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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-02-02 · Heft 6 (2.2.1852) · p. Seite 63

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 6 (2.2.1852)
Date
1852-02-02
Page
Seite 63 (sequence 3)
Language
German
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schengeist emporstekgt — und wie wir unsere Knie, beugen vor dem allmächtigem Wesen, das alles sich Verändernde geschaffen, so erheben wir im Bewußtsein des unveränderlichen Gesetzes die Hände empor zu dem Urquell dessen, dem unveränderlich Ewigen, das wir mit heiligen Schauern nennen: ^8 , rr'ipz — .ri'Vi tf'bN2 , *'h'Sr2 Und steigen wir nun von Gott,' dem Allumfassenden, in gleicher Betrachtung zu uns selbst herab. Auch wir, die Menschen, die an der Spitze dev Erdschöpfung stehen, von denen der Psalmist sagt: „Du ließt ihn des Göttlichen ein Wenige ermangeln, kröntest mit Ehre und Herrlichkeit ihn" (8, 6.) — sind ewiger Veränderung heimgegeben. Nicht bloS diese Erdenhülle, dieser Leib, dieses Kunstwerk, das so gebrechlich und doch so ausdauernd, so zart und empfindlich und doch so zähe und widerstehend, so fein und doch so kräftig gewoben und gebaut ist — auch der Geist in uns ist steten Wechsels. Erinnere Dich, seit dem erhabenen, von Dir selbst nicht gekannten Augenblick, wo das Bewußtsein in Dir, dem Kinde, erwachte, welchen Entwickelungsgang ist Dein Geist durchschritten! Wie wurde ker Funke zum Strahl, der Strahl zum Lichte, das Licht zur Flamme! Erinnere Dich, waS ist seitdem Alles durch Dein Herz geflossen, welch Wechsel von Liebe und Haß, von Glück und Trauer; welche Hoffnungen machten Dein Herz höher klopfen, welche Schmerzen rangen in ihm nach Luft und Erleichterung; o eine ganze Welt der Erinnerung liegt hinter Dir! O, entsinne Dich, wie Du das fröhliche Kind, wie Du der unbändige Knabe oder das heitere Mädchen, wie Du der feurige Jüngling oder die schüchterne, und doch so bewegte Jungfrau, wie Du der ernste Mann mit seinem Kreis von Bestrebungen, oder die sorgliche Hausfrau wardst und warst w und welche Ziele Du auch erreicht hast, wie vieles Du los und ledig geworden: Dein Herz wird nicht aufhören zu klopfen vor Besorgniß, als bis es aufhört zu klopfen; eS wird neuen Hoffnungen rtnd Wünschen und Sehnen offen sein, bis daß seine Kammern geschloffen sind auf immer —^ -Und nun erst die Flucht der Gedanken, die Flucht der Wahrnehmungen, Vorstellungen, Urtheile, Schlüsse, die nicht blos unser Wachen, die selbst noch unfern Schlaf als wirre Träume durchjagt! — wisset Ihr doch,, daß unfern Geist, auf einmal nur immer Eine Vorstellung inne hat, und daß von Sekunde)zu Sekunde die Vorstellungen sich ablösen; wisset Ihr doch, wie dieser Geist auch in den verschiedenen Zeiten des Lebens ein anderer ist, wie er im KindeSälter Unmaffen von Begriffen in sich aufnimmt, wie er in der Jugend die Schwingen der Phantasie regt, und schafft, wie er im Mannesalter all dies tief durchdenkt und spekulirt, und wie er dann im Alter sich nur noch in dem Kreise des Gewonnenen und Gewohnten bewegt und was in diesem liegt, zäh' und eisern sesthält-So erscheint auch der Geist in uns als ein ewig bewegliches, immerfort wechselndes und sich entwickelndes Wesen, daS uns fast in der Veränderung seinen ganzen Bestand zu haben scheint. Und dennoch, giebt es nichts Unveränderliches, Dauerndes in unserm' Geiste? Forschen wir. Fühlen wir nicht tief in unserm innersten Wesen ein Etwas, ein Bestimmtes, das wir allein für unser Selbst halten, auf das wir Alles zurückbeziehen, an dem sich Alles, was uns betrifft, anhält und aneinanderreiht, dem wir alles Unsrige zuschreiben^ selbst unfern Leib, unfern Geist, mit einem Worte, das wir unser Ich nennen, das Ich als den Mittel- und eigentlichen Kernpunkt unser? Wesens und SeinS, von dem Alles in uns,ausgeht, und zu dem Alles in uns zurückströmt, dieses Ich, das ununterbrochen, selbst in unseren Träumen, sich fühlt, sich denkt, sich will? Und tritt nicht .gerade dieses Ich als ein besonderes Wesen, der ganzen Welt gegenüber, 'auf, von Beginn an mit bestimmten Anlagen, bestimmter Richtung, bestimmtem Charakter, die sich zwar ausbilden und entwickeln, in ihren Grundzügen aber dieselben find und dieselben bleiben, eine bestimmte Persönlichkeit, die von allen anderen sich unterscheidet? DaS ist das Unveränderliche, das Dauernde, das Wesenhaste im Menschengeiste, an dem, um das, vor dem all der Wechsel der Gefühle und Gedanken, ja dev ganzen Entwickelung vor sich geht. Und wie? indem wir dies wissen oder fühlen, erscheinet nicht jeder Mensch allen Anderen als eine bestimmte, sich gleich' bleibende Person,' an der das fich Verändernde nur das Außenwerk ist, über die wir daher ein Urtheil haben, zu der wir uns Etwas versehen, der wir vertrauen oder mißtrauen — All dies vermöchten wir nicht, sofern der Menschengeist nur veränderlich wäre, sofern in ihm nicht ein Dauerndes, Bleibendes wäre! * * - Wohl, so ist eS ficher, auch in dem Menschengeiste ist ein Ewiges, das unverändert in ihm lebt und webt und sein eigentliches Wesen ist, ein Ich, das nicht erst auf dieser Erde und mit diesem Leite geworden, und daS nicht mit dieser Erde und mit diesem Leibe vergeht) ' Das ist abermals daS Gottebenbildliche des MenschengeisteS, daß er ein Ich ist, dauernd, bleibend, dem steten Wechsel

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