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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-03-01 · Heft 10 (1.3.1852) · p. Seite 115

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 10 (1.3.1852)
Date
1852-03-01
Page
Seite 115 (sequence 7)
Language
German
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115 nüge, welchen großen Werth auch dieser, der größte Talmudist seiner Zeit, den Leistungen seines SohneS beilegte. Nicht in der angegebenen Richtung allein suchte E. sich schon damals für den wichtigen Beruf, den ihm das Schicksal für spätere Zeit Vorbehalten hatte, vorzubereiten, sondern auch, seinen musterhaften Vater sich stets zum Vorbilde haltend, war er bestrebt, die Tugend, die erste Zierde eines Seelenhirten, nach allen ihren Richtungen zu üben. Sein allbekannter Wohlthätigkeitssinn, seine warme Theitnahme an den warschauer jüdischen Gemeinde- und Schulangelegenheiten, die ihm manche Verbesserung verdanken, haben ihm ein dauerndes Denkmal in den Herzen aller seiner dortigen Mitbürger gegründet, Die ihm Seitens der Behörden und seiner Mitbürger gewordene ehrende Anerkennung seiner Verdienste um das warschauer jüdische Gemeinde- und Schulwesen, sprach sich ebenso in den noch in seinem Nachlasse vorhandenen, ihm von den höchsten Behörden ertheilten, schriftlichen belobenden Anerkenntnissen, als in seiner Berufung zu den wichtigsten Gemeindeämtern und zur Vertretung der Gemeindeintereffen bei den hohen Landesbehörden aus. Ihm wurde sogar einigemal die Ehre zwTheil, als Repräsentant seiner jüdischen Mitbürger bei Ihren kaiserl. Maj., des tzllerhöchstseligen Kaisers Alerander und des jetzt regieren- . den Kaisers Nikolaus Maj., zu Audienzen zugelassen zu werden. So lebte er in den glänzendsten und glücklichsten häuslichen Verhältnissen bis zum Jahre 1830 feiner Familie, seinen Freunden und seinen mit Liebe und Eifer gepflegten Studien; durch die in diesem Jahre in Warschau ausgebrochene Revolution aber, wie durch spätere fehkgeschlagene Geschäftunternehmungen fast seines ganzen Vermögens verlustig, trat er gänzlich aus dem Kaufmannsstande zurück und ging 1835 nach Kalisch, wohin er als Rabbiner berufen wurde. Das weite Feld der Wirksamkeit, welches sich ihm mit seinem neuen Berufe in Kalisch eröffnete, wußte er bald zu beherrschen, und außer mehreren anderen gemeinnützigen Einrichtungen, verdanken seinem segensreichen Wirken daselbst das jüdische Krankenhaus, dessen Statuten, ein Werk Eigers, dieser Anstalt eine lange Dauer sichern, und zwei Elementarschulen ihr Entstehen. Die dankbare Erinnerung der Kalischer an ihren ehemaligen Seelsorger gab M durch die innige Liebe und Hochachtung kund, deren sich E. bis zu seinem Lebensende von dorther zu exfreuen hatte und ebenso in der großen Sensation, welche die Nachricht von seinem Heimgange dort erxegl hat. Nachdem im Jahre 1838 erfolgten Tode seines Vaters wurde E. zur Besetzung her erledigten Rabbinerstelle hierher berufen. Mittlerweile hatte sich eine Opposition mehrerer Gemeindeglieder gegen die Wahl eines Rabbiners aus der ältern Richtung erhoben, und obgleich die Annahme des posener Rabbineramtes für E. ein Akt her Pietät gegen seinen verstorbenen Vater war, der durch ihn im Amte ersetzt zu werden dringend wünschte, so zögerte er doch aus humanen Rücksichten mit seinem Entschlüsse, bis er durch eine Kabinetsordre Sr. allerhöchstseligen Maj. des Königs Friedrich Wilhelm III., allerhöchstwelchem die Rabbinerwahlangelegenheit in höchster und letzter Instanz zur Entscheidung unterbreitet wurde, mit dem Titel Oberrabbiner in der auf ihn gefallenen Wahl bestätigt wurde. In seinem Wirkungskreise hegte ex die schönsten Hoffnungen, ein weites Feld für gemeinnützige Tdätigkeit finden zu können. Sein stets reger und schaffender Geist erfaßte nicht nur einen pon der königt. Regierung gutgeheißenen Plan zur Verbesserung der Synagoge und zur Hebung deS jüdischen Schulwesens, der jedoch an den eigenthümlichen Verhältnissen der Gemeinde scheiterte; sondern auch aus wärmster Liebe zu seinen Glaubensgenossen verfolgte erunaufhörlich den erhabenen Gedanken, das LooS der ärmeren Juden hiesiger Provinz zu verbessern. In einer bei Sr. Maj. unserm jetzt regierenden Könige Friedrich Wilhelm IV. gehabten Audienz wurde der von ihm längst überdachte Kolonisationsplän beifällig ausgenommen und der königl. Regierung durch das hohe Ministerium aufgetragen, die weiteren Vorschläge des unter E.s Vorsitz gebildeten Komitö's zur Realrstrung dieses Projektes entgegenzunehmen. Leider traten die politischen Verhältnisse des Jahres 184tz diesem großartigen Unternehmen, welches, ryäxe es zur Ausführung gekommen, für die Juden hiesiger Provinz von unberechenbaren, heilsamen Folgen hätte sein können, hindernd in den Weg. So in seinen.glänzenden Hoffnungen getäuscht, in seinen humanen Bestrebungen durch Zufälligkeiten behindert, mußte sich E.s Thätigkeit auf das Gebiet des Talmuds und her jüdischen Theologie beschränken. Die Muße von seinen Amtsohljegenheiten, die er steks mit strenger Pünktlichkeit erfüllte,

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