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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-02-09 · Heft 7 (9.2.1852) · p. Seite 77

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 7 (9.2.1852)
Date
1852-02-09
Page
Seite 77 (sequence 5)
Language
German
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n zur Einführung der neuen Gemeindeordnuri g die Aufnahme der Israeliten in den Gemeindeverband zu sistiren, zur Besprechung und zur Schlußfaffung. Nach einer längern Debatte, wobei vorzüglich die Herren Stubenrauch und Zelinka gegen diesen Antrag und für Aufrechthaltung der noch immer in Kraft stehenden Normen sich aussprachen, wurde vorzüglich auf Grundlage der bestimmten Versicherungen von einer Seite her, daß die Regierung auch bei Erlassung einer neuen Gemeindeordnung den Grundsatz der bürgerlichen Gleichstellung der Israeliten mit den übrigen Konfessionen nicht aufzugeben gesonnen sei, der Sektionsbeschluß verworfen und die Aufrechthaltung der bestehenden Uebung ausgesprochen. Preßburg, 2t. Januar. (Pest. Z.) Von Seite deS Magistrats ist eS mehreren israelittschen Gewerbsleuten gestattet worden, von der theresienstädter Seite (Schloßgrund) auf bie.altstäter Seite (Stadtseile) zu übersiedeln und daselbst ihre Gewerbe in öffentlichen Lokalitäten zur Ausübung zu bringen. Der Besitz von Handels- und Gewerbsbefugmffen ist bezüglich der Israeliten auch hier auf einen gewissen Smbttheil beschränkt, und konnten die Letzteren bloS an der Schloßgrundseite bisher öffentlich ausgeübt werden. Preßburg, 29. Januar. Ein Erlaß der k. k. Landesfinanzdirektion macht den Israeliten, welche im Besitze von Tabaktrafiken und Stempelpapierverschleißen sich befinden, zur-Pflicht, ihre Verkaufsläden an jüdischen Sonn- und Feiertagen geöffnet zu halten. Großbritanien. London, 26. Januar. Im Court of Erchequer ist heute der längst angekünbigte Prozeß gegen Alberman Salomons eröffnet worden. Das Vergehen, Welches ihm zur Last gelegt wird, besteht bekanntlich darin, daß er, ohne den Wschwörungseid geleistet zu haben, im Unterhause gesessen und gestimmt hat. Der Klager ist ein gewisser Miller; die Vertheidiger des Angeklagten sind Sir F. Kelly und Herr Goldsmith. —. 29. Januar. Der Court of Erchequer hat gestern noch kein Urtheil über den Fall Miller-SalomonS abgegeben: Die beiderseitigen Advokaten sind mit ihren Anklage- und Vertheidigungsredeu allerdings fertig geworden; doch hat der Gerichtshof beschlossen, vor Fällung deS UrtheilS die Sache noch reiflich zu überlegen. Die Entscheidung wird wo! noch einige Tage auf sich warten lassen. Korrespondenz. London, 6. Januar 1852. Eine Unpäßlichkeit verhinderte mich, diesen Brief Ihnen zur Zeit zuzusenden, was den Vortheil hat, daß ich sogleich bas Resultat deS Meeting vom 4. d. M. in Susser-Hall rnittheilen kann. Die Versammlung, präsidirt von Herrn Moses Monrefiore, war ziemlich zahlreich. Nachdem Herr Chief-Rabbi Adler die Wichtigkeit und den Zweck dieses edeln Instituts mit beredten Worten auSkl'nandcrgesetzt hatte, sprachen mehrere Redner und Alle waren von der Nothwendigkeit durchdrungen, daß dieses Institut endlich in's Leben gerufen werden müsse. Dies daS Resultat mit kurzen Worten. Gezeichnet wurden alS Beitrag etwa i 20Ö L. St. Bedenken wir aber, daß Baron Lionel v. Rothschild auch einen Beitrag versprochen hat, sich aber schriftlich entschuldigen ließ, daß er nicht zur Versammlung komme, und dasselbe Alderman Salomon that, so darf schon sicher ein größerer -Beitrag angenommen werden. Von diesem Letztern müssen wir jedoch bemerken, daß er gegen die Errichtung dieses Instituts ist (waS ihn natürlich nicht hindert einen Beitrag zu geben) und zwar weil er findet, daß die Juden in christliche Schulen gehen können. Wir wollen nicht den alten Streit hier erneuern, ob es wünschenSwerth sei, daß unsere Kinder in Allem, nur nicht in der jüdischen Religionslehre, wo! aber in den Prinzipien der christlichen Religion unterrichtet werden. Daß der Religionsunterricht ein privatlicher, häuslicher und unbeaufsichtigter sein könne, das wissen wir; aber wir wissen, daß dies keiner ist. Es thut uns doppelt und dreifach leid , daß so viele jüdische Männer von hervorragendem Geiste so indifferent gegen ihr Judenthum werden. Mir scheint eine solche Ansicht-eine deutliche Willensäußerung, , daS Judcnthum endlich im Chriftenthum aufgehen lassen zu wollen. Aber Gottlob! es stehen noch Männer in Israel, freilich nicht so hoch gestellt in der bürgerlichen Gesellschaft, doch kräftig genug einen solchen unheilbringenden JndifferentismüS abzuwehren.

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