Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 8 (16.2.1852)
- Date
- 1852-02-16
- Page
- Seite 93 (sequence 9)
- Language
- German
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Lügen und schwärzesten Verleumdungen, unter denen besonders jene Handlung als eine gottlose Berufsvernachläsfigüng hervorgehoben wurde, vorgelesen. Auf diese Anklagen hin antwortete Dr. L. ganz ruhig und kalt: „Meine Herren, gegen solche Anklagen mich zu vertheidigen halte ich unter meiner Würde, und nachdem Sie eine solche Schrift zu einer'Anklage gegen wich gebrauchen konntenist es mit meiner Ehre nicht mehr verträglich, fernerhin Ihr Geistlicher zu sein; ich lege somit mein Amt ihre Hände zurück." Hiermit hörte vr. L. auf, eine öffentliche besoldete Stelle zu bekleiden. vr. L., der nun einmal den Beruf in sich fühlte, für Juden und Judenthum zu wirken, wandte nun alle seine Kräfte-der Jugenderziehung zu, und gründete eine jüdische Knabenpensionsanstalt — Hebrew Boarding School. Kaum war diese ein halbes Jahr gegründet, als sie schon so gewachsen war, daß er sich genöthigt sah, ein großes, dem Endzwecke angemessenes Gebäude anzukaufen, welches er hinwiederum im letzten Frühjahre — da seine Schule an Ruf und Schülerzahl tagtäglich zunähm — durch ein eigens dazu erbautes Schulhaus, mit Turnboden rc. erweitern müßte. Und heute nach etwa zweijährigem Bestände zählt die Anstalt 70 Pensionäre ans allen Gegenden und Städten der Bereinigten Staaten, von Philadelphia, Baltimore, St. Louis, New-Orleans u. s. w., Beweis genug, daß die Schule einen begründeten Ruf hat. Die Anstalt ist nach Art der deutschen Gymnasien eingerichtet und beschäftigt außer Vr. L. selbst, der den Religion-- und hebräischen Unterricht leitet, 2 Lehrer für den englischen Unterricht, einen für französische und einen für spanische Sprache, und 2 Lehrer für den deutschen Unterricht und die mathematischen Wissenschaften. Auf besonderes Verlangen werden auch die klassischen Sprachen, so wie Musik und Zeichenkunst unterrichtet. Die öffentlichen Prüfungen haben gezeigt., waS die Schule schon geleistet hat und stets leistet, und sie ist jetzt mit Gottes Hilfe eine festbegründete höhere Lehranstalt. Einige Zeit nachdem vr. L. restgnirt hatte, war der Tempel der Gemeinde Ansche Chesed, der herrlichste jüdische Tempel, den die Neuzeit hat, seiner Vollendung nahe, und die Gemeinde ging damit um, da das herrliche Haus des göttlichen Wortes von der Kanzel herab nicht entbehren sollte, wieder einen Prediger anzustellen. Und wieder richteten die Beffergesinnten ihre Blicke auf vr^ L. und bestürmten ihn, bei der im April 1850 stattzufindenden Wahl sich um die Stelle zu bewerben, was derselbe-abschlug, da es sein -fester Entschluß wäre, nie mehr ein bezahltes Amt anzunehmen. Der Tempel wurde eingeweiht und vr. L. hielt neben vr. Schlesinger die Einweihungsrede. Aber der herrliche Tempel blieb leer; denn — Gerechtigkeit fordert selbst von den Feinden des vr. L. dies Geständniß —- mjr die Synagoge ist voll, wo vr. L. predigt. Und obgleich er damals, wie jetzt, von seiner Anstalt vollauf in Anspruch genommen war, so unterließ er es doch nicht, unentgeltlich Gottes Wort zu verkünden, und predigte fort und fort in vstschiedenen deutschen Synagogen, insbesondere in der seiner frühery Gemeinde Schaare-Schomajim. Und oft wurde ihm die Rabbinerstelle angeboten/ aber immer schlug er sie aus, erwidernd, er wolle ihnen dienen, so viel es seine Zeit und seine Kräfte erlauben, aber er wolle kein bezahltes Amt mehr annehmen. Da erhielt er folgende Zuschrift: „Die Direktion der Gemeinde Schaare-Schomajim beeilt sich daher zu folgender Mittheilung: Rev. vr. Lilicnthal! Zufolge Direktorialbeschlusses vom 30. März, unb. einstimmiger Sanktionirung der Gemeinde am 20. April wollen Sie die Erwählung als Ehrenrabbine dieser Gemeinde genehmigen. Hochachtungsvoll zeichnen, New-Uork Mai 1. 1851. Gez. M: Danziger, Sekr. (L. S.) I. Strauß, Präs." Eine solche Ernennung nahm vr. Lilienthal natürlich an, — Dies war seine zweite Genugthuung. Jndeß fühlte die Gemeinde Ansche-Chesed, daß der Geist fehlte, der ihren herrlichen Tempel füllen sollte, und so wandte sie sich wieder an den vr. Lilienthal, die Stelle als Rabbiner an ihrer Gemeinde anzunehmen. Auch ihnen ward die gleiche Antwort, und auch ihnen predigte er von Zeit zu Zeit und ging ihnen mit Rath und Thal an die Hand. Und der Tempel füllte sich wieder. Und auch seine Feinde wandten sich wieder zu ihm und die ganze Gemeinde wollte nicht zürückbleiben mit ihrem Danke und— ihrer Genugthuung; auch sie wollte ihm zeigen, daß sie, anerkennend seine Verdienste, früheres Unrecht gut zu machen bereit wäre. In der Gemeindeversammlung vom 12. Oktober d. I. — zweiten Tag Sukkot — „wobei", wie sich der offizielle Bericht im „Asmonean" ausdrückt, „die größte Anzahl von Gemeindegliedern — nahe an 300 — die je einer Versammlung der Gemeinde beiwohnte, gegenwärtig war," wurde vr^L. einstimmig zum Ehrenrabbinen der Gemeinde gewählte. Nachdem so Dr. L. von zweien seiner früheren Gemeinden wieder mit allen Ehren und Würden in sein früheres Amt eingesetzt worden war, kam auch die dritte 8*