Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 7 (9.2.1852)
- Date
- 1852-02-09
- Page
- Seite 76 (sequence 4)
- Language
- German
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76 dem christlichen Baumeister gegenüber nicht in Be- Ziehung auf eine Synagoge behaupten. Der größte Luxus ersetzt an dieser. Stelle am Wenigsten geschmackvolle Formen und Anordnung, und wie oft läuft der ganze Werth des Gebäudes in diese unhaltbare Spitze zusammen. Unvergeßlich ist mir daS Gesicht des Schammes eines Tempels ersten Ranges, dem wir bei seinem betonten Hindeuten auf den theuern Kronleuchter bemerkten, er möchte ihn herabnehmen und in's Theater bringen. Noch als er beim Abschied sein Trinkgeld bekam, schien ihm-diese'Aeußerung doch noch zu lästerlich: Sie haben ihn am Freitag Äbend nicht gesehen, brummte er beim Weggehen. Sollte es nicht möglich sein, haben wir oft gedacht, für das Gebäude unserer Gottesverehrun.z, wenn auch gerade keinen besondern Baustil, doch wenigstens gewisse bedeutungsvolle Formen zu sinden, die nur an diesen Platz gehören. Hat die Architektur doch in wenigen Jahren etwas Äehnliches für die Eisenbahnbauten gefunden. Der Gedanke hat uns oft beschäftigt, und um so tiefer gingen wir ihm nach, als es uns am Ende dünken wollte, eS würde die Baukunst dahin noch, kommen. Die Wünschelruthe unserer unklaren Vorstellung hat angeschlagen, eine unbestimmte Idee gewinnt Form, wir haben gefunden, wenn auch erst die Anfänge von dem was wir gewünscht und gesucht haben, an und in der Synagoge zu Lippstadt, die uns aus das Freudigste überrascht hat. Das Gebäude ist klein, vielleicht mit dem Raume für die Frauen für 100 Personen berechnet, aber in seiner Form und in -seiner Anordnung und Einrichtung so durchaus charakteristisch, so einfach und doch so würdevoll und bestimmt, wie wir noch wenige gesehen haben. Der Baumeister hat eine Synagoge aber auch ganz eine Synagoge hingestellt, wir wüßten keinen andern Zweck, dem dieses Gebäude dienen könnte. Wer hat den Bau so angegeben? war unsere erste Frage. Ein Jude. Das hat uns im Herzen wohl gethan, ein Jude, der diesen Zweig der Baukunst zu seiner besondern Aufgabe gemacht hat, der Architekt Bacharach zu Hamm. Wir danken ihm für den Genuß, den er uns verschafft hat. Eine Bemerkung, die uns jedoch weniger interessirte, war die, daß daS Gebäude trotz feines stellenweisen Aufwandes nur Etwas über 2000 Thlr. kostet. Sollte der -genannte Baumeister bei seinem-Geschmack auch ebenso die Oekonomie in'seiner Hand haben, dann können wir ihm nur Glück wünschen.*) Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, im Januar. Verordnung des Ministers deS Innern vom 25. Januar 1852, wirksam für den ganzen Umfang deS Reiches. Die in dem Zolltarife für die Ein- und Ausfuhr der Maaren in dem österreichischen Kaiserstaate vom 1. November 1838 sub Post-Nr. 66, Absatz 2 enthaltene Bestimmung, „daß die im AuSlande gedruckten jüdischen und hebräischen Gebet- und Religionsbücher dem ElnfuhrSverbote unterliegen und ebenso wie die illlrischeU und wallachischen Bücher nur gegen Pässe aus dem Auslände bezogen werden können," hat in Folge allerhöchster Entschließung vom 6. November 1851 fortan in Wirksamkeit zu verbleiben, und es ist demnach die Einfuhr der vorbezeichneten Bücher rm ganzen Umfange des österreichischen Staatsgebietes nur gegen die von den betreffenden Statthaltereien und Länderprasioien vorläufig einzuholende Einfuhrbewilligung gestattet. Bach w. p. —. Wie man der N. Pr. Z. schreibt, hat bei Gelegenheit der im Gemeinderath angeregten Debatte, über die Fortdauer der Judenemanzipation, der den Verhandlungen beiwohnende Regierungskommiffär erklärt, daß eS nicht in der Intention der Regierung Sr. Majestät des Kaisers liege^ die in der Märzversassung bewilligte Gleichstellung der Juden in politischer so wie in religiöser Hinsicht wieder aufzuheben.' Näheres hierüber in Folgendem: Aus dem „Salzburger Corr." erfahren wir Folgendes über die Sitzung des wiener Gemeinderathes vom 23. Januar: In dieser Sitzung kam nämlich der Sektionsbefchluß, bis *) Wir haben diesen Artikel ausgenommen, weil er anregend und auch warneßp zu wirken vermag. Allein wir haben an ihm Zwiefaches auszusetzen, erstens, daß die Behauptung, daß die Synagogen in der Regel gar nichts Charakteristisches enthüllen, doch viel zuwest gegriffen erscheint, als daß wir sie aus eigener Erfahrung als ganz begründet zugeben möchten. Zweitens, daß er uns versichert, die Synagoge zu Lippstadt sei ganz anderer Art. in ihr seien die prägnanten Formen gefunden, welche für eine Synagoge würdig sind, ohne uns zu sagen, worin sie bestehen und was da das Prägnante ist. Redakt.