Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 7 (9.2.1852)
- Date
- 1852-02-09
- Page
- Seite 81 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- Torgau 1× ep/1045852
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mit ihm, LiSputirte mit ihm scharfsinnig, Beide kramten gegenseitig die &icfe ihres WissenS auS und ^-.wäSdas Beste war — sie hätten bald herausgefundin, Laß sie eigentlich verwandt wären. DeS SetzerS Mutter stamütte ja auch aus Prag und war die Tochter eines Mannes, dek der Bruder eineS Schwagers von ZoffelS Mutter Gar. — Sie kamen auf dieser Wanderschaft im Dorfe Bedra an, wo sie übernachten wollten. AlS sie in die WirrhSfiube eintraten, war es hier noch ganz stillsie setzten sich an die Ecke eines langen TrscheS auf eine Bank neben einander und während sie zum Butterbrode eine Flasche Merseburger tranken, setzten sie ihr besprach von ihrem ZichuS (Verwandtschaft) fort, der Sulchacber kramte die ganze Genealogie des SchüsierS Mit allen Berzweigungen und Nebenlinien auS, sprach begeistert bald voll dieser, bald von jener Muhme und Babi (Großmütter)/ von Vettern und Herrll'sdie Alle fromme und hkrrlicht Leute waren. Äossel, hörte still zu, ihn kümmerte dies Ahnenregister wenig, er dachte an das Vaterhaus und Me eS dort wo! in diesen traurigen Zeitläufen ausfehen mochte. M stürzte plötzkich der Wirth herein mit dem SchreckenStüf: Franzosen kommen! Ein Getümmel wurde auch wirklich von Weitem gehört, auch Trommelwirbel und Trompetenkläng. Die Wirthsleute waren außer sich vor Schrecken, sie fingen schon an, ihre besten Geräthe nach dem Keller unter dem Backhaus und auf den Heuboden zu fchaffenälS Joffel, der aufmerksam auf die Feldmufik horchte, ihnen beruhigend zurief: „DaS sind nimmermehr Franzosen, es find die Preußen!" Wo in aller Welt sollten die über Herkommen? Man hätte gehört, daß Friedrich, vor Kurzem erst von Daun geschlagen und aus Böhmen vertrieben, m Erfurt saß ürid wenn auch der kühne Seidlitz die Franzosen in Gotha überfallen hatte, so wären doch diese, zählrtich vörgebrüngen und die Kroaten brätidschatzten sogär Preußens Hauptstadt. Nicht langt blieben die Wirthsleute und die Gäste in Zweifel, dellN nach kürzer Zeit füllten sich die Räume der größen Stübe mit preußischen Kriegern aller Waffengattungen. Wie man sogleich hörte, waren sie nicht voll Erfurt, soiiderll von — Torgau hergekommen und hatten an diesem Tagt über die Saale gesetzt. Immer lebhafter würde es im Wirthshause und um dasselbe im Dorfe und seiner Umgebung, doch uns kümmert hier nicht die -Noch des Schulzen um die Verkeilung der Truppen, die Sorge der Bewohner, für die ungeladenen und unerwarteten Gäste Brod und Nahrungsmittel, für die Pferde Stallung und Futter zn schäff^kä» Ü)ir ölerbrll bti Jüsiek und seinem Gefährten in der Stübe. Wenn auch hier lange noch immer neue SoldättÄ ein- Und äbttätesi, düch Bauern und Unechte kamen, ihre Neugierde zu befriedigen, so stellte, sich doch bald eine Art Ordnung her. Die Krieget fttzten ihre Gewehre ‘ ab, legten die TvtMster unter die Bänke, auf deren Reihen sie Platz nahmen, eS würvt ihnen Branntwein, Bier und Brod vorgrfetzt. in der Mitte der Stube stellten sich Gruppen auf. welche über den Marsch sich üntt, hielten und ihre Lermuthung äußerten, daß es bald eint Ässaire gehen müßte, denn sie wären ja wie auf Schltichwegen hierher gekommen und hätten an den Saarbrücken dentlich französt'che Truppen um WeißentelS bemerkt. ES war viel Lärmen und Tumult, der immer größer wurde, je mehr die Soldaten sich von den Strapazen des WegeS erholten und sich an den dargereichlen Getränken erquickten. Joffel faß noch immer still neben ftinent Schriftsetzer, der in großer Angst zn sein schient Sie wurde noch größer und er zitterte wie Espenlaub, als ein bär^ tigrr Wachtmeister nach dem Winkel, wo sie saßen, kam, sich über den Tisch bog, indem er beide Hände auf diesen stützte, mit) ausrirf: , Mein, da find ja welche von unseren öeütl" ÄUer Äugen richteten sich auf den.Winkel und die Versammlung brach in ein schallendes Gelächter aus. Joffel stand äuf. ,,8a wohl, Landsmannsind wir von Eueren Leuten, ich bin Ünterthan de^ hochseligen Leopoldder Euer großer Getterak und Wdmar'schall war, UM wir sitid btüv preußisch gesinnt." -,Wv seitz Ihr Her, Jüdeü fragte, schon, sanfter, der Wachtmeister: /,Jch bin mus des Fürsten Leopold 'Städtchen Sam« mellöch und mtin Väter ist RegiinentSschüster und stand iW gtößeü Griadeti bei Deiner Dürchtäücht. Ü)er aber ist ein Schriftseher aus SnlzSäch und hat dicke Eüße von feinem HändMM und ist eltlld und' kränk. Ddr Schriftsetzer hielt sich an den Rock des kühnen Joffel ünd zupfte datän, ihni ävzitmähnen, nicht so dreist zu still. Joffel hätte dieMtliaiiöll btffer ersaßt. ,Mas zupfest und kratzest Mi mich, Narr," rief er ihm scheltettd za, „hist Dü destii ÜMt Räuber ünd Bän- . diten gefallen, oder stihen hier tapfete Soldaten des großen Prrußenkönigs?^ ,-BM> Jude, bravEnte es öon mehreren Seitens. Ein Kotnrt trat näher und sagte bedenklich: „Ich glaube/ die Kerls find Spione!" 7*