einem großen, im Schatten fließenden Strome, auf den nur immer an" Einer Stelle die goldenen Strahlen der Sonne fallen; alle seine Wellen müssen unter dieser lichten Stelle (d. i. des Bewußtseins) hindurch, und flUthen dann wieder schnell in daS Dunkel (deS Unbewußtseins) zurück, aus dem sie eben hervorgegangen; mur daß wir hinzüfügen müssen, daß hier dieselben Wasser immer noch einmal unter diesem Sonnenschein hindurchsiießen können. Erwägen wir dies nun noch weiter, so bemerken wir ferner, daß dieses Unbewußte aber nicht blos neb en dem Bewußten eristirt, sondern neben ihm und mit ihm zugleich thätig ist. Als Sie z. B. schreiben lernten, so brachten Sie vor Ihr Bewußtsein, wie man die einzelnen Laute durch Schriftzeichen ausdrückt; so lange Sie noch ungeübt waren, mußten Sie für jeden Laut erst das Zeichen denken und dann Hinmalen; jetzt aber, nachdem Sie eine ungeheure Fertigkeit erlangt haben, denken Sie beim Schreiben eben nur den Gedanken, und wie Sie ihn in Worte fassen wollen, an die Schriftzeichen, die Buchstaben, denken Sie gar nicht mehr, und unbewußt bewegen sich Ihre Finger mit der Feder, niederzuschreiben, was eben in Ihrem Bewußtsein lebt. Es ist dies bei anderen künstlicheren Fertigkeiten noch erstaunender der Fall; der geübte Klavierspieler spielt tausend Noten unbewußt ab, ohne sie zu denken, ein einziger Blick reicht hin, die Finger unbewußt die Tasten und in mannigfaltigster Stellung mit verschiedenstem Ausdruck berühren zu lassen. Der Bildhauer setzt den Meißel an und schlägt mit dem Hammer darauf, ohne daß etwas Anderes als die Form, die er geben will, ,"n seinem Bewußtsein lebt. Wir erkennen daraus, daß daS Unbewußte ebenso seine Thätigkeit hat, wie daS Bewußte. Aber dies ist nicht etwa j blos' bei mühselig erlangten Fertigkeiten > z.sondern auch in allen natürlichen Verrichtungen der Fall. Wer da spricht, bekleidet die Rede mehr-oder weniger mit Gesten, mit Bewegungen der Hand, des Arms, des Kopfes, ja ches ganzen'Körpers, von denen zumeist nicht'das geringste Bewußtsein in ihm ist, die nur das Unbewußte hervorbringt und die vorübergehen, ohne daß sie je bewußt wurden. 3a/'Mch' imei&r; 'wettn" wir gehen, so lebt höchstens der Wille zu gehen im Bewußtsein, aber daß wir gehen, daß wir die Füße wechselnd heben und senken, daß diese nach einer bestimmten Richtung schreiten, daß sie etwaige Hindernisse. um- oder überschreiten, daß zu allen diesen Bewegungen die nöthigen Muskeln zu« sammengezogen und gestreckt werden, geschieht beiWeireyr zumeist nur durch das. Unbewußte; erst wenn, besondere Ziele zu erreichen, sehr schwierige Hindernisse-zu überwinden sind, beschäftigt sich das Bewußtsein mit, ihnen» Ja, m. H., fahren wir in unseren Beobachtungen immer weiter fort , so drängt eS sich unS auf, daß. alle Funktionen unftrS Körpers theilS solche sind , die dem Bewußtsein angehören , theils solche , die ihm ganz und gar entzogen sind» Z.. B. die Funktion der Verdauung, der Chymi- und Chylifikation u. s. w., die Funktion des BlutumlaufS,. find unserm Bewußtsein und Willen ganz und gar entzogen, wir wissen von ihnen nur durch Beobachtungen an Anderen, und unser Körper und sein Leben verhält sich dabei für unS nicht andersals wenn-wir die Bahn eines Sternes, die Beschaffenheit einer Pflanze oder eines Krystalls beobachten; sie gehen vor, sich, ohne daß unser Bewußtsein darauf influirt, und' wir können nicht hindern, daß-sie vor sich gehen. Diejenigen Funktionen aber, welche unserm Bewußtsein unterthan find, gehen doch zumeist unbewußt, ohne die Mithilfe deS Bewußtseins vor sich; wir können die Athmung eine Zeit lang einhälten, wir können nach unserm Willen, schnell und tief, langsam und oberflächlich athmen, aber wir athmen fast immer unbewußt. , Endlich. giebt es aber Thätigkeiten, die allein.vom Bewußtsein ausgehen, wie das Sprechen. Jndeß müssen wir hier dennoch noch eine Beobachtung einstreuen, nämlich die, daß demungeachtet eine Möglichkeit auch für die dem Bewußtsein ganz entzogenen Funktionen des Körpers vorhanden ist, zum Bewußtsein zu kommen, nämlich, im abnormen, kranken Zustande. So wie der Schmerz immer schon ein an-ämmerndeS Bewußtwerden deS lokalen leidenden Theiles unsers Körpers ist, so giebt eS auch Krankheiten, in denen selbsi-die Funktionen der innersten Orgasie und SysteNe OchuD werden,