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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-02-16 · Heft 8 (16.2.1852) · p. Seite 91

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 8 (16.2.1852)
Date
1852-02-16
Page
Seite 91 (sequence 7)
Language
German
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91 Mhandlun^en verschiedenen Inhalts. Jüdische Briefe. DaS jüdische Lehrerseminar zu Münster hat in seinem jüngst ausgestellten Programm durch die größere Berücksichtigung des jüdischen Lehrfaches die Ansprüche an die Aspiranten erheblich vergrößert. ES würde unnöthig sein, wenn ich die Vortheile dieser Maßregel überhaupt für die Lehrer, und besonders für die Gemeinden beleuchten wollte: eine Bildungsanstalt für jüdische Lehrer darf — ihrem Zwecke gemäß —^ dessen, waS sie eigentlich von anderen ähnlichen Anstalten im Staate unterscheiden soll, nicht entbehren. Aber auf eine andere wohlthätige Folge, die diese Maßregel Haben wird, möchte ich Hinweisen. Durch die' umfassenderen Vorkenntnisse, die der Aspirant nunmehr nach dem neuen Plane in's Seminar bringen soll, ist er angewiesen, mit! seiner wissenschaftlichen Vorbereitung für die Aufnahme vieb ernstlicher zu Werke zu gehen/ er muß nun manches Jahr vorher schon an seiner Ausbildung arbeiten, was bisher wol nicht geschah und darum häufig sehr schlechte Früchte brachte. Es ist schon oft vorgekommen, daß ein Knabe nach zurückgelegten Schuljahren eine Karriere, sei eS Handwerk oder Handel, anfing, und als er sah, dass es damit nicht den gewünschten Fortgang nehmen, oder weil angestrengter Fleiß ihm nicht behagen wollte, plötzlich dann den Entschluß faßte, Lehrer zu werden. Er war in der Schule vielleicht ein guter Schüler gewesen, was er darin gelernt ist noch nicht ganz vergessen, darum schnell in's Seminar, die Aufnahme hat ja keine Schmierigkeiten. Was das gewöhnlich für Lehrer werden, kann man denken. Abgesehen davon, daß Unbeständigkeit des Charakters schon an sich tadelnswerth ist, so betrachten solche Lehrer ihren Stand lediglich als eine vorläufige Erwerbsquelle!, aus welcher sie, einige Jahre karg lebend, so viel schöpfen als nöthig ist, Um ein anderes Gewerbe anzufangen, oder ihres Berufes müde, gehen sie über'S Meer, sich eine neue Heimath und neues Glück suchend. ■*? Die waren nie die rechten Lehrer, die, um den Unannehmlichkeiten ihres Standes zu entgehenden Stand selber flohen. Und handeln sie Nicht zugleich unrecht, sehr unrecht gegen die Anstalt, welche, bessere Zwecke im Auge habend, sie auSbildete? : - . Darum wäre es zu wünschen gewesen, wenn das Lehrerseminar zu Münster neben die schon bekannten Bedingungssätze. für die Aufnahme auch noch d en -gestellt hätte, daß jeder Aspirant auch' nachzuweisen habe, wie er seit seinem Austritt auS der Schule bis zur Aufnahme in die Anstalt seine Jahre verlebt, und' Jeden dann zurückzuwcisen, der schon einmal ein Fach ergriffen hatte, das mit dem eines Lehrers in absolutem Widerspruch steht. Bonn, 4. Januar 1852. Eduard Wolfsberg. Korrespondenz. New-Pork, den 12. November 1851. , Auf Ihren in der 38ten Nummer Ihres geehrten Blattes, welches mir gestern zu Gesichte ckam, geäußerten Wunsch, eine übersichtliche Darstellung der jüdischen Gemeinden und Schulen Nordamerika's zu erhalten, erlaube ich mir, Ihnen mitzutheilen, daß ich schon vor längerer Zeit, in Folge eigener Betrachtungen, einen solchen Aufsatz zur Veröffentlichung in der A. Z. d. J^ angefangen habe. Obgleich dieser Aufsatz erst später zur Veröffentlichung kommen sollte, so veranlaßt mich dennoch jener Wunsch, denselben zu vollenden, und soll er Ihnen innerhalb. 14 Tagen zugesandt werden. Für heute nehmen Sie gütigst folgende Mittheilung als eine Abschlagszahlung an. . . Wie Sie sich wol noch erinnern werden, kam im November des Jahres 1845 der Rev. vr. Lilienthal dahier an/ nicht um sich um eine Rabbknerstelle zu bewerben, sondern, um irgend einen seinen Talenten, Kenntnissen und Erfahrungen angemessenen Beruf zu wählen. Aber kaum war derselbe, dem ein großer Ruf vorausgegäNgen war, dahier angelangt, als er von vier Gemeinden ~ darunter eine englische — eingeladen wurde, in ihren resp. Synagogen zu predigen. Mnen Monat darauf war er von den damals wie jetzt noch drei größten deutsch.n Gemeinden Ansche-Chesed, Schaare - Schomajkm und Rodef-Scholom — zum Oberrabbiner erwählt. Wenn es schon eines Mannes von hohem Muthe und unerschütterlicher, eiserner Ausdauer bedarf, daS Amt eines Rabbinet. bei einer Gemeinde anzunehmenz wenn eS, ich möchte sagen, ein tollkühnes Unterfangen'war, damals/ bei den immerwährenden Reibereien und Anfeindungen von Ge-

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