Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 5 (26.1.1852)
- Date
- 1852-01-26
- Page
- Seite 56 (sequence 8)
- Language
- German
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Korrespondenz. Die Zahreskonferenz der israelitischen Religionslehrer im Rabbinatsbezirke Bad-Ems. Die Jahreskonferenzen unter den israelitischen. Reli-. gionslehrern wurden von dem Bezirksrabbiner Herrn vr. Hochstädter nach seinem Eintritt in das diesseitige Rabbinat — welches ehedem seinen Sitz in Langenschwalbach hatte, im Jahre 1844 eingeführt, und gehörten somit zu den ersten deSfallsigen Institutionen unter dem israelitischen Lehrerstande in Deutschland, die bald ihre Nachahmung auch anderwärts fanden. Wir brauchen nicht erst zu betheuern,- daß dieselben für den Berufseifer und die Kollegialität der Betheiligten vom besten Erfolge waren. Denn wenn irgend ein Lehrerstand, so war es gerade der israelitische, dem diese beiden Eigenschaften in den verwichenen stürmischen Jahren nicht fehlen durften, wenn er anders von den — durch daS Präsentationsrecht allzusehr zur Willkür geneigten — israelitischen Kultusgemeinden nicht hinweggestürmt werden sollte! Doch auch Nichtsein Lehrsubjekt wurde von unserm, für das israelitische Schulwesen besonders eifrigen Bezirksrabbiner jener Willkür preisgegeben. " ’ ' Am 22. Oktober d. I., Morgens 9 Uhr, versammelten sich die israelitischen Religionslehrer unter dem Vorfitze ihres Bezirksrabbiners. Nachdem die Sitzung durch eine, die Leiden und Freuden des israelitischen ReligionSlehrerstandes der Gegenwart besprechende Anrede von Seiten des Vorsitzenden eröffnet war, wurden die schriftlichen Ausarbeitungen der vorjährigen Konferenzaufgaben von deren Verfertigern verlesen und im freimüthigen und dennoch humanen, mündlichen Gedankenaustausche beurtheilt. Wir heben bei dieser Gelegenheit von diesen bedeutungvollen Konferenzaufgaben folgende besonders hervor-: 1) AuS der israelitischen Religion, und zwar: a) auS der Glaubenslehre: „Inwiefern ließen sich aus der einzigen Grundlehre des Judenthums (Einheit Gottes) die drei sogenannten Alboischen Glaubenssätze entwickeln und diesen die dreizehn Maimonidischen Glaubensartikel unterordnen?" * b) Aus der Hflichtenlehre: „Auf welche Weise sorgte das mosaische Gesetz für die Armen im väterlichen Stammlande; wie ist hierin der scheinbare Widerspruch der Schriftsteller V. H. 15, 4 zu den Versen 7 und 11 zu lösen; und welche Anwendung finden unter anderen Formen diese Armengesetze in der israelitischen Pflichtenlehre?" * < - 2) Aus der Mischen Volks- und Relkgions geschichte: „Welchen Einfluß Hatte das babylonische Eril auf die Religiosität unserer Väter und welche Wirksamkeit bewiesen Esra und Nehemia für die Wiederherstellung (Restauration) des mosaischen Gesetzes im Judenthucke?" Dann noch eine pädagogische Fraget deren LösuM für das praktisch-religiöse Leben von besonderer. Wichtigkeit ist, nämlich: „Welcher Werth ist von Seiten des Religionslehrers in seinem Lehren und Leben auf jene Zeremonial- und Ritualgesetze zu legen, die in den Gemeinden, Synagogen und Familienhäusern der deutschen Israeliten keinen sehr fruchtbaren Boden mehr finden, denen jedoch solche moralische und religiöse Absichten ehedem als Grundlage dienten, daß sie nicht geradezu als Aberglauben oder Mißbräuche betrachtet werden können? . Dann wurden von Seiten der Religionslehrer die Verzeichnisse der schulpflichtigen Kinder ihrer Gemeinden und die Lehr- und Stundenpläne für das bevorstehende Wintersemester ihrer Schulen dem Rabbinate eingehändigt, von welchem Letztere revidirt und genehmigt wurden. Nach einem, in kollegialer Freudigkeit eingenommenen, frugalen Mittagsmahle wurden vertrauliche Unterredungen über die Verbesserung der inneren und äußeren Verhältnisse des israelitischen ReligionslehrerstandeS im Herzogthume und über die Mittel zu deren Förderung gepflogen. Dann wurden vom Herrn Bezirksrabbiner die Konferenzaufgaben zur künftigen, schriftlichen Ausarbeitung an die Herren Religionslehrer in Kouverten vertheilt, mit der ausdrücklichen Anordnung, daß, wie in früheren Jahren, dieselben von den Kollegen selbst gegenseitig schriftlich beurtheilt werden, bevor die nächste Jahreskonferenz stattfinde. Belletristisches. Der unbekannte Nabbi. Eine Novelle. v- . - , (Fortsetzung.) Der Erziehungsplan, dem der Schuster mit seinem Josseh auf den ich jetzt zurückkomme, folgte, war sehr einfach, weftn auch nicht ohne Schwierigkeit. Es war na-