Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 8 (16.2.1852)
- Date
- 1852-02-16
- Page
- Seite 94 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225768-3225777--12257-3242415- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
94 wieder — Rodef-Scholom — und ernannte ihn zum Superintendenten ihrer Schule. Und so wirkt denn Dr. fi. wieder, segensreich für Juden und Judenthum, geliebt und geachtet von Allen; nie herrschte ein solcher Friede als jetzt, und nie waren die Gemeinden so einig. Und das Wirken des Dr. fi. ist um so mehr hochzuschätzen, als er beinahe über menschliche Kräfte in Anspruch genommen und angestrengt ist. Sein eignes Institut, zwei Gemeindeschulen, Predigen an beinahe allen tTrött und an allen Feiertagen, Trauungen u. s. w. nehmen, ihn gleich in Anspruch. Jndeß er arbeitet unermüdet und unverdrossen, und gebe Gott, daß der Friede noch länger, ja für immer erhalten bleibe. M. Belletristisches. Der unbekannte Nabbi. Eine Novelle. (Fortsetzung.) Jetzt stellte er sich mitten in die Stube und fuhr fort: „Seht da, tapfere Landsleut', lauter tapfere Landsleut'! Da stehen Kürassiere und find stolz auf ihre Brustschilde, die da glänzen wie die Schilde der alten Helden und Hohenpriester und auf ihre Helme mit den Roßschweifen, und auf das schwere Schwert in ihrer Hand, daS da fällt wie Schwert des Herrn und Gideon! und wenn fie herankommen in der Schlacht ist es als wenn die Richter kommen, die Alles entscheiden, unter ihrer Rosse Hufen zittert'die Erde! Und da find wieder Husaren, wie des Windes Hauch fliegen sie dahin und zersprengen und verfolgen den fliehenden Feind. Und' in jenem Winkel: Grenadiere, die find stolz auf ihre Heldenthaten, wenn fie stehen, Alle, wie in einem Bund und empfangen mit kaltem Blut des FeindeS Geschoß und schleudern den Tod in die fernen Reihen, daß der Feind da liegt, wie die Eichen, gefällt vom Sturmwind. Es find Riesen, wie die Sohne Anaks, und doch ein Riese wird nicht errettet durch seine große Kraft, Psalm zum. drei und dreißigsten! Da, an der Schenke, stehen die Jäger, die freuen sich ihres Kleides, das gleich ist an Farbe den.Bäumen deS Waldes, unter denen sie stehen und erlauschen den Feind, dessen Anschläge Gott zu Nichten macht, Hiob zum fünften, da er alle Hilfe thut, so auf Erden geschieht, Psalm zum vier und siebenzigsten. Und ihr Alle, tapfere Krieger, habt Euere besonderen Waffen und Röcke und Nummern und Aufschläge und Achselklappen. Aber Ihr dienet Alle Einem König, der Euch kommandirt und gebrauchet und weiß, wo er Euch hmstellt am Tage der Entscheidung,- also daß Jeder gehört zum Dienste des Königs, dem er Treue geschworen und halten muß. Und so ist es mit uns Allenden Menschenkindern. Der ist Jude und der Christ und der Türk, und unter Euch griechische und römische Katholiken, Lutherische, Reformirte, Zwinglianer u. s. w., und Jeder thut sich auf seine Waffe und sein Kleid viel zu gut und er meint, er sei der beste, da er doch Söldner ist des höchsten Gottes und zu der großen Armee der Welt gehört, die der große Feldmarschall da oben kommandirt." Ein neues „Bravo!" erscholl von allen Seiten. Der alte Wachtmeister nahm ein Glas Branntwein und' reichte es Joffel. „Trink, Landsmann!" sagte er ihm gutmüthig. „Ich kann nicht trinken/' meinte Joffel, „aber singen kann ich: ' . Und wenn der große Friedrich kommt Und klopft nur auf die Hosen, So läuft die ganze Reichsarmee, Panduren und Franzosen. ES lebe Friedrich der Große!" Lauter, überlauter Jubel ertönte von allen Seiten. Eine trunkene Fröhlichkeit bemeisterte sich äller Anwesenden, per Krieger, Bauern und Knechte. Selbst der Schriftsetzer kroch aus seinem Winkel vor, bewunderte seinen Verwandten utld ließ sich mit einem alten Unteroffizier in ein Gespräch „über den Muth" ein.- Da trat ein Grenadier auf Joffel zu: „Du hast, Kerlchen, unfern großen König leben lassen und zeigst Kourage, mehr wie ein Jude sonst pfleget, drum schlag ein, Du wirst unser Kamerad, Du bleibst bei uns?" „Er bleibt bei uns ertönte es von allen Seiten." Aber wohin ihn stecken? fragte ein Dragoner." „Zur Bagage! Zur Bagage!" riefen Viele. „Bei den Pulverwagen!" „Zur Ofstziersbagage!" „Jn's fliegende Lazareth!" wurde hier und da gerufen. „Fort lassen wir Dich nicht wieder, Kerlchen," sagte der Wachtmeister, ,<Du kannst schönen Sermon halten und bist ein drolliger Kauz. Ich denke, Du bleibst bei der Bagage, da giebts nur selten Gefahr. Zum eigentlichen Soldaten können wir Dich doch nicht machen, denn der Hauptmann wird sich hüten, einen Juden anzuneh-