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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-02-23 · Heft 9 (23.2.1852) · p. Seite 107

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 9 (23.2.1852)
Date
1852-02-23
Page
Seite 107 (sequence 11)
Language
German
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m tönte jetzt mit Einem Male daS grobe Geschütz uyd schleuderte die verderbenbringenden .Geschosse weit umher. Dep Erdboden dröhnte, die erschütterte Luft brausete, dann eine nur augenblickliche .Stille, die aber. bald daö laute Getöse deS Schlachtgewühls unterbrach. Die Schlacht hatte begonnen. Es ist bekannt, wie Friedrich an diesenz Tage durch eins jener bewunderungswürdigen Manöver den Feind getäuscht und durch die Schnelligkeit der AuS-' führung überrascht hatte. Während dieser schon daS preußische Lager umgangen zu haben glaubte und die Ruhe in demselben nicht begriff, eröffneten wie auf einen Wink die preußischen Kanonen ihr ernsteS Spiel und warfen Tod und Verderben in die Reihen der bestürzten und schnell wankenden Franzosen und ReichStruppen, welche zuerst, von panischem Schrecken gejagt, die Flucht ergriffen. Doch ich habe es hier nicht vor und würde eS auch nicht verstehen, die Einzelheiten dieses weltberühmten Kampfes zu beschreiben, ich kehre zu meinem Bachur zurück. Als er, erzogen in der stillen Schuster- und Schulstube, die Welt und ihre Händel nur aus alten Büchern kennend, als er hier das Auge auf daS blutige Gemälde warf, .als er den Donnex deS groben Geschützes, das Knacken des KlekngewehrfeuerS, daS Schmettern der Trompeten, das Wirbefn der Trommeln, das verwirrte Geschrei auS der nicht weiten Ferne vernahm, als er den. Knäuel vor sich immer dichter und dichter werden sah und, wenn der Wind die Dampfwolken auf Augenblicke zerstreute, hier Roß und Heiter stürzend, dort ganze Reihen mit gefälltem- Gewehre vorschreitend, unter ihnen im vollen Laufe Einzelne plötzlich wankend und zusanimensinkend und mit ihrem Blute die Erde färbend r-. da vergaß er wol die Bedingungen seiner gestrigen Kapitulation, seine Glieder zitterten, die Hände wankten, aber er führte die Rechte an daS pochende Herz, als wollte er es noch weiter hinein jn die sturmbewegte Brust pressen. „Sei stark und fest" rief er sich still und mit bebenden Lippen zu, um sich mit dieser biblischen Aufforderung Gottes an den ersten Feldherrn seiner Nation aufzurichten und seinen wankenden Muth zu erfrischen. Und daS half ihm auch wirklich, denn er fing an, sich aller Schlachten zu erinnern, von denen er in den heiligen Büchern gelesen, von der Schlacht mit Amalek bis auf die Erstürmung von Joppe durch die Römer, und. bald fing er an zu resteklixen-' auf daS Schlachtgewühl aufmerksam zu horchen und sich zu fragen: „Ist das die Stimme des Siegers oder die Stimme des Ünterliegers.?" Aber auch alle diese zum Thetl doch künstlich aus dem Ichachte seines Wissens hervorgehol/en BeruhigungSmittel würden seine Seele nicht vor der Uebermücht der immer neu sich darbietenden Eindrücke gerettet haben,, wenn es nicht endlich und bald Die Thätigkeit und daS Mit wirken gethanhätten ,zu denen ihn die Umstände apftorderren und zwangen, ~rr. ES währte nicht lange, so brachte man den in si cher Nähe stalionirren Chirurgen die ersten Aerwundeten vom Schlachtfelve. Als Joffel diese Noch, sah /als er die Quelle deö Lebens auS- Hunderten Minden hervorriesely und den lLrdboden röchen sah, wie „der sich aufthat dM Blut der erschlagenen Menschenbt über zu trinken," als er sah, wie bald die Ohnmacht ihre Sinne umnebelte, bald der Tod sie auf immer dem Erdepgetümmel entrückte, als um ihn und neben ihm die schleunigst abgenommenen Glieder lagen und zuckten, da schwindelte eS ihm freilich vor den Augen und es war ihm, als fä.ufelte vM. fern eine Stimme: „Ist denn wirklich besser solch Tag deS TodeS, als der der Geburt?" — aber er faßte sich schnell und erstaunt sahen die Aerzte den Judenburfchen unter sich, überall hilfreiche Hand leistend, unerschrocken.auspaffend und mit den Augen jedem Winke folgend. Jetzt kam das Schlachtenlärmen näher, Kugeln flogen über seinem Haupte, eine Kartätsche ßel krachend auf daS Dach des nächsten HauseS und der Schornstein polterte herunter, aber Joffel achtete nicht darauf, er hörte Nichts, er sah nur auf die Verwundeten.,, er hielt seine Hand bald auf die eine, bald auf die andere klaffende Wunde, um mit ihr oder mit Werg und anderen Dingen die Ströme deS Blutes zurückzuhalten, die Bläffe seines Gesichtes war einer hohen Röthb, die Kälte, .in seinen Gliedern einer durchdringenden, belebenden Wärme gewichen, die Ermattung einer nie gefühlten Stärke. Eifrig folgte er den Chirurgenequipagen, als die Ordre kam, hinter daS Dorf zu . treten, da mehrere Batterieen durch dasselbe zogen, um sich am jenseitigen Ende aufzustellen,* er verließ seinen Hühnerwagen und den. darauf liegenden Schriftsetzer. Als sie an der bestimmten Melle Posto gefaßt hatten, brachte man einen verwundeten Reiter unh legte ihn auf ein Strohbündel pieder. Der Mann hatte eine Schußwunde in die Bruft erhalten, deren Blutung schon gestillt war. Er lag aber ohnmächtig und ein Chirurg prüfte soeben, ob noch Leben vorhanden wäre. ZoffesS Blick traf ihn, er erkannte ihn, es wqr^'-^-..tzer Hächtchei^p, der ihn am gestrigen. Abend zum Soldaten gemacht hatte. Mit einem Schrei des Entsetzens warf sich Joffel neben ihm nieder, hielt seine Hand auf daS Herz deS bläffen Mannes und behauptete das Klopfen desselben gegen die fSBsaä

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