Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 9 (23.2.1852)
- Date
- 1852-02-23
- Page
- Seite 106 (sequence 10)
- Language
- German
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Mantelsäcken u. dgl. beladen, standen, bespannte Equipagen, Handpferde und all der unzählige Train, der in jener Zeit jedxm preußischen Rßgimente folgte. Ein Grenadier, der mitgeschickt worden'wa?, übergab die neuen Kameraden einem Offizier, welcher die Oberaufsicht über diese Gegenstände führte Joffel wurde neben einen BagMwagen gestellt, Hey er begleiten und nie verlassen dürfte, den Setzer dagegen, per vor Schreck kaum die, ' ohnehin geschwollenen, Füße regen konnte, schob man in einen Hühnerwagssn, denn auch an Wagen mit Hühnern und sonstigem Geflügel Or die Herren Offiziere fehlte eS nicht und sie bildeten gewöhnlich den Schluß des ganzen Zuges. Der Ketzer, sah sich in dieser neuen Gesellschaft trübselig um. „Was soll daraus werden?^ seufzte er, .und indem er auf einen geflochtenen Korb mit Tauben seinen Klick warf, st-mmelte ex für sich hin daS Prophetenwort: „Wer giebt mir Fluges wie die Taube, daß ich davon fliege?" . , Hluf KoffelS regen Geist wirkte hingegen die Frische M: OprgeflS belebend und begeisternd. Er war, froh, heyr dumpfen Zimmer entrückt und wieder in GotteS NatyL Wh Lu GotteS Hand zu fein, denn diese liebevolle Hayh glaubte er Hier unter den Tausenden »on funkeln« dD Sternen wärmer zu fühlen. „Du wirst ein Narr sein," sagteer zu sich, „und dich ängstigen. Was kann dir denn geschehen? Heute Abend ist Alles vorbei, selbst tzoeqn sie mich todtschießen. ^Freilich ist es heimlicher, daheim zu sitzen in der Werkstatt beim Vater und ihm dft Kirke Hbot tzorzulefen, wenn die liebe Mutter am Kqbbat den Minchabarches 1 auf daS weiße Tischtuch legt zrtM dritten Sabbatsegen. Freilich ist eS selbst gemüth- Wer im Schir deS' braunschweiger Raf's und in der Halberstädter Klaus, wenn ich auch oft eingeschlaftn bin bei dem.Gesumm deS Rebi'S, — aber was hindert mich« hier auch vergnügt zu sein , da ich doch gesund hin und der'Mantel sehr warm hält." Jetzo wurden die Wagen geordnet, Marsch! ertönte und man fuhr den schon gänzlich abmarschirten Truppen nach. Was wirh'S denn nun geben? philosophirte Joffes auf HM Wege für sich hin^ 'Die werden schießen und die wetzen schießen. Da lpird den armen Menschenkindern, die sich unter einander nie waS zu Leide gethan, in hie Kruste in den Leib und in den Kopf gexathen HaS schwere Klei Md sie' werden hmfinken und sich wälzen in ihrem Bhute^ das. die Erde aufnimmt und schreiet zu Eiott. Aber M Frühjahr zieht der LandmaW mit dem Pfluge über dieselbe Delle, M seich Bruder gefallen, und die junge Sagt sprosset fröhlich aus und hier steht eS aus, als wenn .nie Etwas vorgefailen pqre, auf den Bäumchen sitzen die Pöglein und-' zwitschern und fingen, kein GrabeSunh kein TstpeSsied^ aber ein AfuferstehungSlieh," Dah mar nun Alles recht schon und war Hrav yon dem Joffel, daß er sich mit der Vergänglichkeit MeS Jrhischen tröstete unh doch wieder zuletzt auf die Auferstehung kam — auch schien die Sache ggr nicht so gefährlich zu sein. Man zog in ein festes Lager, welches keine Wegestunde vom Orte war, Die Sonne ging auf und Joffel sah das Lager vor sich, -in welchem auch der König war. EineStadt von Zelten war hieraufgeschlagen, in denen die Krieger lagerten und froher Dinge waren. Niemand konnte es sich erklären, diese äußere Muhe, der König in seinem Zelte speisend und doch hörte mqn die lustige Feldmustk der in nicht gar weiter Ferne aufmarschirenden Franzosen, deren unabsehbare Menge HaS Häuflein der Preußen zu umgehen und zu erdrücken droheten. Joffel stand Lei seinenz Bagagewagen am Ende heS KagerS, der Setzer eine Strecke davyn, er war beschäftigt, daS Geflügel den herantretrnheu Leuten zu verabreichen. Es schien den ganzen Vormittag mehr ein Lustlager als Kriegslager zu fein, wenn^nicht der Frost und der nahe Feind an die wirkliche Bestimmung gemahnt hätten. ES schlug zwei Uhr in dem nahen Dorfe Roßbach. Da ging leise das Kommando durch daS Lager, die Zelte abzubrechen, und in einem Augenblick war daS ganze verschwunden und jeder Soldat stand an seinem Platz. Der Train mußte mit den aufgenommenen Zelten noch weiter hinter rücken und kam wieder bis dicht an Bedra heran. In der Nähe wurde das fliegende Lazareth errichtet und die Chirurgen standen mit Karren und Kasten bereit, auf die ersten Verwundeten harrend. Bald mußte Joffel merken, daß die Philosophie, mit der er sich Muth einsprach, zwar gut, sehr gut sei, aber daß doch dem Augenblick die Herrschaft über'S Gemüth des Erdensohnes gehört. 9. Bei Roßbach. Bei Roßback, bei Roßbach, Da ist es geschehen. Da'haben die Preußen Franzosen gesehen. (Soldatenlied.) MorgenrythMorgenroth! Leuchtet mrr zum frühen Tod. Bald wird die Trompete blasen. Dann muß ich mein Leben lassen. Ich und mancher Kamerad. (Volkslied.) Als ladete bei völlig hekterm Himmel eine Donnerwolke ihren ganzen Inhalt aus auf die Fluren, also er-