Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 8 (16.2.1852)
- Date
- 1852-02-16
- Page
- Seite 89 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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89 vr. Joel, Rabbiner in Schwersenz, bekannt durch seine Arbeit über den Sohar, gewählt haben. Wir könnten der Beispiele noch viele anführen, und rufen nur aus tief bewegtem Herzen: wann und wie wird es besser werden? A. B. Orsterreichischer Kaiserstaat. Wien, 30. Januar. Eine Deputation der Prager israelitischen Gemeinde trug gestern in einer Privataudienz Sr. Majestät mehrere Anliegen betreffs der Anschlußfrage vor. Se. Maj. gab der Deputation einen dieselbe, wie es scheint, befriedigenden Bescheid. Die Deputation stellte sich hierauf dem Herrn Minister des Innern vor. (Correspl. a. Böhm.) Pefih, 3. Februar. Eorrespbl. a. Böhm.) Herr David Einhorn,-bisher großherzoglicher Landesrabl iner in Mecklenburg-Schwerin, traf verflossene. Woche sammt Familie hier ein, und hielt letzten Sonntag seine Antrittsrede, zu der eine große Anzahl Zuhörer herbeiströmte. Die Urtheile über seine oratorische Befähigung sind sehr schwankend. Prag, 6. Februar. Der „Brün. Ztg." wird von hier geschrieben, daß soeben die Ministerialentscheidung auf die bekannten Petitionen gegen und für die freie GewerbSübersiedelung der Israeliten in die christlichen Stadttheile Prags herabgelangt sei. Die Entscheidung geht dahin, daß diese Angelegenheit bis zur Erlassung deS bevorstehenden GewerbsgefttzeS sistirt werden soll. .Daraus geht hervor, daß das h. Ministerium die UebersiedelungSfrage nicht als Kultusangelegenheit, sondern als reine GewerbSfrage behandle. Prag, im Februar. (Privatmitth.) Es befinden sich in Prag, nebst, vielen kleinen, 9 große Synagogen, .wo aber blos in Einer hiervon der Gottesdienst geregelt abgehalten wird; der Zudrang in dieses Gotteshaus ist aber so groß, daß man an Festtagen die Eingänge mit Wachen zu besetzen genöchigt ist, damit die Inhaber der Sitze von denselben nicht verdrängt werden. Aber nicht blos an Festtagen, sondern auch an jedem andern Samstage, wenn gepredigt wird, ist der Zudrang sehr groß, da Jedermann durch die im hoch-. sten Grade geistreichen und begeisternden Predigten unsers Predigers, Herrn Vr. Kämpf, sehr angezogen wird. : ■ :■ DaS Bedürfniß eines zweiten. geregelten Gotteshauses .ist daher sehr fühlbar. Von heiligem Eifer für diese Sache durchdrungen, wollte ein junger Künstler, Herr. Siegfried Rosenberg, ein würdiger Schüler des berühmten Tomaschek, diesem Bedürfnisse abhelfen. Er warb schon im Jahre 1846 einige junge Leute an, die er nicht nur mit den nöthigen Mufikalien versah und unentgeldlich unterrichtete, sondern sogar Einige hiervon unterstützte. Endlich wurde ihm die Meusel-Synagoge übergeben. Es wurde nun durch eine längere Zeit vorgebetet, ohne daß die geringste Zahlung dafür geleistet wurde; erst später erhielt das Personal eine Zahlung,, die aber so unbedeutend war, daß Herr Rosenberg, der diesen Gehalt vertheilte,, jedesmal aus eigenen Mitteln beifügte, um nur den Chor fortzuerhalten. . Trotz dem Eifer und den . Opfern des Herrn Mosenberg ward schon am 1. Dezember 1851 wieder ohne Chor gebetet. Und warum? Der angebliche Grund ist: Mangel an Mitteln. ein Chorpersonal zu besolden; denn ein Chorpersonal aus 20 Personen bestehend, kostete inklusive des Gehalts deS Vorbeters 500 fl. jährlich (—1) Gestehen wir es uns, daß der größte Theib der hiesigen Gemeinde auS sogenannten modernen Juden (Amphibien, die sowol dem alten Schlendrian, als dem modernen Gottesdienst huldigen) besteht, die bei den Alten als religiös, und; bei den Neueren als Männer des Fortschrittes gelten wollen; diese hören sehr gern eine Predigt und einen geregelten Gesang, und drängen sich daher an Samstagen, wo die Ein- . gänge im Tempel nicht bewacht sind; heißt eS aber für die Sache Etwas thun, dann/halten sie eS mit den Alten (d. h. sie sagen, daß sie jenes entbehren können). Und dieser erhabene— Sinn ist eS, der daS Fortbestehen eines geregelten Gottesdienstes in der Meusel-Synagoge verhindert — Lassen Sie mich aber ein kleines Gegenbild ausführen. : -' In oem unfruchtbarsten Winkel Böhmens, im jetzigen Pilsener Kreise, 9 Meilen von Prag entfernt, befindet sich daS T>orfZaluzay:. rHier wohnen 5 jüdische Familien, diese bilden mit den 10 Familien aus den in? der>Umgebung .liegenden 5 Dörfern seit längerer Zeit: eine Gemeinde:-