Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 6 (2.2.1852)
- Date
- 1852-02-02
- Page
- Seite 64 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225768-3225775--12225-3242381- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
64 der anderen, ichlosen Wesen gegenüber; und wie die Welt, di? stets veränderliche, und Ln ihr Gott, nicht Mo$ *Hia die Urkraft ihrer Kräfte, sondern irrt# daß Ewig-Unveränderliche, die Quelle der unveränderlichen Gesetze, ist: sy ist der Menschengeist nicht bloß die Summe der veränderlichen Gefühle, Gedanken und Wiflen, sondern auch daß Ich, das dnnernpe, daS: ewige, von dem der tieffinnige Weise spricht: -jcn;>ä tosft ,öi»rnja»a- 'ft t3 „Eine Keuchte des Ewigen ist des Menschen Seele, durchforschend alle Kammern des Innern.'^ (Spr. 20, 27.)-r-. Und gehen wir endlich vom einzelnen Menschen zur gesummten Menschheit jiber; auch da dieselbe Erscheinung. Der keflnef nicht Pie ewige .Veränderlichkeit in der Menschheit? Das, maß rvix den Leib der Menschheit nennen können, in einem ewigen Stoffwechsel ist es begriffen. Völker kommen und gehen, Geschlechter gehen auf Geschlechtes hin, und jedes mis einem andern Gedanken, mit einer andern Aufgabe, mit einem andern Ziele. Und nicht minher Pas Innere. Was hat die Menschheit schon jür^Religionen entstehen und zerstäuben, für Systeme herv.yrtrelen und verschwinden sehen; wie viele Ideen find aufgekommen, und man glaubte das Heildarin enthalten, und mit einem neuen Morgen war es vergangen wie Dunst; da wird bald daS Älte immer wieder erneut, und. bald veraltet daö Neue. So ist die Menschheit wie eine mächtige Strömung, wo Welle auf Welle, Woge auf Woge stürzt -77kommt,, blitzt und vorüber ist. Poch wie? in dieser furchtbaren, schäumenden Menschen brandung giebt es nichts Dauerndes, nichts Unvergängliches? Fürwahr, wir breuchen nicht zu suchen. Es ist ein Fels, um den die Wogen schäumen, aber sie erschüttern seinen Grund nicht; es ist ein Fels, um den die Wolken ziehen und die Stürme fahren, aber fie bewegen feine Spitzen nickt: eß ist daS Sittliche, Edle, Lautere, das ist dauernd, das ist unveränderlich in der Menschenwelt. Wie ihm Grund und Boden hineingelegt ist vom Schöpfer in die Menschennatur, das. Gewissen, die unmittelbare sittliche Harmonie der Seele, wie ihm ein granitner Stock aufgerichtet ist durch die Verkündigung an Israel, wie ihm Spitze und Gipfel gesetzt worden durch Lhat und Wort der Edlen und Großen unter den Erbensöhnen aller Zeiten: wer will es verleugnen, wer will eS verneinen? Wo ist eine Zeit, die dem Ewig- Sittlichen ganz entschwören, wo ein Geschlecht, das sich seiner Anerkennung ganz entziehen wollte? Mitten in die wildesten Stürme der Menschenwelt ruft es hinein: ich bin die Liebe, und ihr, seicd mir unterthan! über die Schlachtfelder schreitet eS und ruft: ich bin daß Erbarmen, und ihr, huldiget mir! auf die Märkte stellt es sich hin und spricht:, ich bin das Recht, folget mir! Und Überall, in der stillen Kammer wie in dem Lärmen der Straßen, im Dunkel der Nacht wie im Lichte des Tages redet eS: ich, bin die Großmuth und die Versöhnung, ich bin die Aufopferung und die . Hingebung, ich bin: der Friede, und ich die Weisheit!... DaS ist daß unveränderliche, das Dauernde, daS Ewige in der Menschheit! , Und nun ist es - uns klar, was die Worte unserS Textes uns lehren. Jene Väter beobachteten all daS Veränderliche in der Welt, am Menschen, in der Menschheit, und erkannten, daß es eine Einheit bildet, indem es seine Quelle und sein Dasein von-Gott hat, den sie darum nannten btt, Gott der Allmacht. Aber durch die Verkündigung Mosche's wurde gelehrt daS Unveränderliche in der Welt, das Gesetz, im Menschen, daS Ich, in der Menschheit das Sittliche, die Liebe und daS Recht und erkannt, daß dies seine Quelle und sein Dasein von Gott hat, den et darum nannte der Ewige. v Wohl, das ist der FelS, auf den Israel seine vier Jahrtausende aufgebaut hat, auf dem Israel mitten in der immer sich verändernden Völkerwelt, und trotz der Veränderungen an ihm selbst, unveränderlich gestanden und gewohnt: wollet, könnet Ihr ihm absagen? Vermögct Ihr Euch hinauszusetzen über die Geschlechter der vier Jahrtausende, sprechend: sie haben geirrt, wir haben cS' gefunden?... Lasset unS treu leben und sterben, fest und stark, den Kommenden ein Beispiel, wie die Gegangenen unS gewesen!... Zeitungsnachrichten. Deutschland. Worms, 19. Januar. (Privatmttth.) Die hiesige an sich kleine Stadt (fie zählt kaum 8000 Seelen) zeigt das gewiß interessante Bild, einen Bürgermeister, zwei Angestellte der Regierungskommisston, ein Mitglied des Stadtraths und einen Tarator der städtischen Pfand- und Leihanstalt, sämmtlich israelitischer Konfession, in ihrer Mitte zu haben. Wenn durch solche Erscheinungen in Verbindung mit dem Umstande, daß eine ziemliche Zahl Israeliten sich hier befinden, die durch Kenntnisse, Geschäfts-