Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 7 (9.2.1852)
- Date
- 1852-02-09
- Page
- Seite 78 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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78 Ein Redner in diesem Meeting verdient genannt zu Werden,, der warm und eindringlich für die Errichtung dieses Instituts gesprochen hat; es ist Herr Sampson Samuel, Advokat in London. Doch können wir auch, seiner nicht ganz ohne Rüge gedenken. Wir sind gewiß mit ihm einverstanden, daß jedes Land seine eigenen Träger der Wissenschaft auszubilden im Stande sein und zu diesem Endzwecke Opfer bringen soll. Aber kein Fremdenhaß soll dabei zur Schau gestellt werden. Dieser gesetzeskundige Herr sollte seinem so sehr toleranten Vaterlanbe und dessen äußerst toleranten Gesetzen nachahmen. Er ließ sich in seinem heiligen Feuereifer für diese gute Sache zu weit hinreißen und wollte sogar Leute, die ein englischjüdisches Her; und englische Moral unter vielem anderm Englischen besitzen. Wir sind freilich noch nicht lange genug in England, um die englische Moral von der anderer Länder zu unterscheiden, so wenig als ein englisches jüdisches Herz von dem eines kontinentalen. Wie viel Generationen hindurch die Ahnen des edeln Redners schon Engländer sind, läßt sich, ohne zu hoch auf dessen Stammbaum zu klettern, ziemlich leicht herausfinden. > Diese Worte sprach Herr Sampson im Beisein des Herrn Chief-Rabbi Dr. Adler, eines geborneu Deutschen. Wir dürfen keck behaupten, daß 7Ja aller in England wohnenden Juden in der dritten Generation nicht englischen Ursprungs sind. Ein Punkt in dieser Angelegenheit darf nicht stillschweigend übergangen werden. Er ist zu wichtig, um nicht der Veröffentlichung werth zu sein und ist bereits Hei dem Meeting selbst zur Sprache gekommen. Kein Mitglied der Reformsynagoge dahier hat nämlich ein Zirkular erhalten um dem Meeting bekzuwohnen. Dessenungeachtet erschienen einige Wenige, unter Anderen ein Herr El. Davis. Dieser fragte den Präsidenten Herrn Montefiore um die Ursache dieser Hintansetzung. Der edle Barynet erklärte: er wisse die Ursache nicht. Dieser Herr Davis fragte nun weiter: ob Kinder derjenigen Eltern von der Reformsynagvge in diesem fraglichen Institut Aufnahme finden würden? Herr M. antwortete: die Statuten werden auf der liberalsten Basis beruhen. 'Die Antwort ist eine ausweichende und man sagt, Herr M. sei durchaus nicht gewillt,, diesen die Aufnahme zu gestatten. Ist dies nicht eine sehr traurige Erscheinung, .daß man von vornherein einen großen Theil von der Theilnahme an diesem wichtigen Institute ausschließt und zwar einen großen Theil der Intelligenz? Möchte man nicht dem Institut oder besser dessen Gelingen deshalb schon eine ungünstige Prognose stellen? -Denn ein Unternehmen, das solcher finanziellen Opfer bedarf um nur zu entstehen; kann nur dann gelingen, wenn es mit Aufrichtigkeit, Wahrveit und Liebe' befestigt wird, nicht aber durch Parteihaß und Ausschließung ihm daö Fundament unter den Füßen weggenvmmen wird. Wenn Herr Dr. Adler nicht mit Hemn Dr. Marx Hand in Hand geht, so kann und wird in London kaum viel Großes und Ersprießliches unter den Juden zu Stande kommen. Und wo könnte Größeres geleistet werden als hier? Wo sind die Elemente günstiger? Vor Allem aus müßte Herr Dr. Adler das von seinem sel. Vorgänger ausgesprochene Interdikt gegen diese Reformsynagoge aufheben, waS seine heilige Pflicht wäre, und ich bin sicher, die Annäherung würde sich zu Stande bringen lassen. Obengenannter Herr E. Davis hat trotz Allem 15 Guineen unterzeichnet. -Aus Manchester erhalten wir soeben als eine verbürgte Nachricht, Herr Rabbiner vr. Schiller habe sich mit seiner Gemeinde von -er rabbinischen Autorität des Herrn Dr. Adler förmlich unabhängig erklärt. Der in der jüdischen Literatur rühmlichst bekannte und ausgezeichnete Leopold Dukes wird sich nächstens hier etäbliren und einen — Zigarrenladen anlegen. . Traurig! traurig! traurig! Aber einen noch traurigern Bericht habe ich Ihnen schließlich mitzutheilen. ES widerstrebt mir meine Feder fortzuführen, aber ich will es thun, weil vielleicht die Missionäre den Bericht übertrieben und entstellt veröffentlichen und sicher gehörig ausbeuten werden. Laut Privatbriefen an Sir M. Montefiore und Dh Adler ist Herr David Herrsche!, Sohn des verstorbenen hiesigen Großrabbinen, letzthin in Jerusalem vergiftet worden und man behauptet, entweder von seinem Schwiegerfohne oder Enkel. Als englischer Unterthan ließ er, sobald er deutliche Spuren seiner Vergiftung wahrnahm, den englischen Konsul Finn ju sich kommen. Dieser, ein Tochtermann deS Dr. M'caul, Präsidenten der hiesigen Misstonsgefellschaft, nimmt sich nun der Sache an und soll sich geäußert haben, den Verbrecher (denn der Vergiftete starb) nach England zu senden. Gebe Gott, daß Letzteres unterbleibt. 15. Januar. Soeben erhalte ich verbürgte Nachrichten aus der Schweiz, daß die jüdischen Zustände in Baselstadt urch