Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 10 (1.3.1852)
- Date
- 1852-03-01
- Page
- Seite 112 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Heller Kopf und in politischer Gesinnung bis an seinen Tod voller Enthusiasmus für die Revolution von 1789, die er in seiner Jugend und auf französischem Boden erlebt hatte, dort unter den ersten Juden war, denen die tausendjährigen Ketten vom Arme fielen. Er genoß allgemeine Achtung bis an seinen Tod bei Schülern und Meinungsgen.offen sowol als Meitiungsgegnern, und sein Abgang erzeugt eine aus noch lange Zeit bemerkbare Lücke. 5 Zum Chasan wurde gewählt Herr Hermann LewandowSki aus Wreschen und zum Waisenvater an unserm Waiseninstitut Herr S. Gotthold bisher Direktor der jüdischen Schule zu Friedrichstadt in Schleswig. Diese Gemeinde ist seit dem Bombardement noch immer zersprengt: den jüdischen Familien, die sich seitdem in Husum aufhielten, ist nunmehr der Aufenthalt gekündigt, und es soll sich überhaupt in den Herzogthümern nach dem vollendeten Kriege die alte Gehässigkeit gegen Juden — die dort jetzt ohnehin die alleinigen Prügelknaben des altsassischen Racengefühls sind — wieder spüren lassen. DaS, Schulhauö in Friedrichstadt ist zwar stehen geblieben, allein eS wird durch koree msjeure fortwährend als Lazareth benutzt. Es werden im Laufe deS Sommers drei AuSwandererschiffe von hier nach New-Aork gehen, mit ganz koscher eingerichteter Küche; jedes Schiff nimmt einen jüdischen Aufseher und eine jüdische Köchin, Beide von unserm Herrn Oberrabbiner in besondere Verpflichtung genommen, mit an Bord, damit Alles nach der strengsten Observanz zugehen kann. Die Unternehmer rechnen auf komplete Besetzung, welche auch reichlich erfolgen dürste, wenn nur die Juden aus den sarmatischen Ländern leichter auSwandern könnten. Wir erfahren viel Erfreuliches von dem als klassischen. Philologen bereits berühmten Herrn vr. Jakob BernayS, einem Sohne des verstorbenen ChachamS. Derselbe, als Privatdozent in Bonn habilitirt, hat von den Universitäten Utrecht sowol als Oxford weitere Aufträge und Beihilfen zur Herausgabe des Lukrez erhalten. Merkwürdig ist es, daß ein junger Mann, der kein Glas Wasser trinkt ohne ein Lobgebet dabei zu sprechen, seine Jugendjahre gerade an den Lukrez setzt. Freilich wird er dadurch am Besten in den Stand gebracht, nach der rabbinischen Regel „zu wissen, was dem Epikuräer zu exwidern sei". Die meisten Theologen freilich wissen gegen Andersgesinnte bloS — zu schimpfen. Frankfurt am Main, 12. Februar. Die orthodore Partei unserer hiesigen Israeliten hat dieser Tage einen Bauplatz in der Nähe deS WollgrabenS angekauft, um daselbst eine neue Synagoge für die Abhaltung ihres Gottesdienstes zu erbauen. München, 9. Februar. (Fr. I.) Unsere und die augsburger ultramontane Presse unterstützt die offene Wühlerei, welche von 480 augsburger Klein-- bürgern gegen die Aufnahme eines jüdischen GroßhandlungshauseS getrieben wird. Gleichwol ist so viel als gewiß, daß die betreffenden Juden auf Grund deS Gesetzes sowol beim augsburger Magistrat, als jedenfalls bei den höheren Administrativftellen durchdringen. Wiesbaden, 5. Februar. Von dem Herzogs. Kreisamte dahier ist unterm 31. v. M. an die Bürgermeister des Kreisamtsbezirks folgendes Schreiben erlassen worden: „Es ist dahier zur Anzeige gekommen, daß Juden die Feier der Sonn- und Festtage dadurch stören, daß sie, angeblich zur Erhebung ihrer Ausstände, aus den Ortschaften, den Mühlen und Höfen umhergehen und dabei Handelsgeschäfte abschließen. Sie werden sofort sowol das Abschließen von Handelsgeschäften, als auch das Einkassiren von Geldern an den Sonn- und Feiertagen in Ihren Gemeinden, *unter Androhung einer Strafe von 3 fl. untersagen, für gehörige Verkündigung und Vollziehung dieses StrafverboteS Sorge tragen, sowieüber- Haupt im Allgemeinen möglichst darauf Bedacht nehmen, daß Alles unterbleibe, wodurch die häusliche Andacht, der kirchliche Gottesdienst und'die Sonn- und Festtagsfeier Störungen erleiden könnte." Ritzebüttel, ,19. Februar. (Privatmitth.) Die kleine jüossche Gemeinde zu Dorum im Hannoverschen bekam von einem in Mos kan wohnenden Israeliten ein Legat, daS jährlich 200 Thaler Zinsen abwirst, mit der Bestimmung, dafür einen Lehrer und Vorbeter anzustellen, damit Gottesdienst abgehalten und Religionsunterricht ertheilt werde. AuS dem Mecklenburgischen, 22. Februar. (Privatmitth.) Herr Dr. Julius Caspar