Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 9 (23.2.1852)
- Date
- 1852-02-23
- Page
- Seite 105 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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103 Ausspruch Jkrmka'S: „Verflucht sei, wer daS Werk Gottes läsfig betreibt ic." *) (Batra 21 s). Aber Tos. selbst nehmen Dichtung für Wahrheit, denn wie wäre es denkbar, daß Jo ab, der nach der zitirten Talmudstelle nicht einmal in der Tora richtig lesen konnte, eine ganze Stelle auS dem weit später abgefaßten Buche Zirm, im Voraus gewußt hätte? — Noch unbegreiflicher müßte dies aber in Bezug auf Asmodai, einen Dämon, erscheinen. In der That nehmen bereits unsere Weisen Anstoß daran, daß Chag. 16 a von den Dämonen gesagt wird, daß fle gleich den Engeln Zukünftiges wissen. UnsereWeisen suchen diese Behauptung darum dahin zu modifiziren, „daß die Dämonen vom Zukünftigen nur daS wissen, waS fle hinter dem Vorhangs erfahren." Gemeint ist, daß fle oft vernehmen, waS über manchen Menschen für die nächste, nicht aber für die ferne Zukunft verhängt wird, z. B., ob Jemand bald sterben werde und AehnlicheS. In diesem Sinne erklärt Nachmanides die fraglichen Worte unserer^ Weisen in seinem Kommentar zum Pentateuch ('"in« 'd). Auch wird sich aus dem Verfolg dieser Abhandlung ergeben, daß der Sage zu Folge, ASmodai wol manches Nahbevorstehende, nicht aber das gewußt habe, was erst nach Jahrhunderten geschehen sollte. Jene Bibelverse, die ihm in den Mund gelegt werden, können daher nicht als von ihm auch der Form nach, sondern nur ihrer Innern Wahrheit nach gekannt betrachtet werden. Z. B. er hat gewußt, daß Wollust, Wein und Most den Verstand rauben und gefürchtet,' durch fle seine Gewandheit einzubüßen. Diese Besorgniß läßt ihn nun die Sage dichterisch mit den Worten Hofea's (ib.) auSfprechen. Dasselbe ist auch bei Jo ab (siehe oben) der Fall. Auf gleiche Weise verhält es sich mit vielen an-, deren Dingen in der Sage vom ASmodai; fle enthält theils Ideen in geschichtlichem Gewände dargestellt, thrilS Erzählungen von — nach der Meinung der Erzähler — wirklichen Begebenheiten; mit einem Wort, die Sage vom Asmodai trägt ganz das Gepräge orientalischer Sagen. , (Fortsetzung folgt.) *) Zirm. 48, 10. Anmerk. d. Uebers. 2) Gleichsam im Korridor des Himmels. Anmerk. d. Uebers. »elletrifiifches. Der unbekannte Nabbi. ' Eine Novelle. (Fortsetzung.) Mit dieser Kapitulation war man zufrieden. ES war fast Mitternacht und ein Theil der Soldaten zog fich zurück, nur die im Wirthshause im Quartier lagen, blieben und es wurde für fle Stroh zum Lager auSgebreitet. Der Wachtmeister nahm Joffel an feine Seite, der arme Setzer kauerte hinter dem Ofen. Daß Jossels Äugen der Schlaf mied, läßt sich leicht denken. Früh noch fröhlicherwandernder Schüler mit der Aussicht aüf Frankfurt, am Abend Trainsoldat im Heere des Königs von Preußen. Aber man ließ Keinem hier viel Zeit, Betrachtungen über die Wandelbarkeit des Schicksals anzustellen, wo das Schicksal selbst trieb und in jeder Minute Thaten vollführte. Noch war eS Nacht, ein kalter Nordostwind schnitt scharf durch die Luft, die ganze Gegend war von Reif überzogen, — in dem stark geheizten Zimmer schnarchten die durch die Mühen deS Marsches, den frühen Novemberfrost, die'Aufregung am Abend müde gewordenen Krieger, als plötzlich die Signalhörner ertönten, der Generalmarsch durchs Dorf wirbelte und Lärmen und Rufen auf der Straße gehört wurde. Die Soldaten sprangen auf, im Nu hatten sie Gewehr, Tornister und Kopfbedeckung ergriffen und zurechtgesetzt und waren bereit, hinauSzueilen. „WaS mag loS sein?" fragte der Wachtmeister einen Kürassier, der seinen Palafch von der Wand hob. „Die ganze Gegend soll von Franzosen wimmeln," war die Antwort. „Hast Du schon schießen hören?" „Nein, das nimmt mich eben Wunder." — Bei dem Worte „Schießen" war der Schriftsetzer einer Ohnmacht nahe. „Vetter, waS soll ich anfangen?" fragte er Joffel, der ruhig einen alten Mantel umhing, den ihm der Wachtmeister reichte. „Bleibt bei mir, Vetter!" rieth ihm Jofsel ruhig. Auch das gefiel dem geängstigten Manne nicht. „Ihr kommt mit, Dummbart," kommandirte der Wachtmeister dem Setzer. „Wir setzen Euch in den Hühner- 'wagen, da geschieht Euch kein Leides und seid Ihr sicherer, als wenn Ihr jetzt Euch auf den Weg begebet." Jetzt ging's auf die Straße hinaus, wo schon Truppen gesammelt und in Ordnung ständen, andere äbzogen. Wohin? wußten nur die Kommandeure. Joffel mit seinem Gefährten wurde an die Kirche gebracht, wo eine Menge Wagen mit Proviant; Offiziersbagage, Tornistern, 9*