Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 7 (9.2.1852)
- Date
- 1852-02-09
- Page
- Seite 75 (sequence 3)
- Language
- German
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75 aus traten zwei Mädchen vor und hielten Begrüßungsreden, worauf ein Choralgesang folgte. Dieser Feierlichkeit schloß sich dann noch die gediegene Rede des Herrn Rabbinen an. Dann wurde ein Zweckesscn veranstaltet, wobei mehrere Toaste und Reden gehalten wurden. Ein Ball beendigte noch dieses Fest. *) Wir wünschen, daß die Aufnahme dieses geehrten Mannes unserer Gemeinde recht viel Glück und Segen bringe, daß es ihm. gelingen möge den Baum des Lebens in das Herz der zarten Jugend zir Pflanzen, und ungestört in Frieden und Eintracht lange in unserer Mitte zu wirken. Im Namen Mehrerer. Schönlanke, 21. Januar. (Privatmitth.) In einem ipbn hat der hiesige ehrwürdige Rabbiner Herr Löbel Bläschke, am heutigen Nachmittage, die drei jüngst verstorbenem „Adler der jüdischen Gelehrsamkeit^, wie der Rabbine sie nannte, und zwar den Rabbinen zu Posen, Herrn Salomon Eger, den Rabbinen zu D. Crone, Herrn Abel Michelson, und Rabbi Schachne zu Arnswalde, in der Synagoge vor einer zahlreichen und theilnehmenden Gemeinde feierlich be-- trauerte. Unter Traueczeremonien wurde den Verklärten ein «b» gemacht und das Gebet b^rnii ra« von der Gemeinde gesagt. Der Rabbiner stellte sich vor dem unpn ym an einen schwarz behängenen Ständer und hielt einen langem, angemessenen Vortrag. Der silberweiße Greis, im Zwielichte des Tages, nur schwach erhellt von wenigen vereinzelt brennenden Lichtchen, in solchem Momente, dem heiligen Gedächtniß dreier aus dem Dasein geschiedener, tiefgelehrter, frommer Männer gewidmet — eine wahrhaft imposante, Ehrfurcht gebietende Erscheinung. Vollständig war demnach die. Wirkung der Trauerfeier. Bemerkenswerth ist noch, daß der geehrte mit höchst rührender Innigkeit des eigenen, nahenden Lebenszieles Erwähnung machte und bittende Worte hinzufügtck man möge ihm kernen *) Wir haben dem Wunsche, einige (abgekürzte) Worte über diese Empfangsfeier aufzunehmen, nicht abstehen wollen, indem wir unS freuen, daß eine jüdische Gemeinde noch Herz hat für den Eintritt ihres religiösen Lehrers und Leiters, obschon wir eS kurios finden, den Antritt eines Rabbinen mit einem — Ball zu feiern! In die Synagoge gehört solcher Antritt, und mit Gebet und . Predigt ist er zu feiern! Redakt. -! nvw weiter nachsagcn, als daß er seit seinen Jünglingsjahren sich gewesen habe in der Tora. — Ohne Zweifel werden die vielen Freunde und Schüler unsers Rabbinen, deren der tolerante Mann von nah und fern in allen Standen der Gesellschaft zählt, diese einfach schönen Worte desselben gern hören, eingedenk seines reich gesegneten Lebens, das anspruchslos bis zum Ende geblieben. P. Aus Wefkfahleri, 26. Januar. (Privatmith.) An die Miltheilung, daß die kleine israelitische Gemeinde zu Lippstadt die Opfer nicht gescheut hat eine Synagoge zu bauen, wollen wir einige Bemerkungen knüpfen, die unS auch für die Ferne von Interesse zu sein scheinen. Wer mit einiger Aufmerksamkeit die Meisten unserer s. g. gebauten Schulen durchgeht, wird, mit Lessing zu reden, mit Vergnügen da6 Gebäude verlassen, das heißt, er wird froh sein, wenn er wieder draußen ist. - Die kleineren Gebäude dieser Art, die jetzt so häufig entstehen, treten äußerlich in der Regel durch nichts Eigenthümliches hervor, und im Innern! — Nun wer kennt nicht die Pulte, die Bänke, die messingenen, wol gar gläsernen oder hölzernen Kronleuchter. Und nun vollends der Oren Hakaudesch, was zeigt sich an dieser Stelle dem Beschauer, der an die Heiligkeit seines Inhaltes denkt, meistens nichtssagende profane Schnurrpfeifereien. Steht eS ynt den Synagogen ersten Ranges besser? Selten! — Wenn auch das Aeußere des Gebäudes für einen befondern Zweck charakterisirt ist, wenn auch die innere Ausstattung imponirt, Charaktere, die die Bedeutung deS Gebäudes auSdrücken, seine besondere Bedeutung, fehlen fast immer.7 Wir glauben den Grund dafür in Folgendem gefunden zu haben. Die sogenannten Baudeputationen oder Kommissionen, die vor dem Neubau gewählt werden, übergeben bei Bauten von einigen Tausend Thalern dem ersten besten Maurer- oder Zimmermeister vertrauungSvoll das Ganze. Bei den größeren Synagogen wird freilich ein Architekt von Fach zu Rache gezogen, aberwenn man eS dem protestantischen Künstler oft bestritten hat, daß er ein Heiligenbild malen oder eine katholische Kirche bauen könne, waS darf man