Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 6 (2.2.1852)
- Date
- 1852-02-02
- Page
- Seite 68 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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68 Gaben gesammelt werden und die Schüler zahlen sollen, oder aber ganze, Gemeinden sich mit gewissen.Summen betheiligen sollen, Falls sie gewillt sind, Freischüler dahin zu senden. Man sieht, daß der Plan ein weit ausgedehnter ist, und daß eine Anstalt in's Leben gerufen werden soll, die großartig und segensreich zu wirken im Stande wäre. Die Unterrichtsfächer sollen sehr mannigfaltig werden. Die hebräische und rabbinische Literatur in ziemlich weitem Umfange (wir hoffen die rabbinischen Philosophen wie More Nebochim, Akeda u. dgl. nicht ausgeschlossen), alte und neue Sprachen, Mathematik, Buchhalten u. dgll, Uebungen im Lehrfache und in der Predigt, Uebungen im Lesen aus der Tora, dies Alles in der Anstalt selbst. Diejenigen Jünglinge, die sich dem geistlichen Stande widmen wollen, sollen, unter Aufsicht der Vorsteher der Anstalt, ihre weltlichen philosophischen Studien an der londoner Universität vollenden, während sie es in der jüdischen Anstalt mit ihren theologischen thun. So könnten jüdische Lehrer, Vorbeter und Rabbinen in einer und derselben Anstalt ausgebildet werden und hätten doch jüdische Jünglinge, die sich keinem solchen Berufe widmen, wollen und doch mehr erlernen mochten als nur Lesen und nothdürftig einige Bibelverse übersetzen^ vollkommene Gelegenheit, dazu, ohne nothwendig zu haben 6—8 Jahre ihrer besten Lebenszeit dem planlosen Talmudstudium, unter der Leitung eines ignoranten polnijchen. oder portugiesischen.Rabbi, hinzuopfern. Ich kann wahrlich nicht ohne Grauen an diese Zeit denken. Ohne Zweifel verdient Herr vr. Adler den wärmsten Dank für die Mühe, die er sich giebt, daß ein so edles und wohlthätiges Werk gefördert werde und wird ihm ein Solcher gewiß nicht ausbleiben. Wir ersuchen den Herrn Chief-Rabbi, nur in seinem heiligen Eifer nicht zu erkalten und die hohe Idee ja nicht wieder fahren zu lassen, wenn sich, wie zu erwarten, Hindernisse in den Weg stellen sollten. Obschon wir gar nicht zweifeln, daß bei dem großen Ansehen, bei der hohen Achtung, die Herr Dr. Adler als Oberrabbiner über Großbritanien genießt und bei der Protektion des edeln BaronetS Sir Montefiore, welcher die Anstalt von vornherein sich zu erstellen hat, die Sache große Chance hat. Sie find längst von mir gewöhnt, daß ich in der Welt nicht Alles prächtig finde, und sind eS auch gewöhnt, daß ich es dann sogleich heraussage, wie ein schlichter Schweizer.. Besonders aber wenn ich bei Geistlichen nicht Allefinde wie eS sein soll, UNP8 So gestehe ich, daß mich das Zirkular,, obschon seines edeln Zweckes Halber freudig überraschte, dennoch wögen des „hirtenbrieflichen^ Stiles:äußerst..unangenehm berührte.. Noch einige Worte übet den Gottesdienst in der Synagoge in Dukes Plaee, worin Herr vr. Adler gewöhnlich ist und predigt. .. V Das Gebäude ist prächtig und impvfarit, wahrhaft einem Tempel ähnlich, zur Andacht stimmend Und unterirdisch geheizt. -Letzteres ist eine-Einrichtüng, die zur Andacht im Winter ein unerläßliches Erforderniß ist. Der Chor mittelmäßig und für die Größe des Lokals auffallend zu gering an Anzahl und Kräften. Der ganze Gottesdienst wird deshalb matt und.unbelebt. ES sind zu wenig Personen dabei bethätigt und die ganze Gemeinde gar nicht, so daß diese sich langweilt. WaS geschiehtnun? Es schreien hie und da Mitglieder.zwischen hinein und andere geniren sich nicht, ganz laut mit einander zu konverfiren. Könnte unser Ritus in dieser Beziehung , nämlich in der größern Betätigung der ganzen Gemeinde, aber geordneter .und veredelt, nicht Etwas vom portugiesischen lernen? Mir scheint dies nicht so schwer auszuführen. Etwas Schönes muß ich aber auch hervorheben. Ergreifend und herzerhebend ist das HetüUsnehmen der Tora in dieser Synagoge. Wenn der Bovbeter mit seiner kräftigen Stimme und Gestalt, bei. offener Lade/die Torarolle wie seine Stimme erhebend die alleinige Einigkeit Gottes verkündet, da glaubt man, der Chor sei erst jetzt erwacht und dreifach an Sjärke geworden, und da sollte wahrhaftig jeder Jude gründlich von allem Aberglauben geheilt werden, und sollte dies sicher Und wahrhaftig das wirksamste Gegenmittel gegen das hier so eifrig thätige Misfionshandwerk sein. Herr Dr. Adler predigt hier jeden Monat ein Mal; gewöhnlich den Sabbat vor Neumond. Wir hatten zwei Mal das Vergnügen ihn zu hören, aber leider sehr wenig zu verstehen. Wir sind bescheiden genug zu gestehen, daß wir nicht hinlänglich Englisch kennen, um einen solchen philosophischen Vortrag zu verstehen. . Allein wir haben andere Predigten gehört Und verstanden. Ich habe aber auch den Worten des VorbeterS auf dem swa, neben welchem ich beide Male stand, mit der größten Anstrengung kaum folgen können und mit Mühe verstand -Ich die vorgelesenen Worte aus der Tora, was mir doch sonst so leicht ist. Ich bin zu wenig Baumeister und auch in der Lehre der Akustik zu schwach, um den Fehler w die-