Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 6 (2.2.1852)
- Date
- 1852-02-02
- Page
- Seite 65 (sequence 5)
- Language
- German
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65 betrieb und Lebensweise sich auszeichnen, die früher hiev wie überall geherrschte Trennung der Israeliten von ihren christlichen Mitbrüdern allmälig verschwindet, so ist dies nur höchst erfreulich.— Zn der That hat unsere hiesige erste Gesellschaft (Kasino) vor einigen Tagen zum ersten Male durch Kugelung einen Israeliten ausgenommen, damit also auch ihrerseits faktisch die Scheidewand zwischen Juden und Christen medergeriffen. Uebrigens muß auch anerkannt werden, daß die hiesigen israelitischen Bewohner für Förderung rc. der Intelligenz nach Möglichkeit besorgt sind und ein Beweis mag darin liegen, daß im hiesigen Gymnasium das im Ganzen von circa 180 Schülern besucht ist---38 Israeliten sich befinden. Was den Religionsunterricht dieser und der 72 israelitischen Kinder der Stadtschule, ferner jener der drei Prlvatunterrichtsanstalten betrifft, so ist dafür in der Person des seit etwas mehr als 4 Monaten angestellten Herrn vr. Levysohn aus Frankfurt a/O. gesorgt, dessen thätiges Streben in dieser Beziehung hier lobend anerkannt werden muß. — Wie als Religionslehrer so auch als Prediger zeigt sich die Wirksamkeit des Herrn vr. L. als eine segensreiche, da er in der letztem Eigenschaft die schroffen Gegensätze, die in der hiesigen Gemeinde in religiöser Beziehung herrschen, mit vielem Takt zu vermitteln und die verschiedenen Parteien zu vereinigen sucht. Die Predigten desselben, welche er monatlich ein Mal in dem hebräischen und zwei Mal in dem deutschen Gottesdienste hält, sind ebenso belehrenden als erbauenden Inhalts, und es ist zu hoffen, daß das Wirken dieses Mannes mit der Zeit die schönsten Früchte tragen werde. WaS den deutschen Gottesdienst anbelangt, so muß ich noch bemerken, daß derselbe in Gebet, Vorlesen aus der Tora und Predigt unter Mitwirkung eines gut eingeübten Chors besteht und vierzehntäglich des Nachmittags abgehalten wird, und wäre zu wünschen, wenn dieser dem Zeitwie religiösen Bewußtsein entsprechende Gottesdienst überall eingeführt werden würde. Diesem Bewußtsein entsprechen die hiesigen Voreine, der Männer- und Frauenkrankenverein, der BrennmaterialvertheilungSverein und der Verein zur Ausstattung armer Mädchen. Im Augenblicke wird die Errichtung eines neuen israelitischen Krankenhauses zu erstreben gesucht, wobeinamentlich unser konfessionsverwandter. Bürgermeister seiner rastlosen Thätigkeit für die gute Sache wegen rühmlich erwähnt' werden muß. Ich bchalte mir vor, Ihnen demnächst darüber ausführliche Mittheilung zu machen. Schließlich benachrichtige ich Sie/ daß iw benachbarten Mainz vor Kurzem Herr vr. Adler, bisher Rabbiner zu Kissingen, zum ersten und derbisherige Prediger und Religionslehrer vr. Cohn in Mainz zum zweiten Rabbiner von Mainz von Sr. f. H. dem Großherzoge ernannt worden find. - Preußen. Berlin, 20. Januar. Vorgestern (am 18.) erfolgte die feierliche Einführung des neuen Dirigenten der hiesigen jüdischen Gemeindeknabenschule, Herrn A. Horwitz, in sein Schul- und Lehramt. Der Vorstand der Gemeinde hatte dazu den Stadtschulrath Schulze und den Spezialaufseher der jüdischen Schulen, Gymnastaldirektor Bonnell, besonders eingeladen, und sich der Anwesenheit dieser Männer zu erfreuen. Außerdem waren die Rabbiner, der Vorsitzende des RepräsentantenkollegiumS und dessen Stellvertreter,- der Einladung gemäß, erschienen. Nach dem, durch die Vorsitzenden des Gemeinde- und des Schulvorstandes vollzogenen, Einführungsaktuö und der Antrittsrede des neuen Dirigenten, sprach der Stadtschulrath, welcher, nachdem er der Sorge der jüdischen Gemeinde für ihre Schulen Anerkennung gezollt, auch des in Ruhestand versetzten Dirigenten ehrend gedachte. Görlitz, 18. Januar. (Privatmitth.) Welcher Energie unter guter Leitung eine jüdische Gemeinde Gottlob noch fähig ist, zeiget in schönstem Sinne die hiesige. Es sind nunmehr erst vier Jahre verflossen, seitdem Görlitz den Judenals Wohnort -gestattet ist, und haben bis jetzt 32 Familien von dieser Erlaubniß Gebrauch gemacht. So schwierig es auch an solchem Orte sein mußte, die Gemeinde hat sich in dieser kurzen Zeitallerdings mit großen Opfern, ein BethauS, eine Religionsschule, einen Gottesacker geschafft, einen Kantor, Schechter und Religionslehrer an gestellt, und ist jetzt daran, sich ein geordnetes und ordnendes Gemeindestatüt zu schaffenwozu sie daS