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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-02-09 · Heft 7 (9.2.1852) · p. Seite 79

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 7 (9.2.1852)
Date
1852-02-09
Page
Seite 79 (sequence 7)
Language
German
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79 Land noch unentschieden sind, daß beide KantonSregierungen ihre Urtheile und Beschlüsse bis jetzt nicht vollstreckt, dagegen aber auch noch nicht zurückgrnommen haben. Die Lage der dortigen Juden ist eine unerquicklich provisorisches Ich vermuthe, diese Regierungen wollen abwarten, ob der französische Präsident weniger bestimmte und energische Noten sendet und lieber Asses in statu güo belassen. Die baseler Juden sollen sich nach Paris gewendet haben, um zu fragen, welche Schritte sie thun sollen. Wir sind sicher, der eifrige und treffliche Rabbiner Nordmann in Hägenheim wird nicht ruhig bleiben und schon weiter arbeiten, so viel ihm das eifersüchtige und orthodore Konsistorium zu Kolmar erlauben wird. Bon Buschweiler im Elsaß, nahe bei Basel, wird ein Jude Namens Raphael, der gewöhnlich im Kanton Solothurn handelte, vermißt. Er ward gesucht, über nicht gefunden. Vorige Woche verriethen Kinder ganz armer Eltern im Kanton Solothurn, daß sie von dem Juden Raphael neue Kleider erhalten haben. Man hat diese Leute sogleich verhaftet, erfährt aber noch Nichts vom Verhör. Man glaubt allgemein,, dieser Mann sei von diesen Leuten ermordet worden. vr. Weil. Belletristisches. Wer unbekannte Nabbi. Eine Novelle. (Fortsetzung.) Es konnte nicht fehlen, daß er zuweilen in die Schule, kam, wenn die anderen Schüler noch bei anderen Unterrichtsgegenständenwaren, als Fibel und Schreibebuch; er hörte einst Bibellesen, er vernahm die Worte der ihm so bekannten heiligen Schrift, die Geschichte.Josephs, Psalmenstücke u. dgl. in- Luthers körniger, deutscher Uebersetzung — mein Gott! e8 Ear dieselbe heilige Schrift, jedes Wort war ihm in der Ursprache bekannt, er wußte Alles auswendig, aber es schien-ein anderer Geist darin zu wehen, als in der Uebertragung des Polen, es klang so schön, es ergriff das Gemüth, in der Erhabenheit und Einfachheit dieser Uebertragung waren die Erhabenheit und Einfachheit des TerteS wirklich wiedergegeben, so sehr auch manches Wörtlein und maüche Wendung seine Kritik erweckte. Ebenso kam er nicht selten,, wenn die Schüler deutsche Liederverfe sangen , das interessirte und erbauete ihn sehr und daher rührte noch seine Bekanntschaft mit geistlichen Liedern, die er mir gleich bei unserm ersten Zusammenkommen zeigte. Als er aber nun geläufig lesen konnte ünd im Nachbarshause, bei einem alten Seifensieder, auf einen Stoß alter Bücher gerieth, auf die Chronik« des Reichsfürstenthums, auf die Geschichte des gehörnten Siegfried, der Genoveva und Griseldis Himmel.' da wurde ja die ganze Welt um , ihn lebendig, jedes Dorf, jede Burg, jeder Berg um SaMmetloch belebte sich mit Gestalten der Vorzeit, alte Fürsten, Grafen und Ritter stiegen aus ihren Gräbern, er erfuhr, wie es vor hundert, vor zweihundert, vor tausend Jahren hier war,, und in den alten Volksbüchern saß HodeS itt veredelter Gestalt mit ihren Mährchen und Sagen ist der Spinnstube. — Aber auch der Verstand bekam noch reinere, abstraktere Nahrung, als in den Talmudbüchern; Der Kantor hatte ihm die Elemente des Rechnerls beigebracht, hinter dieser Zahlenwelt, das ahnte er,- müßte noch eine höhere liegen, welche einen Theil des-menschlichen Wissens umfaßt, der, durch keine Hypothesen, Ertgesen u. dgl. berührt und verwirrt, die reine, ungetrübte, fest basirte Wahrheit enthielte. Auch im Talmud' kamen ja Kalenderbestimmungen vor, die sich auf Berechnungen; gründen mußten. — Armer Jossel! Beim Ahnen ist es größtentheils in dir geblieben, die Vorhöfe der Wissenschaft thaten sich vor deinem entzückten Auge aus, aber eS war dir — wie fo vielen deines Stammes in jener Zeit — nicht vergönnt, in's innere Heiligthum zu dringen und, so sehr auch hier die Augen noch von vielem Tand und Flitter geblendet werden, die Seele zu 'erheben an der Macht des menschlichen Geistes, besonders an der erhabenen Größe klassischen Alterthums. So war Jossel inzwischen dreizehn Jahre alt geworden und er wurde an seinem Geburtstage „ein Sohn des Gesetzes" und übernahm als Solcher alle Verpflichtungen des jüdischen Gesetzes und die Befolgung seiner relgiösen Vorschriften. Der^ Schuster beging auch diesen Tag feierlich,, er lud die ganze Gemeinde zu einem Frühstück ein, nachdem Jossel im Tempel durch die öffentliche Vorlesung des SabbatsabschnitteS aus der Tora in die Reihe der Erwachsenen getreten war. Während die Gäste beim I Glase Aquavit und den kleinen runden Mandelkuchen sich gütlich thaten, stand Jossel neben dem Dttischemel seines Vaters und hielt — eine Rede. Er benutzte den salomonischen Text „daß die Lebensstraße immer aufwärts gehe für den Denker", uw daran fo viele talmudifche

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